Lockere Anrede in Stellenanzeigen

Du da, willst Du bei uns arbeiten?

 Stellenanzeigen richtig zu lesen, ist eine Kunst für sich. Seit einiger Zeit taucht vermehrt eine neue Komponente auf: das „Du“.  Was steckt hinter dieser lockeren Anrede und wie sollte man in seiner Bewerbung darauf eingehen? Das Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader kennt die Antwort.

Oft genug gleichen Stellenanzeigen einer Ansammlung seltsamer Begriffe und geheimnisvoll anmutender Berufsbezeichnungen. Obgleich im Büroalltag nicht unüblich, klingt das "Du" doch in der herkömmlichen Stellenzeige noch recht ungewöhnlich.

Eine Stellenanzeige ist nicht nur Hilfsmittel zur Mitarbeiter-Akquise, sondern dient immer auch als Werbeinstrument und zur Imagebildung. Die Stellenanzeige mit „Du“ möchte ein cooles, dynamisches und teamorientiertes Unternehmensbild mit flachen Hierarchien und moderner Arbeitszeitenregelung transportieren. Gerade im Werben um sogenannte „Young Professionals“ ist das häufig ein Wettbewerbsvorteil.

Streng genommen kann so ein Jobangebot auch als versteckte Diskriminierung bestimmter Altersgruppen betrachtet werden. Denn rein rechtlich gesehen darf eine Stellenausschreibung niemanden aufgrund seines Alters explizit ausschließen. Anders sieht es aus, wenn es sich dabei um Unternehmen handelt, bei denen das Duzen allgemein gebräuchlich ist, wie z.B. bei IKEA.

Eine weitere Botschaft, die oft dahintersteckt, ist die zu erwartende geringfügige Bezahlung nach dem Motto „Wir sind hier alle Freunde, da geht’s nicht ums Geld.“

1. Abhängig von der allgemeinen Unternehmenskommunikation ist das Zurück-Duzen eine adäquate Antwort.

2. Wer sich dabei unwohl fühlt, kann die Du-Ansprache leicht umgehen, indem er die zweite Person Plural, das etwas neutralere „Ihr" verwendet: „Liebes Team von XY, Ihr bietet …“

3. Vorsicht bei eher „konservativen" Unternehmen: Häufig weiß der zukünftige Vorgesetzte, der die Bewerbung liest, nichts von dem locker-flockigen Ton der Anzeige, die die Personal- oder Marketingabteilung getextet hat. Hier lieber das „Sie“ verwenden, um nicht unangenehm aufzufallen.

4. Ein Vorab-Telefonat kann alle Zweifel darüber ausräumen, welcher Ton im Unternehmen herrscht. Tritt dieser während des Gesprächs nicht zutage, ruhig nachfragen, welche Art der Ansprache gewünscht ist. Das zeugt davon, dass sich der Bewerber Gedanken macht und ihm der Job wichtig ist.

5. Auch im weiteren Schriftverkehr sowie für das Bewerbungsgespräch gilt: Wird man geduzt, sollte man ungerührt zurückduzen. Denn wer sich zu sehr am „Sie“ festhält, kann schnell als spießig und für die Unternehmenskultur ungeeignet gelten.

Ohnehin ist die Frage, wie man auf eine Stellenanzeige mit „Du“ eingeht, viel weniger eine Sache des Schreibstils als eine grundsätzliche Überlegung. Wer sich davon nicht angesprochen fühlt, für den macht es eigentlich kaum Sinn, sich dort zu bewerben. Dann lieber direkt weitersuchen.

Hintergrund

Das 1992 gegründete Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader zählt zu den renommiertesten Karriereberatungsunternehmen Deutschlands und ist gleichzeitig ein bundesweit tätiger Weiterbildungsträger. Hervorgegangen ist es aus den erfolgreichen Berufs- und Karriereratgebern der Autoren Jürgen Hesse und Hans-Christian Schrader mit über sechs Millionen verkauften Büchern.

Das Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader unterstützt jährlich über 2000 Klienten durch individuelle Beratungen und Coachings und über 10.000 Teilnehmer in mehr als 700 Seminaren und Vorträgen bei allen Themen rund um Bewerbung, Beruf, Karriere, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. (nh)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.