Bewegte Zeiten

Deutsche-Bank-Konzern: Was wird aus der Postbank?

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Frankfurt/Bonn - Seit Monaten sucht Deutschlands größtes Geldhaus nach einer neuen Strategie. Fest steht: Das Geldhaus muss weiter sparen. Vor allem die Postbank-Beschäftigten zittern.

Zumindest über die Ostertage hofft mancher Top-Manager der Deutschen Bank auf etwas Ruhe. „Zwei bis drei Tage mit der Familie ausspannen, das wäre toll“, sagte kürzlich eine Führungskraft. Es sind bewegte Zeiten bei Deutschlands größtem Geldhaus.

Vorstand und Aufsichtsrat müssen eine Antwort auf die Frage finden, wie der Konzern trotz immer strengerer Auflagen der Behörden und Mini-Zinsen dauerhaft wieder mehr verdienen kann. Seit Monaten wird in der Frankfurter Konzernzentrale um den richtigen Kurs gerungen.

Auf dem Tisch liegen radikale Vorschläge - etwa die komplette Abspaltung des Privatkundengeschäfts. Die Hängepartie bei der Postbank wird zunehmend auch zur Belastung für den Tarifkonflikt bei der Bonner Deutsche-Bank-Tochter.

Schon im Februar kritisierte Verdi, die Arbeitgeberseite nehme die Ängste der Postbank-Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze „offensichtlich nicht ernst“: „Das ist insbesondere vor dem Hintergrund fortwährender Verkaufsgerüchte, die von der Eigentümerin Deutsche Bank nicht dementiert werden, unverständlich und nicht hinnehmbar.“

Mitte März erklärte Verdi die Verhandlungen über eine Verlängerung des Kündigungsschutzes und mehr Geld für rund 9500 Postbank-Beschäftigte für gescheitert, auch ein Spitzentreffen auf Vorstandsebene Ende März brachte keine Lösung. Nun droht bei der Postbank erstmals in der Firmengeschichte ein Arbeitskampf mit flächendeckenden Streiks. Die Urabstimmung darüber läuft bis zum 18. April.

Die Deutsche Bank zeigt sich nach außen unbeeindruckt. Mit konkreten Aussagen zum künftigen Kurs halten sich die beiden Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen in der Öffentlichkeit zurück. Offiziell wird aus dem Konzern gebetsmühlenartig nur wiederholt, es werde alles ohne Tabus geprüft, Ergebnisse würden im Laufe des zweiten Quartals vorgelegt. Intern kämpfen in der Strategiedebatte dem Vernehmen nach Anhänger des Privatkundengeschäfts mit den Investmentbankern um die Verteilung der Gewichte im Konzern.

Drei Varianten für den künftigen Kurs hat der Vorstand dem Vernehmen nach dem Aufsichtsrat am 21. März vorgelegt. Die erste sieht vor, dass die Deutsche Bank als Universalbank weiterhin praktisch alle Geschäfte vom Sparkonto für Privatanleger bis zum komplexen Derivat anbietet. Die Postbank würde komplett in den Konzern integriert, um Doppelstrukturen abzubauen. Viele Investoren dürfte das nicht zufriedenstellen: Statt eines Durchwurschtelns erwarten sie einen großen Wurf.

Variante zwei läuft auf ein rascheres Schrumpfen hinaus: Die Postbank würde verkauft oder große Anteile der Bonner Tochter würden an die Börse gebracht.

Der klarste Schritt wäre die Aufspaltung der Bank und der Rückzug aus dem Privatkundengeschäft. Dieses könnte in einer neuen Gesellschaft mit den Marken Postbank und Deutsche Bank an die Börse gebracht werden und sich so frisches Geld besorgen. Übrig blieben bei der Deutschen Bank Investmentbanking, Zahlungsverkehrsgeschäft und Vermögensverwaltung. Der Deutsche Branchenprimus, der sich gern mit der US-Konkurrenz misst, würde sich damit an der Investmentbank Goldman Sachs orientieren. Diese Variante soll von mehreren Seiten favorisiert werden - auch von Arbeitnehmervertretern.

Unabhängig vom Ausgang der Strategiedebatte steht fest, dass das Filialsterben weitergehen wird: Der Abbau werde sich in ähnlicher Geschwindigkeit wie in den vergangenen Jahren fortsetzen, sagte Privatkundenmanager Christian Ricken vor einer Woche bei einer Tagung in Mainz. In den vergangenen 15 Jahren sei die Zahl der Deutsche-Bank-Standorte - ohne Postbank - bereits von 1200 auf 740 zurückgegangen. Die Ungewissheit für die Postbank hält vorerst an.

dpa

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