Polaroid-Sofortbildkameras erfreuten sich einst sehr großer Beliebtheit

Polaroid-Sofortbildkameras: Drücken, wedeln, fertig

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Immer für eine Sensation gut: 1963 stellte Polaroid auf der Fachmesse Photokina in Köln eine neue Sofortbildkamera vor.

Es war Anfang der 1970er- Jahre, irgendwann kurz vor Weihnachten. Mein Vater zeigte uns staunenden Kindern die kurz zuvor in Holzminden erworbene Sofortbildkamera des US-Herstellers Polaroid.

Unhandlich und nicht besonders hübsch war das Modell der so genannten 80er-Serie, deren Gehäuse aus Kunststoff bestand. Aber sie konnte, wozu normale Foto-Apparate nicht in der Lage waren: Sie spuckte die Aufnahmen unmittelbar nach dem Schnappschuss als fertiges Positiv aus. Abdrücken, kurz wedeln, eineinhalb Minuten warten, und fertig war das Foto.

Doch die Freude über die neue technische Errungenschaft währte nicht lang. Weil wir Kinder ein Foto nach dem anderen schossen, waren die verhältnismäßig teuren Magazine mit den zehn Lagen Fotopapier schnell leer, was ordentlich ins Geld ging.

Unser Vater nahm die Kamera an sich und schloss sie ein. Ab und an holte er sie hervor und ließ uns damit fotografieren. Allerdings verlor sie zur Freude unserer Eltern nach einiger Zeit ihren anfänglichen Reiz. Irgendwann war der Apparat irreparabel defekt.

Klassiker: Die SX-70 (links) stammt von Anfang der 1970er-Jahre, die Polaroid 1000 kam 1977 auf den Markt.

Für Erheiterung sorgten die Polaroids vor allem auf Feiern. So manch peinlicher Schnappschuss machte da die Runde. Auch Fotokünstler entdeckten das von Studienabbrecher und Polaroid-Gründer Edwin Herbert Land am 21. Februar 1947 erstmals präsentierte Fotoverfahren gern für ihre Zwecke. Zehn Jahre zuvor hatte er sein Unternehmen gegründet und nach der von ihm entwickelten Polarisationsfolie benannt, auf deren technischem Prinzip auch die einst sehr beliebte Kamera aufbaut.

Traurige Berühmtheit erlangte sie Ende der 1970er-Jahre: RAF-Terroristen bedienten sich ihrer zur Ablichtung von prominenten Geiseln.

In den 1990er-Jahren kam die Sofortbildkamera mehr und mehr aus der Mode. 2000 machte das Unternehmen pleite. Es hatte den aufkommenden Trend zur Digitalfotografie verpasst. Im Jahr darauf wurde es neu gegründet, musste aber 2008 erneut Insolvenz anmelden. Grund waren diesmal Betrügereien des Chefs der damaligen Muttergesellschaft Petters Group Worldwide, Tom Petters, der nach Überzeugung eines US-Gerichts durch ein Schneeballsystem 3,5 Mrd. Dollar verbrannte und zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Im April dieses Jahres wurde das Insolvenzverfahren abgeschlossen. Das in Concord im US-Bundestaat Massachusetts ansässige Unternehmen produziert neben Sofortbildkameras auch Mini-Bilddrucker sowie Computer-Bildschirme und bietet Fotodienstleistungen an.

300 Millionen Polaroid-Sofortbildkameras sollen weltweit noch in Umlauf sein. Erst im Frühjahr kam ein neues Modell heraus. Es wurde von Künstlerin und Pop-Star Lady Gaga präsentiert.

Von José Pinto

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