Versorger Eon Mitte warnt erneut vor Zerschlagung

Diskussion um Stromnetze spitzt sich zu

Kassel. Der Regionalversorger Eon Mitte AG hat erneut vor den Folgen einer Zersplitterung des Stromnetzes gewarnt, wenn zu viele Kommunen von ihrem Rückkaufsrecht Gebrauch machen sollten.

Ende nächsten Jahres laufen in 211 Kommunen im Einzugsgebiet des Versorgers, hauptsächlich Nordhessen und Südniedersachsen, die Konzessionsverträge aus, die Eon Mitte bis dahin eine Art Wegerecht sichern.

"Wenn wir unsere wesentlichen Konzessionen verlieren, verlieren wir unsere Existenzgrundlage“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Eon Mitte AG, Henrich Wilckens, am Montagabend auf einer Podiumsdiskussion des Arbeitskreises der Wirtschaft für Kommunalfragen (AFK) der Region Kassel zum Thema "Kommunalisierung der Stromnetze - Chance oder Risiko?" Ein Verlust von großen Teilen des Netzes werde „Konsequenzen unternehmerischer Art“ haben, sagte Wilckens weiter.

Für Andreas Helbig, Vorstandsvorsitzender der Städtischen Werke Kassel, ist der Rückkauf der Netze durch die Kommunen hingegen ein Weg, Wertschöpfung und damit Gewinne in der Region zu halten. Dabei gehe es nicht nur um die Rendite, die das Stromnetz abwerfe. Vielmehr sei „Netzwirtschaft die Kernkompetenz von Stadtwerken“. Die Kasseler sind dabei, mit Bad Sooden-Allendorf, Eschwege, Witzenhausen, Wolfhagen und Homberg den Verbund Sun - Stadtwerke Union Nordhessen - zu schmieden. Eine Entscheidung im Kasseler Stadtparlament wird für Anfang Oktober erwartet.

Gert Schäfer, Referatsleiter der Landesregulierungsbehörde Energie im hessischen Wirtschaftsministerium, warnte vor Risiken, die die Rekommunalisierung berge. So binde die Entscheidung die Kommunen über Jahrzehnte. Außerdem sei nicht garantiert, dass sich der regulatorische Rahmen nicht ändere. Dieser regelt per Gesetz unter anderem die Gewinne, die den Netzbetreibern zugestanden werden.

Hubertus Bardt, Leiter der Forschungsstelle Umwelt- und Energieökonomik am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln erklärte hingegen, ausschlaggebend müsse sein, welchen zusätzlichen Nutzen die Verbraucher oder der freie Wettbewerb davon hätten, wenn die Stromnetze in kommunale Hand fielen: „Das Argument, wohin die Gewinne fließen, ist keins, das wirklich trägt“. (wll)

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