VW, SMA, B. Braun und viele andere Unternehmen

Regionalmanagement Nordhessen: Erfolgsgeschichten aus der Region

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Holger Schach ist der Geschäftsführer der Regionalmanagement Nordhessen GmbH.

Nordhessen - das ist eine Region, die mit vielen erfolgreichen Unternehmen punktet. Konzerne wie K+S, SMA, VW und B. Braun gehören beispielsweise dazu.

+++Aktualisiert am 16. November 2017+++

 

Im Interview sagt Regionalmanager Holger Schach, warum sich die Region Nordhessen nicht auf dem Erfolg ausruhen kann.

In den vergangenen Jahren hat sich Nordhessen enorm gemausert. Sichtbarster Beleg: Die Arbeitslosenquote hat sich mehr als halbiert. Worauf führen Sie dies zurück? Holger Schach: Nordhessen stand vor 15 Jahren vor großen Herausforderungen, die die Region gelöst hat: nicht zuletzt, weil sich Politik, Wirtschaft und Wissenschaft im Regionalmanagement gemeinsame Ziele gesetzt und zusammengearbeitet haben. Diese Vernetzung in unterschiedlichen Bereichen hat dazu beigetragen, dass Arbeit und Wertschöpfung vor Ort geblieben sind. Wir hatten aber auch das Glück, dass nicht nur unsere Strategie stimmte, sondern zu dieser Zeit auch die Weltwirtschaft anzog. Die konjunkturelle Situation verbesserte sich, das half den exportstarken Unternehmen. Letztlich lief vieles in den vergangenen Jahren besser als geplant.

Woran machen Sie das fest? 

Schach: In der Rückschau haben wir hessenweit die dynamischste Entwicklung vorgelegt. Es gab Neuansiedlungen von Unternehmen, mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze sind entstanden, die Arbeitslosenquote wurde halbiert. Nordhessen hat es geschafft, nachhaltiges Wachstum mit den eigenen industriellen Stärken und seiner Innovationskraft zu schaffen. Hier gibt es einen fruchtbaren Mix aus erfolgreichem Unternehmertum, Gründergeist und neuen Ideen aus der Hochschul- und Forschungslandschaft. Um den Ausbau der Erneuerbaren Energien als regionalen Wachstumsmotor haben uns viele Regionen beneidet.

Also, Auftrag erfüllt, alles geschafft, ab auf die Couch und Füße hochgelegt? 

Schach: Keineswegs. Wenn wir in den kommenden Jahren unser hohes Niveau halten wollen, müssen wir die Region so gestalten, dass noch mehr Menschen hier leben und arbeiten wollen. Fachkräfte, aber auch weniger qualifizierte Mitarbeiter sind ein Engpass für die künftige Entwicklung. Unsere vorrangige Aufgabe hat sich verschoben: Vor 15 Jahren galt es, neue Arbeitsplätze zu schaffen, nun müssen wir für junge Familien wie Manager gleichermaßen attraktiv werden, um die Arbeit zu bewältigen.

Ein sehr ambitioniertes Ziel. Haben Sie einen Plan? 

Schach: Unser gemeinsames Ziel ist, die weichen Standortfaktoren Nordhessens mit ihrem hohen Wohn- und Freizeitwert und ihren herausragenden Kulturschätzen in wunderbarer Natur noch stärker in den Vordergrund zu rücken.

Geht das konkreter? 

Schach: Wir leben in einer der schönsten Regionen Deutschlands. Der Druck in den Metropolen durch Zuwanderung steigt, Wohnen und Arbeiten wird dort teurer. In Kassel steigen die Mieten auch, aber in der Region gibt es attraktiven und bezahlbaren Wohnraum. Das ist interessant für Familien, wenn die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die örtliche Infrastruktur stimmt. Mit der GrimmHeimat Nordhessen haben wir schon eine Marke, die diese Stärken mit großer Vorstellungskraft zusammenfasst und uns von anderen Regionen unterscheidet. Künftig müssen wir noch stärker alle Möglichkeiten nutzen, Nordhessen bekannt zu machen, aber auch die Infrastruktur im ländlichen Raum zu entwickeln.

Kommt nun das Cluster ländlicher Raum? Wobei Cluster nicht gerade zu den Lieblingsbegriffen der Nordhessen zählt.

Schach: Mir gefällt der Begriff auch nicht. Aber er steht für die Chancen, die sich aus der Zusammenarbeit vieler Partner mit gleichen Interessen in einer Region ergeben. Sicher sind die Entwicklung des ländlichen Raums und der Ausgleich von Land und Stadt eine große Herausforderung. Auch hier geht es darum, dass man die Intelligenz und Kreativität der wichtigen Akteure für eine gemeinsame Sache bündelt. Die Region ist sehr groß und heterogen, die Weiterentwicklung daher eine Herausforderung für uns alle. Das müssen wir gemeinsam in den kommenden zehn Jahren schultern. Da steht jeder – vom Bürgermeister über den Landrat bis zum Ministerpräsidenten, vom Handwerker bis zum Konzernchef dieser Region – für seinen Bereich in der Pflicht.

Müsste sich nicht die Bundesregierung um den ländlichen Raum kümmern? 

Schach: Die ländlichen Regionen stehen alle vor denselben Herausforderungen. Das gilt für Bayern wie Nordhessen gleichermaßen. Der Trend zur Abwanderung darf nicht durch fehlende Infrastruktur verstärkt werden. Deshalb haben sich die nordhessischen Landkreise entschlossen, ein gemeinsames Breitbandnetz zu bauen und regional zu betreiben. Mit dem Breitbandausbau sind wir deutlich schneller als andere Regionen im Bund und können das Signal geben, dass wir im ländlichen Raum jeden Haushalt erreichen wollen und können.

Berlin redet, Nordhessen macht es?

Schach: Das kann man in dem Fall so sagen, mittlerweile reden alle über digitale Infrastruktur, Nordhessen ist schon dran. Im Verbund mit der hessischen Breitbandstrategie hat die Region sehr früh gehandelt. Unser Vorteil ist, dass alle fünf Landkreise gemeinsam ein großes Gebiet erschließen, das auch gemeinsam betrieben werden kann. Mittlerweile gibt es Förderanreize aus Berlin für ganz Deutschland, aber es ist nicht sicher, ob wirklich auch jeder Ort angeschlossen wird. Daher ist der gemeinsame nordhessische Weg die richtige Entscheidung.

Wie innovativ sind die Nordhessen? 

Schach: Ein schönes Beispiel: Im Tourismus haben wir die Gästekarte „MeineCard plus“ entwickelt. Jeder Gast in der Region bekommt nicht nur die Übernachtung, sondern kostenlosen Zugang zu den Freizeitangeboten der Region und dem öffentlichen Nahverkehr. Möglich macht es ein Umlagesystem, an dem alle Tourismusakteure beteiligt sind. Innovativ zu sein heißt, Dinge zu tun, die es noch nicht gibt, um damit wettbewerbsfähig zu bleiben. Im letzten Jahr hat die Europäische Kommission Nordhessen als eine der zehn innovativsten Regionen Europas ausgezeichnet. Darauf darf die Region stolz sein. Wie gesagt: Der Erfolg hat viele Väter.

Erfolgsgeschichten aus Nordhessen

 

Was macht das Regionalmanagement Nordhessen?

Man hört zwar immer wieder vom Regionalmanagement Nordhessen, aber was genau steckt dahinter? Diese und viele weitere Fragen beantworten wir hier in der Übersicht

Wer hat das Regionalmanagement Nordhessen auf den Weg gebracht?  

Das Regionalmanagement Nordhessen wurde im November 2000 von Wirtschaftsförderern, der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg (IHK), der Handwerkskammer Kassel, der Universität Kassel, dem Regierungspräsidium Nordhessen, dem Forderverein Pro Nordhessen e.V. und dem Land Hessen angeschoben.

Wie definiert sich Nordhessen?  

Zur Region Nordhessen gehören die Landkreise Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg, Werra-Meißner, der Kreis Kassel sowie die kreisfreie Stadt Kassel.

Wie ist das Regionalmanagement organisiert? 

Als sich die Väter des Regionalmanagements auf die neue Organisation geeinigt hatten, wurde im Jahr 2001 gemeinsam mit dem hessischen Wirtschaftsminister, den möglichen Mitgliedern der künftigen GmbH, den Vertretern der Kreise und Kommunen sowie den Vertretern der Wirtschaftsverbände ein Gesellschaftsvertrag aufgesetzt. Der Name der neuen Organisation: Regionalmanagement Nordhessen GmbH. Unterschrieben wurde der Vertrag im Januar 2002. Der Sitz der Gesellschaft ist in Kassel am Ständeplatz.

Was will das Regionalmanagement erreichen?  

Ziel ist es die Region zu stärken und für entsprechendes Wirtschaftswachstum und Beschäftigung zu sorgen. Als Public-Private-Partnership kooperieren Politik und Wirschaft. Auch sollen die Standorte besser vermarktet werden. In den vergangenen 15 Jahren ist es gelungen über 10.000 Arbeitsplätze in der Region nachhaltig zu verankern.

Wer sind die Mitglieder im Regionalmanagement?  

Die stimmberechtigten Mitglieder sind: die Handwerkskammer Kassel, die Landräte der Landkreise Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg, Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner, Kassel und der Oberbürgermeister der Stadt Kassel (sie halten 50 Prozent an der Gesellschaft). Hinzu kommen Vertreter der Handwerkskammer (sie sprechen für 15 Prozent), der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg (30 Prozent) sowie des Vereins Pro Nordhessen e.V (Anteil von fünf Prozent).

Gibt es auch nicht stimmberechtigte Mitglieder?  

Ja, zu ihnen zählt Hessens Wirtschaftsminister, der Vorstandsvorsitzende von deEnet e.V., ein Vertreter der Hessischen Genossenschaftsbanken, die Präsidenten der Fachhochschule Fulda, der Philipps-Universität Marburg, der Universität Kassel, ein Vertreter der nordhessischen Sparkassen, der Stadtkämmerer der Stadt Kassel für den Verkehrsverbund und die Fördergesellschaft Nordhessen mbH. Zu den nicht stimmberechtigten Mitgliedern zählt auch der Personalleiter des Volkswagen-Werkes Kassel in Baunatal, der Vorsitzende der Vereinigung der hessischen Unternehmensverbände, die Geschäftsführer der nordhessischen Wirtschaftsförderer, (der Wirtschaftsförderung Hersfeld-Rotenburg und der Wirtschaftsförderung Schwalm-Eder). Mit an Bord ist auch der Bezirksvorsitzende des DGB Nordhessen und als Gast der Leiter der Agentur für Arbeit Kassel.

Wer führt das Regionalmanagement?  

Geschäftsführer ist seit Juli 2002 Holger Schach. In seinem Team arbeiten rund 40 Mitarbeiter (Voll- und Teilzeitkräfte). Schach (55) studierte nach dem Abitur Wirtschaftsgeografie in Düsseldorf. Seine Karriere begann er in der Verwaltung in Köln. 1993 wechselte er zur Landesentwicklungsgesellschaft nach Erfurt. Dort war seine Aufgabe Industriestandorte neu zu strukturieren und Neuansiedlungen von Unternehmen vorzubereiten.

Wer finanziert das Regionalmanagement?  

Getragen wird es von den stimmberechtigten Mitgliedern der GmbH. Zur Verfügung steht der Gesellschaft eine mittlere sechsstellig Summe.

Wie ist das Regionalmanagement aufgestellt?  

Die Gesellschaft bündelt ihre Arbeit in sogenannten Clustern. Sie sind nach den verschiedenen Branchen geordnet und übernehmen die entsprechenden Aufgabenstellungen. Es gibt die Cluster Mobilität, Dezentrale Energien, Tourismus, Gesundheit, IKT-Cluster und die Gründungsoffensive Promotion Nordhessen.

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