Fusion von Deutsche Börse und NYSE Euronext rückt näher

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Die Aktionäre der New York Stock Exchange (NYSE) haben die Fusion mit der Deutschen Börse auf einer eigens einberufenen Hauptversammlung abgesegnet.

New York - Der weltgrößte Börsenbetreiber nimmt Gestalt an: Die Aktionäre der New York Stock Exchange haben die Fusion mit der Deutschen Börse auf einer eigens einberufenen Hauptversammlung abgesegnet.

Deutsche Börse und New York Stock Exchange sind sich einen großen Schritt nähergekommen. Am Donnerstag haben die Aktionäre der amerikanischen Seite mit breiter Mehrheit für die Fusion gestimmt. Wenn jetzt auch noch die Aktionäre der Deutschen Börse sowie die Behörden mitziehen, entsteht bis zum Jahresende der weltgrößte Börsenbetreiber mit starken Standbeinen sowohl in New York als auch in Frankfurt und anderen europäischen Städten.

Rund 96 Prozent der Abstimmenden haben nach einer vorläufigen Auszählung für den Zusammenschluss plädiert - oder knapp 66 Prozent aller NYSE-Anteilseigner. Nötig war eine Zustimmung von mindestens 50 Prozent. “Wir sind sehr zufrieden mit dem Abstimmungsergebnis“, sagte NYSE-Verwaltungsratschef Jan-Michiel Hessels. Und Konzernchef Duncan Niederauer ergänzte: “Das gibt uns viel Zuversicht.“

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Der Deutsche Aktienindex, der DAX, zeigt die Entwicklung der 30 größten beziehungsweise umsatzstärksten deutschen Unternehmen.   © dpa
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Der DAX wird seit 2006 jede Sekunde aktualisiert. Zuvor war er im 15-Sekunden-Takt neu berechnet worden. © dpa
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Jedes Jahr im September gibt es einen ordentlichen Anpassungstermin für die im DAX geführten Unternehmen. Unter dem Jahr finden nur eine Anpassung statt, wenn ein Unternehmen aus den Kriterien herausfällt. © dpa
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Adidas ist nach Nike der größte Sportartikel-Hersteller weltweit. Das Unternehmen mit Sitz in Herzogenaurach besitzt die Marken Adidas, Reebok und TaylorMade. Gründer Adi Dassler sprach angeblich jahrelang kein einziges Wort mit seinem Bruder und Erzrivalen Rudi Dassler, dem Gründer von Puma. © dpa
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Die Allianz SE hat ihren Sitz in München. Sie ist der weltgrößte Versicherungskonzern, setzt man Umsatz und Marktkapitalisierung als Basis an. © dpa
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Die BASF SE hieß früher Badische Anilin & Soda-Fabrik. SE steht für Societas Europaea. Das ist der Name einer Rechtsform von Aktiengesellschaften in der EU. Das Unternehmen BASF ist der weltgrößte Chemiekonzern. Der Firmensitz ist in Ludwigshafen. © dpa
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Die Bayer AG ist vor allem für die Herstellung von Arzneimitteln bekannt. Das Ursprungsunternehmen wurde bereits 1863 gegründet. Seit 1897 vertreibt Bayer das Medikament Aspirin. Die Bayer AG ist eine Holding-Gesellschaft, die aus 350 Gesellschaften besteht und 100 000 Mitarbeiter hat. © dpa
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Die Nivea-Creme ist bereits seit 1911 auf dem Markt. Das Unternehmen Beiersdorf, dass sie bis heute herstellt wurde 1882 von dem Hamburger Apotheker Paul Carl Beiersdorf gegründet. Heute ist das Unternehmen weltweit aktiv und produziert verschiedenste Kosmetikartikel und Konsumgüter. © dpa
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BMW, die Bayerischen Motorenwerke, sind heute für hochwertige Autos und Motorräder bekannt. 1913 produzierte das Münchner Unternehmen noch Flugzeugmotoren. Das Unternehmen hat weltweit knapp 100 000 Mitarbeiter. © dpa
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Die Commerzbank AG ist das zweitgrößte Kreditinstitut Deutschlands. Sie betreut etwa 15 Millionen Kunden auf der ganzen Welt. Bei der Weltwirtschaftskrise 1931 war die Commerzbank bereits so wichtig, dass die Reichsregierung ein Bankenrettungspaket inklusive einer Zwangsfusion für das Institut auflegte. © dpa
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Die Daimler AG existiert erst seit 2007. Die Unternehmsgeschichte des Mercedes-Herstellers reicht allerdings bis ins Jahr 1883 zurück. Damals gründete der Ingenieur Carl Benz „Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik in Mannheim", die bald darauf der erste Automobilhersteller Deutschlands wurde. © dpa
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Die Deutsche Bank ist das größte Kreditinstitut Deutschlands, sowohl nach der Bilanzsumme, als auch nach der Zahl der Mitarbeiter. Ihre Geschichte beginnt 1870, als der Kaufmann Adelbert Delbrück den Bankier Ludwig Bamberger von seiner Idee überzeugte, sich vom englischen Bankgeschäft unabhängig zu machen. © dpa
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Die Deutsche Börse ist mit ihren eigenen Aktien im DAX gelistet. Ihr Unternehmenssitz ist passender Weise in der Finanzmetropole Frankfurt/Main. © dpa
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Die Deutsche Lufthansa ist eines der größten Unternehmen in der zivilen Luftfahrtbranche. Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte das neuentstandene Unternehmen die Rechte an dem Namen der aufgelösten Vorgänger-Gesellschaft. © dpa
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Die Deutsche Post AG existiert in ihrer heutigen Form seit 1995. Die gelbe Farbe führte die Post aber schon zu Reichspostzeiten. Nach der Gründung der Bundespost waren Fahrzeuge und Briefkästen einheitlich honiggelb. In den 1970ern wurde auf das kräftigere aber schwermetallhaltige Kadmiumgelb gewechselt. Heute ist ginstergelb Pflicht. © dpa
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Die Deutsche Telekom AG ist nach der zweiten Postreform 1995 entstanden, als der Fernmeldedienst aus der Deutschen Bundespost herausgelöst wurde. Früher war die Farbe der Fernmeldedienst-Fahrzeuge zeltgrau. Im Zuge der Entwicklung des Corporate Designs der Telekom löste magenta gelb und grau ab. © dpa
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Die Eon AG hat ihren Sitz in Düsseldorf und versorgt große Teile Deutschlands mit Gas und Strom. Ihre Tochtergesellschaften betreiben unter anderem 13 Kernkraftwerke, elf Kohlekraftwerke, einen Offshore-Windpark und zwei Biomassekraftwerke. © dpa
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Fresenius hat sich auf Medizintechnik spezialisiert. Das Unternehmen ist einer der größten privaten Betreiber von Krankenhäusern in Deutschland. © dpa
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Fresenius Medical Care ist eigenständig an der Börse gelistet. Das Unternehmen ist der weltweit führende Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für Dialysepatienten. © dpa
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Die Heidelberg Cement AG ist der viertgrößte Zementhersteller weltweit. Die Unternehmensgeschichte beginnt mit dem Bierbrauer Johann Philipp Schifferdecker, der 1873 die in Konkurs gegangene Bergheimer Mühle kaufte. © dpa
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Henkel stellt nicht nur Waschmittel sindern auch Kosmetik und Klebstoffe her. Seine Ursprünge hat das Unternehmen 1876 in Aachen. Bereits 1886 eröffnete Gründer Fritz Henkel die erste Auslandsfiliale in Wien. © dpa
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Die Infineon Technologies AG entstand 1999, als Siemens sein Halbleitergeschäft ausgliederte. Das Unternehmen produziert Chipkarten und weitere elektronische Bauteile. Der Firmenname ist ein Kunstwort aus dem englischen infinity (=Grenzenlosigkeit) und dem griechischen aeon (=Unendlichkeit). © dpa
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Die K+S AG hieß früher Kali und Salz AG. Das Bergbauunternehmen bietet Düngemittel an und ist damit einer der Größten in Europa. Von 1971 bis 1993 war das Unternehmen Teil des BASF-Konzerns. © dpa
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Die Linde AG hat ihren Sitz in München. Ihr Ursprung liegt in der Gesellschaft für Lindes Eismaschinen, die bereits 1871 die Spaten-Brauerei in München mit einer Kältemaschine ausstattete. Erfinder Carl von Linde lehrte später an der Technischen Universität München. © dpa
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MAN produziert Nutzfahrzeuge und Maschinen. Früher war das Unternehmen auch im Bergbau aktiv. Der Erzabbau und die Eisenproduktion wurden aber genauso aufgegeben wie Schienen- und Heiztechnik. © dpa
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Die Merck KGaA ist ein Chemie- und Pharma-Unternehmen. Die Historie reicht zurück in die Zeit des Dreißgjährigen Krieges, als Friedrich Jacob Merck in Damstadt eine Apotheke eröffnete. © dpa
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Die Metro AG  ist eine Holding-Geslesschaft aus mehreren Groß- und Eizelhandelsunternehmen. In jüngster Zeit kaufte die Gruppe die Wal-Mart-Märkte in Deutschland und trennte sich von Adler. © dpa
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Die Munich Re (früher Münchener Rück) heißt eigentlich Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft. Das Unternehmen versichert Versicherer. Als der Rückversicherer vor Jahren gestiegene Schadenssummen durch den Klimawandel begründete, bekam das Thema endgültig wirtschaftliche Brisanz. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die RWE AG hieß bis 1990 Rheinisch-Westphälisches Elektrizitätswerk. Der Energieversorger ist der zweitgrößte Deutschlands, wenn man den Umsatz als Bemessungsgrundlage heranzieht. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
SAP stellt Software her. Computerprogramme  für Geschäftsprozesse wie Buchführung, Vertrieb oder Lagerhaltung machen den Schwerpunkt der Produktion aus. SAP ist der viertgrößte Softwareproduzent der Welt und der größte in Europa. © dpa
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Siemens wurde 1847 als Baufirma für Telegraphen gegründet. Nach der Pleite der Tochter Siemens mobile ist das Unternehmen nicht mehr in der Kommunikationsbranche aktiv. Geschäftsbereiche sind unter anderem Medizintechnik, Turbinen und Schienenfahrzeuge. © dpa
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Die TyssenKrupp AG ist das größte Rüstungsunternehmen in Deutschland. In der Geschichte der Industrialisierung Deutschlands spielten der Konzern und seine Vorgängerunternehmen eine bedeutende Rolle. Sie hatten nicht nur auf die Industriepolitik sondern auch auf Innen- und Außenpolitik maßgeblichen Einfluss. © dpa
Welche Unternehmen sind im DAX gelistet?
Die Volkswagen AG ist der größte Auto-Hersteller Europas. Zum Konzern gehören die Marken Audi, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Seat, Skoda, VW, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Scania. Auch an der Porsche AG ist Volkswagen beteiligt. © dpa

Zu diesem Zeitpunkt lag eine abschnittsweise turbulente Hauptversammlung hinter den beiden. Denn bei so manchem Aktionär herrscht immer noch Skepsis und einige stehen dem Vorhaben sogar ausgesprochen feindlich gegenüber. Hessels und Niederauer versuchten, Sorgen um die Eurokrise zu zerstreuen oder beantworteten Fragen zur künftigen Bezahlung des Spitzenmanagements. So wollte eine Aktionärin wissen, ob bei der Fusion Boni an das Management flössen. “Das ist niemals diskutiert worden und steht derzeit auch nicht zur Debatte“, sagte Verwaltungsratschef Hessels.

Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni zeigte sich zufrieden. “Die Aktionäre der NYSE Euronext haben ein klares Votum für Wachstumsperspektive und Wertsteigerungspotenzial abgegeben“, sagte er in Frankfurt. “Nun haben die Aktionäre der Deutschen Börse die Chance, ebenfalls daran teilzuhaben.“ Nach Abschluss der Transaktion werden die Aktionäre der Deutschen Börse 60 Prozent am Gesamtunternehmen halten, die Führung übernimmt jedoch NYSE-Chef Niederauer.

Der Betriebsrat sträubt sich gegen das Vorhaben, auch weil er den Verlust von Arbeitsplätzen fürchtet: Die geplante Fusion zur “Superbörse“ benachteilige die Deutsche Börse gravierend, erklärten die Arbeitnehmervertreter. Der Zusammenschluss gefährde die Funktionsfähigkeit der deutschen Finanzmärkte und das Geschäftsmodell der Deutschen Börse. Der Betriebsrat empfahl den Aktionären, das Umtauschangebot nicht anzunehmen.

Die Anteilseigner auf deutscher Seite stimmen nur indirekt über die Fusion ab: Sie haben noch bis einschließlich nächste Woche Mittwoch (13.7.) Zeit, ihre Aktien in Papiere der neuen gemeinsamen Holding umzutauschen. Versüßt werden soll ihnen der Umtausch mit einer Sonderdividende von 2,00 Euro je Anteilsschein. Die Frist kann jedoch nochmals um zwei Wochen verlängert werden.

Die US-Aktionäre erhalten eine Sonderdividende von 1,37 Dollar pro Aktie, wenn der Zusammenschluss durch ist. Allerdings müssen noch Wettbewerbshüter und Aufsichtsbehörden auf beiden Seiten des Atlantiks zustimmen - und sie werfen ein strenges Auge auf die Pläne. Schließlich soll der weltgrößte Börsenkonzern entstehen, führend unter anderem im Derivatehandel. Europas Wettbewerbshüter haben bereits Bedenken signalisiert. Bis Ende des Jahres wollen Deutsche Börse und NYSE Euronext aber auch die letzten Hindernisse aus dem Weg geräumt haben.

Von Daniel Schnettler

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