Großer Jobabbau im Gespräch

Deutsche Bank überrascht mit Gewinn

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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank John Cryan.

Frankfurt/Main – Nach einer Serie von schlechten Nachrichten überrascht die Deutsche Bank positiv. Die Mitarbeiter müssen sich dennoch auf weitere Einschnitte einstellen. Denn die Liste der Probleme bleibt lang.

Die Deutsche Bank hat trotz juristischer Altlasten und der Zinsflaute im turbulenten dritten Quartal überraschend schwarze Zahlen geschrieben. Unter dem Strich verdiente Deutschlands größtes Geldhaus 278 Millionen Euro.

Branchenexperten hatten einen Verlust nach Steuern von 600 Millionen Euro erwartet.

"Wir sind beim Umbau unserer Bank gut vorangekommen", berichtete Vorstandschef John Cryan in Frankfurt. Zugleich stimmte er die Mitarbeiter auf eine Verschärfung des Sparkurses ein.

Die Lage werde noch eine Weile schwierig bleiben, schrieb der Vorstandschef in einem Brief an die Beschäftigten: "Wir werden deshalb unseren Umbau beschleunigen und noch verstärken müssen, wie wir es ja zum Halbjahr schon angedeutet haben."

Bisher will der deutsche Branchenprimus im eigenen Haus unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze streichen, 4000 davon in Deutschland. Bis Ende 2017 sollen etwa 200 der 700 Filialen geschlossen werden.

Fortschritte bei Verhandlungen über Strafen wegen krummer Geschäfte in USA

Bei den Verhandlungen über Strafen wegen krummer Hypothekengeschäfte in den USA aus Zeiten vor der Finanzkrise macht das Institut Cryan zufolge Fortschritte: "Die Bank arbeitet hart daran, diese Angelegenheit so bald als möglich abzuschließen." Die US-Justiz hatte Mitte September die entscheidenden Vergleichsverhandlungen mit einer Strafforderung von 14 Milliarden Dollar eröffnet und damit den Aktienkurs der Bank einbrechen lassen.

Auch die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Sanktionsverstöße bei Geschäften in Russland gelten als bedrohlich. Im dritten Quartal legte das Institut zusätzlich 500 Millionen Euro für Rechtsrisiken zurück. Die Bank hat für offene Strafen nun 5,9 Milliarden Euro reserviert. "Wir wollen die wichtigsten Rechtsfälle in diesem Jahr abschließen", sagte Cryan.

Die Erträge - also die gesamten Einnahmen - stiegen trotz des Zinstiefs und des laufenden Schrumpfkurses im dritten Quartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 2 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Dabei profitierte die Deutsche Bank unter anderem von einem anziehenden Handelsgeschäft mit Anleihen.

Ordentliche Gewinne gab es in der Privatkunden-Sparte, im Fondsgeschäft und im Beratungsgeschäft mit großen Kunden. Vor einem Jahr hatte konzernweit unter dem Strich ein Verlust von rund sechs Milliarden Euro gestanden, weil Cryan kurz nach seinem Amtsantritt milliardenschwere Abschreibungen vorgenommen hatte.

Am Verkauf der Postbank hält die Deutsche Bank fest, wie Cryan betonte: "Wir haben Zeit für den Verkauf." Zuletzt hatten Spekulationen die Runde gemacht, das Institut könnte mangels eines Käufers von seinem Vorhaben Abstand nehmen und die Bonner Tochter mit dem eigenen Privatkunden-Geschäft zusammenlegen.

Dank des überraschenden Gewinns stärkte die Deutsche Bank auch ihren Kapitalpuffer. Die harte Kernkapitalquote kletterte im dritten Quartal um 0,3 Prozentpunkte auf 11,1 Prozent. Die Quote gibt das Verhältnis von Eigenkapital zu Risiken an. Eigenkapital gilt als wichtige Stütze von Banken in schwierigen Zeiten. Viele Analysten sehen bei der Deutschen Bank auch wegen immer strengerer Vorgaben der Aufsichtsbehörden weiter erhebliche Kapitallücken in den kommenden Jahren und halten deshalb eine Kapitalerhöhung für wahrscheinlich.

Angesichts des heftigen Verfalls des Börsenwerts der Bank wurde zwischenzeitlich sogar darüber spekuliert, dass das Institut Staatshilfe benötigen könnte. Diesem Eindruck war Cryan entgegengetreten.

dpa

Altlasten und Konzernumbau: Baustellen der Deutschen Bank

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