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Eco Pfade im Landkreis Kassel: Sich die Geschichte 
erwandern

Zwei Kinder klettern im Eco Pfad Helsa.
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Mitten im Wald: Die Kaskaden wurden geplant, um die Abwässer aus Hirschhagen abzutransportieren. Heute sind sie ein spannender Anlaufpunkt des Eco Pfads Helsa.

„Darf ich ins Wasser?“ Diese Frage hören sicher alle Eltern, wenn sie mit ihrem Nachwuchs an den Kaskaden auf dem Eco Pfad zur Industrie- und Kulturgeschichte in Helsa unterwegs sind. 

Der Eco Pfad des Landkreises Kassel taucht tief in die Geschichte des östlichen Kreises ein. So lernt man beispielsweise, dass die Kaskaden ein künstlicher Wasserlauf sind, der Ende des Zweiten Weltkriegs wegen der kontaminierten Abwässer der Sprengstofffabrik in Hessisch Lichtenau-Hirschhagen erbaut wurde und noch heute das Wasser des Rohrbachs in die Losse führt. Die Bauarbeiten begannen Ende 1944. Dazu wurden auch jüdische Frauen aus dem dortigen Lager, einer Außenstelle des KZ Buchenwald, eingesetzt. Im März 1945 wurden die Kaskaden fertig gestellt. Die Eco Pfade – mittlerweile gibt es 32 verschiedene – sollen nach Angaben des Kreises dazu anregen, sich mit der Geschichte der Region zu beschäftigen, Zeugen der Vergangenheit mit anderen Augen zu sehen und sie damit auch für die Zukunft zu bewahren. „Die Eco Pfade im Landkreis Kassel sind ein besonderer Schatz. Sie vereinen Geschichte, Industrie und Kultur und zeigen ganz nebenbei immer wieder, wie schön die Region ist“, sagt Wilburg Kleff vom Landkreis Kassel. Sie überarbeitet die Eco Pfade mit einem bunten Team. „Alles soll so markiert sein, dass Besucher auch spontan aufbrechen können, ohne Handy, Karte und Vorbereitung.“

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Die Krukenburg (oben) und das Rathaus in Gieselwerder der Eco Pfade.
Die Eco Pfade zeigen die Schätze der Region: Die Krukenburg (oben) und das Rathaus in Gieselwerder.  © Birgit Mietzner
Die Krukenburg (oben) und das Rathaus in Gieselwerder der Eco Pfade.
Die Eco Pfade zeigen die Schätze der Region: Die Krukenburg (oben) und das Rathaus in Gieselwerder.  © Birgit Mietzner

Auf eigene Faust Vergangenheit erkunden
Als sich der Landkreis Kassel vor rund 20 Jahren mit der Frage der Stärkung regionalen Geschichtsbewusstseins beschäftigte, kam die Idee auf, kulturgeschichtliche Wanderwege einzurichten. Ideengeber und Motor war der damalige Landrat Dr. Udo Schlitzberger, die Vorlagen kamen aus Frankreich und Dänemark. Die nordhessischen Eco Pfade ermöglichen es, auf eigene Faust die Vergangenheit zu erkunden und zu jeder Tageszeit unbekannte Geschichten über Hugenotten oder die Eisenzeit zu erfahren, historisch bedeutende archäologische Fundstätten zu besichtigen, Burgen und Schlösser zu entdecken. Man erfährt dabei, was es mit dem Galgen am Werderschen Weg auf sich hat, wo im Landkreis Kassel „Alt-Köln“ liegt oder wieso ein Wasserschloss nicht auf einer Insel steht und was heute dort passiert. Entlang des Weges informieren Tafeln und je nach Wegstrecke findet man ein oder zwei gastronomische Anlaufstellen. Mittlerweile trifft man auf regelrechte Eco Pfad-Sammler, die alle Wege abgegangen sind. Die Eco Pfade sind ein wichtiger Bestandteil des Regionaltourismus geworden. Landrat Andreas Siebert erklärt: „Die Erfahrung mit der Akzeptanz der Eco Pfade zeigt, dass diese Art der Geschichtsvermittlung erfolgreich ist. Sie stützt zudem Regionalbewusstsein und regionale Identität.“

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Teich in Naumburg, davor zwei Stühle, ein Tisch mit Deko-Frosch drauf.
Erinnert an den Bergbau in Holzhausen: Der Eco Pfad führt in drei Teilstrecken zu den einstigen Zechengeländen am Gahrenberg, Kleeberg und Osterberg – und bietet einzigartige Möglichkeiten für eine Rast (oben). Rechts die Schmiede in Simmershausen und die Kirche in Naumburg.  © Birgit Mietzner
Teich in Naumburg, davor zwei Stühle, ein Tisch mit Deko-Frosch drauf.
Erinnert an den Bergbau in Holzhausen: Der Eco Pfad führt in drei Teilstrecken zu den einstigen Zechengeländen am Gahrenberg, Kleeberg und Osterberg – und bietet einzigartige Möglichkeiten für eine Rast (oben). Rechts die Schmiede in Simmershausen und die Kirche in Naumburg.  © Birgit Mietzner
Teich in Naumburg, davor zwei Stühle, ein Tisch mit Deko-Frosch drauf.
Erinnert an den Bergbau in Holzhausen: Der Eco Pfad führt in drei Teilstrecken zu den einstigen Zechengeländen am Gahrenberg, Kleeberg und Osterberg – und bietet einzigartige Möglichkeiten für eine Rast (oben). Rechts die Schmiede in Simmershausen und die Kirche in Naumburg.  © Birgit Mietzner

Die Eco Pfade zeigen, wie sich unsere Region historisch entwickelt hat und welche Spuren heute noch zu finden sind. Die allgemein verständlich abgefassten Texte auf den Hinweistafeln am Wegesrand geben den jeweils aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung wieder. Für drei Eco Pfade werden Hörführungen angeboten, die den Wanderern einen neuen Zugang zu den Themen bieten. Die Strecken sind unterschiedlich lang und so ausgelegt, dass sie in einem nicht zu langen Spaziergang bewältigt werden können. Weitere Informationen zu den einzelnen Pfaden, Karten und Fotos gibt es online unter eco-pfade.de (CAB / NH)

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