Lebensmittelimporte nehmen zu – Grüne Woche feiert die Bio-Produkte und den Bauern von nebenan

Ein Drittel kommt aus Übersee

Etwas mehr als ausgeglichen ist die Versorgungsbilanz bei Milch.

Die Worte „Bio“ und „regional“ schallen bei der Grünen Woche in Berlin aus jeder Ecke. Nachdem der Dioxinskandal die konventionelle Landwirtschaft erschüttert hat, setzen Politiker und Verbraucher jetzt auf den ökologischen Landbau und den Landwirt von nebenan.

Angesichts der wachsenden Ein- und Ausfuhren von landwirtschaftlichen Erzeugnissen scheint Regionalität ferner denn je zu sein. Noch nie blühte der globale Handel mit Lebensmittel so sehr wie heute. Dabei würden zwei Drittel der Deutschen regionale Produkte bevorzugen, sagt der Deutsche Bauernverband. Dennoch, die regionale Vermarktung steckt noch in den Anfängen. Nur sechs bis acht Prozent der Landwirte vermarkten selbst.

Deutschland exportierte 2009 Agrarprodukte und Lebensmittel im Wert von 47,3 Milliarden Euro und importierte im Wert von 56,2 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Die deutsche Ernährungsindustrie (Landwirte und Verarbeiter) produzierten 2009 Waren im Wert von 152,2 Mrd. Euro. „Bei Getreide, Kartoffeln, Zucker und Rindfleisch liegt der deutsche Selbstversorgungsgrad deutlich über 100 Prozent. Etwas mehr als ausgeglichen ist die Versorgungsbilanz bei Milch und Schweinefleisch. Bei Obst, Gemüse, Ölsaaten und Schaffleisch dagegen liegt der Selbstversorgungsgrad unter 50 Prozent“, so der Bauernverband.

Aufgrund der geografischen Lage und der begrenzten Fläche wäre es in Deutschland nicht möglich, alle Produkte, die der Verbraucher wünscht, anzubauen. Der größte Handel mit Agrarprodukten findet mit den anderen EU-Staaten statt. Aber Lebensmittelimporte aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland steigen von Jahr zu Jahr.

31 Prozent der Lebensmittelimporte nach Deutschland kommen aus Afrika, Asien und Amerika. „Die Lieferungen werden weiter zunehmen“, sagt Tobias Andres von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. „Von 2003 an wuchs der Import aus Drittländern um mehr als 50 Prozent“, so Andres. Brasilien ist für Deutschland der mit Abstand wichtigste Lieferant vor den USA und China, heißt es im Situationsbericht des Bauernverbandes.

Verantwortlich für die steigenden Im- und Exporte „sind neben Verbraucherwünschen und Konsumgewohnheiten, Absatzmöglichkeiten, der Wegfall europäischer Handelsschranken und die immer leistungsfähiger werdenden weltweiten Logistik- und Transportnetzwerke“, so Tobias Andres.

Mit günstigen Waren überschütten die brasilianischen Agrarkonzerne den europäischen Markt, auch den deutschen. „Der internationale Wettbewerb um günstige Lebensmittel wird die Europäer sehr langfristig aus den Märkten drängen“, sagt Ulrich Hamm, Agrarökonom von der Universität Kassel. „Die Fleischproduktion wird sich immer mehr in Länder verlagern, die auch das Futter anbauen, wie Mais und Soja.“ Teure Futtertransporte nach Europa würden sich nicht mehr lohnen. Die Europäer würden sich auf die Herstellung von wertvolleren Waren spezialisieren müssen, andere Länder auf kostengünstige Lebensmittelproduktion, sagt Hamm. Experten sprechen von „internationaler Arbeitsteilung“.

Die meisten Lebensmittel gelangen über den Seeweg nach Europa. Wochenlang sind die Kühlschiffe unterwegs, bis sie in einem europäischen Hafen einlaufen.

Von Heike Wagner

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