Ab Freitag ist Schluss

Beliebter Lieferdienst gibt in Deutschland auf - das Ende kommt fast sofort

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Essenszusteller Deliveroo stellt Deutschland-Geschäft ein.

Deliveroo verschwindet vom deutschen Markt, das Ende wird sehr schnell kommen. Der Lieferando-Konkurrent schließt eine Rückkehr nicht aus.

Berlin - Überraschender Paukenschlag im Liefergewerbe: Der Essenslieferdienst Deliveroo stellt noch in dieser Woche seinen Dienst in Deutschland ein. Seinen Kunden schrieb das britische Unternehmen am Montag, geliefert werde noch bis Freitag, dann sei Schluss. Restguthaben auf den Kundenkonten würden zurückerstattet. Deliveroo wolle sich auf Wachstumsmärkte anderswo in Europa und Asien konzentrieren, begründete ein Sprecher den Schritt. 

Eigentlich wollte Deliveroo im Konkurrenzkampf mit Lieferando in Deutschland noch einmal groß durchstarten. Doch auch mit einem Investment von 575 Millionen Dollar durch Amazon im Rücken ziehen die Briten auf dem deutschen Markt nun die Reißleine und verlassen den deutschen Markt. Sieger im Wettstreit der Lieferdienste in Deutschland ist nun die Allianz von Lieferando und Lieferheld, die im Frühjahr entstanden war.

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Die Entscheidung, den Dienst in Deutschland einzustellen, sei "nicht einfach" gewesen und "nicht leicht gefallen", erklärte das Unternehmen. Dennoch wolle sich Deliveroo nun darauf konzentrieren, "seine Aktivitäten in anderen Märkten auf der ganzen Welt auszubauen". Der Sprecher sagte, Deliveroo könne dort sein Wachstum teils verdoppeln. 

Deliveroo-Statement: „Herausragender Service“ in Deutschland nicht umsetzbar?

Deliveroo habe sich zum Ziel gesetzt, "Kunden, Fahrern und Restaurants einen herausragenden Service zu bieten", erklärte das Unternehmen. Dort, wo das nicht auf dem gewünschten Niveau realisierbar sei, "sind wir nicht tätig", hieß es mit Bezug auf Deutschland. Allerdings schloss Deliveroo nicht aus, irgendwann auf den deutschen Markt zurückzukehren.

Im deutschen Markt der Essenlieferdienste ist der Konkurrent Takeaway.com aus den Niederlanden besonders stark. Takeaway fügte im Frühjahr zu seiner Marke Lieferando das Deutschland-Geschäft von Delivery Hero hinzu. Nach der Übernahme gehören zu der Gruppe neben Lieferheld auch Pizza.de und Foodora. Takeaway ist gerade dabei, mit dem Rivalen Just Eat zu fusionieren. Nach dem Deal sollen die Aktionäre von Just Eat eine knappe Mehrheit halten. Die Fahrer der Anbieter fahren auf Bestellung zu Partnerrestaurants, holen dort fertige Gerichte ab und bringen sie den Kunden nach Hause.

Deliveroo gibt in Deutschland auf - 1.000 freiberufliche Fahrer betroffen

In Deutschland hatte Deliveroo im April 2015 seinen Dienst gestartet. Zuletzt beschäftigte es nach eigenen Angaben 1100 freiberuflich tätige Fahrer sowie rund 100 Angestellte und Mitarbeiter mit Zeitverträgen. Ihnen will das Unternehmen nach eigenen Angaben Abfindungen zahlen. Vor einem Jahr hatte sich Deliveroo bereits aus zehn deutschen Städten, darunter Dortmund zurückgezogen und sich auf Berlin und vier weitere Großstädte beschränkt.

Deliveroo habe dafür gesorgt, dass Fahrer, Restaurants und Mitarbeiter „angemessene“ Vergütungs- und Kulanzpakete erhielten, hieß es ohne nähere Details. „Wir möchten uns bei allen Fahrern und Restaurants, die in Deutschland mit Deliveroo gearbeitet haben, sowie bei unseren wunderbaren Kunden bedanken“, erklärte ein Sprecher. Während der deutsche Marktführer Lieferando die Fahrer als Angestellte beschäftigt, waren die Fahrer bei Deliveroo als Selbstständige unterwegs. Diese Praxis löste immer wieder Kritik von Gewerkschaftern aus.

Gewerkschaft übt Kritik an Deliveroo: „Fehlende soziale Verantwortung“

Die Gewerkschaft NGG warf dem Unternehmen eine "fehlende soziale Verantwortung" vor. Zwar weine die Gewerkschaft dem Unternehmen und seinen Geschäftspraktiken "keine Träne nach". Jedoch sei die kurze Frist zwischen Bekanntmachung und Ende des Geschäfts "ein Schock für die Beschäftigten". Auch Abfindungen schafften dabei keine Abhilfe. NGG kritisierte vor allem die "Scheinselbständigkeit" der Fahrer und forderte die Politik auf, derartigen Geschäftspraktiken einen Riegel vorzuschieben.

In Frankreich machte das Unternehmen kürzlich mit Protesten seiner Fahrer auf sich aufmerksam. Sie riefen die Kunden vergangene Woche zu einem eintägigen Boykott auf und organisierten Veranstaltungen, um gegen ihre Bezahlung zu protestieren. Kritik gibt es immer wieder auch an dem Verpackungsmüll, der mit dem Betrieb der Lieferdienste einhergeht.

In den bayerischen Alpen hatte Deliveroo im Herbst 2017 noch mit einer spektakulären Werbeaktion für Aufsehen gesorgt, wie Merkur.de* berichtete. Der Verlust von Arbeitsplätzen könnte auch abseits des konkreten Falles Deliveroo ein Problem in Deutschland werden - Experten warnen vor einer Konjunktur-Delle.

Video: Amazon Fresh und Co.: Lebensmittel-Lieferdienste fallen alle durch

AFP/dpa/fn

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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