T-Shirt-Aktionen in Kürze

Druck auf Amazon wächst: Konflikt um Tarifvertrag wird schärfer

Bad/Leipzig. Die Zeichen beim Onlineversandhändler Amazon stehen auf Konflikverschärfung. Während die Gewerkschaft Verdi die Streiks gegen den US-Riesen auf andere Standorte neben Leipzig und Bad Hersfeld ausweiten will, wächst die Verärgerung innerhalb der Belegschaft.

Mit einer Unterschriftenaktion wehren sich derzeit rund 1000 Amazon-Beschäftigte gegen die Verdi-Aktionen und das damit einhergehende Bild vom Amazon-Unternehmen in der Öffentlichkeit. In Kürze soll es auch T-Shirt-Aktionen in den Versandzentren Bad Hersfeld und Leipzig geben. T-Shirts mit der Aufschrift „Pro Amazon“ sollen dann bestellt werden können.

Die Gewerkschaft, die für die mehr als 10.000 Festangestellten einen Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzel- und Versandhandels fordert, spürt zunehmend den Gegenwind an den Standorten. Verdi reagiert darauf und bemüht sich um Mäßigung.

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So sagt Thomas Schneider (48), Verdi-Sekretär für den Bereich Handel in Leipzig: „Jeder Mitarbeiter hat natürlich das Recht, für seine Meinung und Vorstellungen einzutreten.“ Seine Gewerkschaft biete jenen Mitarbeitern, die sich explizit gegen Verdi äußern, Gespräche mit Verdi-Vertrauensleuten an. „Wir wollen ins Gespräch kommen.“ Und er konstatiert im Gespräch mit unserer Zeitung auch, dass sich das US-Unternehmen in Deutschland in den vergangenen Jahren bewegt habe, was höhere Löhne, geregelte Pausen und Zulagen angehe. Das sei jedoch nur durch den Widerstand von organisierten Mitarbeitern geschehen.

Auch die Amazon-Mitarbeiterin Sandra Münch, die die T-Shirt-Aktion in Leipzig initiiere, habe eingeräumt, dass man sich über mehr Geld freue. Dieses zusätzliche Geld hätte es ohne Verdi aber nicht gegeben, sagt Schneider. Der Wortlaut der Unterschriftenaktion erinnert den Gewerkschaftssekretär an „Arbeitgeberrhetorik“. „Dass Verdi dem Ruf des Unternehmens schadet und damit Arbeitsplätze gefährdet, hören wir seit langem auch vom Amazon-Management.“ Das Unternehmen erzeuge zudem Angst durch die Ankündigungen, in Polen und Tschechien neue Zentren zu bauen. „Wir verstehen daher die Unruhe unter den Beschäftigten.“ Er betont deshalb, dass jene Amazon-Kollegen, die streiken, nicht die Belegschaft spalten wollen. Das Unternehmen, das nach wie vor nicht bereit ist, mit Verdi zu verhandeln, stelle sich hier als Opfer dar. „Auch die Streikenden arbeiten gern bei Amazon“, sagt Schneider. „Sie sind keine Anti-Amazoner, sie wollen nur nicht alles widerspruchslos hinnehmen.“

Von Jörg S. Carl

Rubriklistenbild: © dpa

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