Deutsche Wirtschaft kaum gegen Terrorschäden versichert

Berlin - Die deutsche Wirtschaft sucht offenbar kaum Versicherungsschutz gegen die finanziellen Risiken eines Terroranschlags.

“Große Bereiche der Industrie haben sich bei uns nicht gegen solche Risiken versichert“, sagte Dirk Harbrücker, Vorstand des einzigen deutschen Terrorversicherers Extremus, der Tageszeitung “Die Welt“ (Donnerstagausgabe). Das Unternehmen, nach den Terroranschlägen von 2001 auf die USA von den deutschen Versicherern mit Unterstützung der Bundesregierung gegründet, hat gerade einmal “1.300 Kunden und insgesamt 7.000 Objekte versichert“, sagte Harbrücker.

Darunter seien lediglich zwei Autokonzerne. Vorrangig hätten sich vor allem Immobiliengesellschaften, Fonds, Banken, Versicherungen sowie alle deutschen Flughäfen dort versichert. Allerdings scheine sich die Lage seit der vergangenen Woche zu ändern. “Das Interesse von Neukunden hat mit den Terrorwarnungen spürbar zugenommen“, sagte der Extremus-Manager. Schon jetzt gebe es 320 Anträge fürs neue Jahr. Selbst nach den Anschlägen von Madrid und London sowie der Festnahme der Sauerland-Gruppe habe er so etwas nicht erlebt.

Zurückhaltung verzeichnet auch die Munich Re, einer der weltweit größten Rückversicherer: “Das Interesse von Unternehmen an Terrorversicherungen ist gering“, sagte die Leiterin der Firmenkundengeschäfts Heike Trilovszky. “Viele sage sich offenbar: Ich habe dringendere Probleme, und wenn etwas passiert, wird schon einer einspringen, im Zweifel der Staat.“ Trilovszky warnte daher auch vor früheren Überlegungen, Extremus als gemeinsame Gesellschaft der deutschen Versicherer wegen zu geringer Nachfrage wieder zu schließen. “Das wäre ein großer Fehler“, sagte sie. “Denn die private Versicherungsindustrie kann den Fehler von vor 2001 nicht wiederholen, große Terrorschäden selbst zu tragen.“

dapd

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