Demokraten und Republikaner müssen sich auf höhere Schulden einigen, um der Pleite zu entgehen

In den USA drängt die Zeit

Riesige Schulden, eine geringe Wettbewerbsfähigkeit und zerstrittene Parteien in den USA: Washingtons Elite kann die Probleme nicht mehr beschönigen. Sie muss sich dringend auf eine Lösung einigen, wenn die Supermacht am 2. August nicht zahlungsunfähig sein will. Wo liegen die Probleme?

?Warum haben die Amerikaner so viele Schulden?

!Das Problem des Defizits ist eng verbunden mit dem schleichenden Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der US- Wirtschaft. Seit Jahren ist die Handelsbilanz negativ. Das heißt: Die Amerikaner importieren seit 1971 mehr Waren aus dem Ausland, als US-Güter in die Welt exportiert werden. Die Folge: Die Zahl der Arbeitsplätze, vor allem im produzierenden Gewerbe, ging stetig zurück. Verlagert wurden die Jobs in den Finanzsektor, doch der ging mit der Finanzkrise 2009 in die Knie. Es wurde entlassen.

?Wie konnte dies überhaupt passieren?

!Die USA stemmen sich gegen ein Außenhandels- und ein Haushaltsdefizit, denn die republikanische Regierung unter Georg W. Bush hat Präsident Barack Obama Milliardenlöcher hinterlassen – durch Steuersenkungen und Kriege. Die Kombination macht es so schwer, dass die USA den Weg aus der Krise finden. Bisher wurde bei drohender Überschuldung stets die Schuldengrenze angehoben, und bei Bedarf die Notenpresse angeworfen. Das Resultat nach 74 Aktionen dieser Art: ein Schuldenberg von fast 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), in Zahlen 14,3 Billionen Dollar – eine Zahl mit zwölf Nullen. In Euro sind dies etwa zehn Billionen. Zum Vergleich: Deutschland ist mit 83 Prozent des BIP verschuldet. Das sind zwei Bio. Euro.

?Warum wird nicht wieder neues Geld gedruckt?

!Dafür braucht Obama als Demokrat die Zustimmung der Republikaner. Allerdings gibt es zwischen den Parteien unterschiedliche Auffassungen über den Weg, wie die Schulden gesenkt werden können. Ein Kompromiss war auch am Freitag nicht in Sicht: Die Republikaner lehnen Steuererhöhungen kategorisch ab, die Demokraten sperren sich gegen Kürzungen von sozialen Leistungen. Als Notlösung denkt Obama darüber nach, die Schuldengrenze kurzfristig leicht anzuheben, um Zeit zu gewinnen.

?Wie groß ist die wirtschaftliche Not in Amerika?

!Der niedrige Dollar-Kurs hat die Exporte theoretisch erleichtert. Aber es gibt nicht viel zu exportieren aus einem Land, das seine Werkbänke abgebaut und die Schulausbildung vernachlässigt hat. Dennoch: „Das Bruttoinlandsprodukt hat in etwa das Niveau von 2007 erreicht“, stellt Christian Apelt, Analyst der Helaba, fest. Allerdings hielten sich die Unternehmen mit Investitionen zurück.

?Und wie sieht es mit der Binnenkonjunktur aus?

!Den Konsumenten geht es schlechter: Die hohe Arbeitslosigkeit drückt, der stetig steigende Ölpreis entzieht Kaufkraft. Dennoch bauen die privaten Haushalte ihre Schulden ab, „die Sparquote hat sich auf fünf Prozent erhöht“, so Apelt. 2007 lag sie bei zwei Prozent. In Deutschland liegt die Quote bei 11,4 Prozent. Dadurch bessert sich in den USA zwar die Finanzlage der Verbraucher, was langfristig positiv ist. Aber das Konsumwachstum wird gedämpft.

?Was wäre schlimm für uns, wenn die USA die Schulden nicht bezahlen könnten?

!Finanzexperten rechnen weltweit mit Verwerfungen, wenn die USA zahlungsunfähig würden. In den vergangenen Tagen haben US-Banken Risikotests gefahren, die Daten aber bislang nicht veröffentlicht. Generell würde der Dollar-Kurs fallen. Dadurch steigt der Euro, das macht deutsche Exporte teurer und dies drosselt die Wirtschaft. Da viele Rohstoffe – etwa Erdöl – in Dollar bezahlt werden, würden sie günstiger.

Nach wie vor zählt der Dollar weltweit zu den Leitwährungen. So hat China seine Währung Yuan zu großen Teilen über den Dollar abgesichert. Fällt der Dollar, bekommt China eine heftige Inflation. Für uns bedeutet dies, dass wir um einen wichtigen Absatzmarkt bangen müssten. Die deutsche Wirtschaft würde spürbar einbrechen.

Von Martina Wewetzer

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