Die Deutschen sind in bester Kauflaune

Nürnberg  - Das Geld sitzt locker: Weil es auf dem Sparbuch ohnehin kaum Zinsen gibt, gönnen sich Viele lieber ein neues Auto, schicke Kleidung oder eine Reise. Die Entscheidung der EZB für Minizinsen  hat das Konsumklima  noch einmal angekurbelt.

Die Stimmung der deutschen Verbraucher ist so gut wie seit siebeneinhalb Jahren nicht mehr. Nach mehreren Monaten der Stagnation auf hohem Niveau habe sich das Konsumklima weiter verbessert, teilte das Marktforschungsunternehmen GfK am Mittwoch in Nürnberg mit. Grund sei die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) den Leitzins im Euroraum noch weiter zu senken auf ein Mini-Rekordniveau von 0,15 Prozent. Die Folge: Statt zu sparen, geben die Menschen ihr Geld lieber aus.

Bürger schätzen Konjunkturentwicklung positiv ein   

Der GfK-Konsumklimaindex für Juli stieg dadurch von revidiert 8,6 auf 8,9 Punkte - das ist der höchste Stand seit Dezember 2006. Die „entscheidenden Impulse“ habe die EZB gegeben, erläuterten die Konsumforscher. Denn durch die Senkung des Leitzinses sei die ohnehin sehr schwache Sparneigung noch einmal eingebrochen. Dies kam der Anschaffungsneigung zugute, die im Juni leicht zulegte. Zugleich blieben die Erwartungen an die Entwicklung des eigenen Einkommens nahezu unverändert optimistisch. Zudem schätzten die Bürger die konjunkturelle Entwicklung so positiv ein wie seit drei Jahren nicht.

„Das ist nach wie vor auf die sehr günstigen inländischen Rahmenbedingungen zurückzuführen“, erklärte GfK-Experte Rolf Bürkl. So sei die Lage auf dem Arbeitsmarkt bereits seit längerem gut, die Inflationsrate niedrig und die Investitionsbereitschaft hoch. „Was jetzt aktuell hinzugekommen ist, ist die Entscheidung der EZB, den Leitzins noch einmal zu senken“, erklärte Bürkl. Allein die Ankündigung reiche bei den Verbrauchern für die Schlussfolgerung: „Jetzt ist es noch weniger ratsam zu sparen.“

Mit ihrer Bereitschaft zum Shoppen, Reisen und Renovieren stützen die Verbraucher zugleich die hiesige Wirtschaft. „Insbesondere die weiterhin günstige Verbraucherstimmung und die merklichen Lohnsteigerungen beleben den privaten Konsum und stützen die konjunkturelle Dynamik“, urteilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch. Die Berliner erwarten für das zweite Quartal ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

Die GfK rechnet für 2014 mit einer Zunahme des privaten Konsums um real 1,5 Prozent, warnt aber zugleich: „Ein unberechenbarer Risikofaktor für die Konjunktur bleibt jedoch die Entwicklung der internationalen Krisenherde.“ Eine spürbare Eskalation in Ländern wie Syrien, dem Irak oder der Ukraine dürfte sich auch auf die Konjunkturstimmung in Deutschland auswirken.

Besonders der Vormarsch der islamistischen Isis-Miliz im Irak könnte Folgen für die Verbraucherstimmung in Deutschland haben, betonte Bürkl in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Wenn die Isis-Gruppen Ölförderanlagen in ihre Gewalt bringen und damit die Versorgung gefährden würden, könnte sich dies über steigende Energiepreise auch auf das Konsumklima hierzulande auswirken.

„Die Ereignisse im Irak selbst haben nicht unmittelbar diesen großen Einfluss auf die Verbraucherstimmung“, erklärte Bürkl. „Aber wenn es in der Folge dieses Konflikts zu einem starken dauerhaften Anstieg der Energiepreise kommt, weil die Märkte befürchten, dass es bei der Energieversorgung zu Knappheiten kommen kann, dann ist das ein Risiko für das Konsumklima.“ Bereits in den vergangenen Tagen hatten die Gebietsgewinne der extremistischen Isis-Gruppe die Preise an den Zapfsäulen in die Höhe getrieben.

Was ist eigentlich noch "Made in Germany"?

Osram: LEDs und Halogenlampen werden in Deutschland hergestellt. Günstige Energiesparlampen werden zwar aus deutschen Bauteilen, aber in China gefertigt. Hochwertige Lampen stammen komplett aus Augsburg und Regensburg. © dpa
Kettler: Die Drahtesel der Firma haben mehrere Nationalitäten. Die Rahmen stammen aus China, die Bremsen aus Japan, die Reifen aus Indien oder Deutschland. Montiert werden die Räder im Saarland. © dpa
Playmobil: Die bunten Spielfiguren werden längst nicht mehr nur in Deutschland produziert. Bereits zwei Jahre nach Firmengründung 1969 wurde das Werk auf Malta eröffnet. 1983 kam Spanien dazu und 2006 Tschechien. © dpa
Audi: Audi Hungaria Motor Kft. entwickelt und produziert im ungarischen Györ Motoren für die Audi AG und weitere Gesellschaften des Volkswagen-Konzerns. Zusätzlich werden dort unter Anderem der Audi TT als Coupé und Roadster gebaut. © obs/Audi AG
Birkenstock: Sie sind nicht unbedingt die schönsten Sandalen, aber dafür bequem - und erfolgreich. Birkenstock gehört zu den wenigen Unternehmen, die ihre komplette Produktion noch in Deutschland haben. © dpa
Bosch: Die Hausgeräte werden weltweit in 41 Fabriken (davon sieben in Deutschland) erzeugt. Für "Made in Germany" wird deshalb nur allgemein, aber nicht mit einzelnen Geräten geworben. © dpa
Metz: Entwicklung und Gehäuse stammen aus Deutschland. Bauteile, wie Leiterplatten und Chips, die ebenfalls in Deutschland montiert werden, stammen aber aus Asien. Wie hoch der deutsche Wertschöpfungsanteil noch ist, kann auch Metz nicht sagen. Auf dem Bild: Helene Metz © dpa
Steiff-Teddys: Ende 2010 entdeckte Stiftung Warentest auch gefährliche Stoffe in einem von Steiffs flauschigen Teddybären. Der Konzern holte deshalb die Produktion Stück für Stück aus China zurück. Seitdem setzt das Kuscheltierunternehmen wieder voll auf "Made in Germany". © dpa
Porsche: Der Geländewagen Cayenne ist nur teilweise deutsch. Das Blech wird im slowakischen Bratislava gebogen und lackiert, die Sitze kommen aus Amerika und das Getriebe läuft in Japan vom Band. Dennoch: Das Label "Made in Germany" bleibt Porsche erhalten, da die Endmontage in Deutschland stattfindet. © dpa
Schildkröt: Die Firma Schildkröt produziert seine Puppen in Deutschland. Alle Materialien stammen ebenfalls aus der Bundesrepublik. © dpa
Siemens: Alle anspruchsvollen, innovativen Produkte etwa in der Medizintechnik werden ausschließlich in Deutschland produziert, sagt ein Siemenssprecher. Bauteile wie Speicherchips stammen allerdings aus Asien. © dpa
SimbaDickie: Der Spielzeughersteller gab 2010 bekannt, wieder verstärkt in Europa zu produzieren. Immer wieder waren zuvor verschimmelte Holzbauklötze aus China angekommen. © dpa
Trigema: Chef Wolfgang Grupp (Bild) setzt auch künftig voll und ganz auf den Produktionsstandort Deutschland. Die Baumwolle der Kleidungsstücke wird in Griechenland und in der Türkei gekauft. Seine Zulieferer erfüllen die strengen Trigema-Kriterien. Das Label "Made in Germany hält Grupp für bedeutsam. © dpa
Webasto: Klimaanlagen und Heizungen für Fahrzeuge werden zwar in Deutschland entwickelt und zusammengebaut, die Einzelteile werden aber weltweit eingekauft. © dpa
Miele: Miele ist 2007 dazu übergegangen, einen Teil seiner Wäschetrockner im tschechischen Werk Unicov zu produzieren. Ab 2013 sollen sie schließlich nur noch dort vom Band gehen. Im Stammwerk Gütersloh werden dann nur noch Waschmaschinen gefertigt. © obs/Miele und Cie. KG

Allerdings lägen die Kosten für Benzin und Diesel noch immer unter den Spitzenwerten des vergangenen Jahres, betonte Bürkl. Und steigende Preise für Heizöl dürften erst im Herbst zum Thema werden. Dann könnte sich allerdings auch ein weiterer Konflikt auf das Portemonnaie deutscher Verbraucher auswirken, gab Bürkl zu bedenken: „Wenn es in dem Streit zwischen der Ukraine und Russland tatsächlich dazu kommt, dass die Ukraine Gas und Öl abzapft, das eigentlich für den Westen bestimmt ist, und es deshalb hier zu Engpässen kommen sollte, hätte das sicher ebenfalls Auswirkungen.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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