Es gibt gute Gründe für ein Kaufangebot, aber ebenso viele, die dagegen sprechen

Droht K+S Übernahme?

Norbert Steiner

Kassel. Um den Kasseler Düngemittel- und Salzproduzenten K+S ranken sich seit Wochen Übernahmefantasien. Seit sich der britisch-australische Bergbauriese BHP Billiton dazu entschlossen hat, den kanadischen Kaliweltmarktführer Potasch of Saskatchewan (PCS) feindlich zu übernehmen, ist auch der Kasseler Dax-Konzern Ziel von Spekulationen.

Ist der globale Branchenprimus bei Salz und die weltweite Nummer vier im Kaligeschäft das nächste Übernahme-Objekt von Rohstoffkonzernen wie BHP, Rio Tinto (Großbritannien/Australien) und Vale (Brasilien)?

Es spricht einiges dafür, dass sich die finanzstarken Minen-Betreiber den einen oder anderen Kali-Anbieter einverleiben könnten. Schließlich gehört der begehrte Dünger noch nicht zu deren internationalem Geschäft.

Gleichzeitig bahnt sich in Russland eine Fusion der beiden Kali-Anbieter Uralkali und Silvinit an, die PCS von Rang eins vertreiben würden. Sollte auch die bisherige globale Nummer zwei, die Belaruskali, ins Boot steigen, entstünde mit einem Marktanteil bei Standardkali von etwa 33 Prozent ein neuer Gigant in der Branche. Im Vorkrisenjahr 2008 stammte ein Drittel der Weltproduktion von fast 56 Millionen Tonnen aus russischen Minen. Dagegen nähme sich K+S mit einem Marktanteil von knapp elf Prozent (6,1 Mio. Tonnen) eher klein aus.

An der Börse ist K+S derzeit rund 9,5 Milliarden Euro wert. Nach Analysten-Meinung würden Investoren bis zu 15 Mrd. Euro zahlen. Seit Anfang Juli hat der Kurs um 30 Prozent auf 46,25 Euro zugelegt. Zum Vergleich: Der Dax gewann im selben Zeitraum zehn Prozent. Allein in den vergangenen zwei Tagen betrug das K+S-Kursplus 5,4 Prozent. Gründe sind auch steigende Kalipreise und eine Hochstufung durch zwei die Großbanken.

Zur aktuellen Entwicklung mochte der Konzern sich gestern nicht äußern. Erst unlängst hatte Vorstandschef Norbert Steiner in einem Interview erklärt, dass er keine Gefahr sehe, dass K+S im Zuge der Konsolidierungswelle unter die Räder gerate. Sollte es ein Angebot gebe, werde es sorgfältig geprüft. Aber es gibt auch gewichtige Gründe, die gegen eine Übernahme-Angebot sprechen.
Von Jose Pinto

Pro: Technikperle mit Aussicht

Für eine Übernahme von K+S durch einen der Bergbauriesen sprechen: Diversifikation: Die ganz großen Rohstoffkonzerne wollen ihr Geschäft auf Bereiche ausweiten, die sie noch nicht besetzt haben. Wenn BHP bei Potash zum Zuge kommt, könnten Rio Tinto oder Vale um den letzten verbleibend großen Kali-Anbieter buhlen. Denn über die russischen Produzenten wacht der Staat. Technologie: Interessant für Bergbau-Konzerne ist vor allem die technische Expertise von K+S. Die Kasseler gelten in der Fördertechnik als weltweit führend.

Und da der Kali-Abbau dem von Erzen sehr ähnlich ist, könnten ein Käufer stark von der Kompetenz der Nordhessen profitieren. Agrar-Perspektiven: Die zunehmende Weltbevölkerung und die Änderung der Ernährungsgewohnheiten in vielen Schwellenländern hin zu mehr Fleisch erfordert angesichts begrenzter Anbauflächen neue Abbautechnologien und den verstärkten Einsatz von Dünger - also auch von Kali. Derzeit steigen die Preise für Agrarrohstoffe und damit auch für Kali Kartellrecht: Wettbewerbsrechtliche Probleme entstünden aller Voraussicht nach nicht, weil die in Frage kommenden Käufer bislang keine oder keine bedeutenden Kali-Aktivitäten haben. (jop)

Kontra: Hohe Kosten und Auflagen

Gegen eine Übernahme von K+S sprechen: Salz: Analysten erwarten, dass die in Frage kommenden Käufer keine rechte Verwendung für das Salzgeschäft haben. Das steuert nach der Übernahme des US-Marktführers Morton Salt mittlerweile ein Drittel zum gesamten Konzernumsatz bei und ist damit ein wesentlicher Bestandteil. Geringe Reserven: Im Vergleich zu anderen Kali-Anbietern hat K+S vergleichsweise geringere Reserven in seinen ausschließlich deutschen Gruben.

Sie reichen für 30 bis 40 Jahre. Russen, und Kanadier verfügen über weit größere Vorkommen. Hohe Kosten und Auflagen: Die Produktionkosten in dem geologisch anspruchsvollen Abbaugebieten sind vergleichsweise hoch. Hinzu kommen sehr strenge Umweltauflagen in dicht besiedeltem Gebiet. Abschrecken dürfte Investoren auch, die nach wie vor ungeklärte Abwasserproblematik. Sollte K+S eine Nordsee-Pipeline bauen müssen, könnte dies Jahre dauern und Milliarden verschlingen. Aktionärsstruktur: Der russische Eurochem-Konzern um Andrej Melnichenko hält 16 Prozent des Kapitals, der deutsche BASF-Konzern rund zehn Prozent. Beide könnten eine Übernahme blockieren. Aber wenn der Preis stimmt, könnten sie auch verkaufen. (jop)

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