Tchibo und Aldi haben bereits erhöht

Dürre lässt Kaffeepreise steigen - Trockenheit verknappt Bohnen

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Kaffee in verschiedenen Produktionsschritten: Der Preis für ein Pfund steigt in Deutschland seit Jahren kontinuierlich. Laut statistischem Bundesamt war der Verbraucherpreis für Bohnenkaffee im Juni 2014 37,4 Prozent höher als noch zehn Jahre zuvor.

Durchschnittlich 165 Liter Kaffee trank jeder Deutsche im Jahr 2013. Damit ist Kaffee das Lieblingsgetränk in der Bundesrepublik, noch vor Wasser und Bier. Dementsprechend haben sicherlich viele die schlechte Nachricht schon bemerkt: Bei vielen Marken kostet das Pfund Röstkaffee mehr als noch zu Jahresanfang. Grund dafür sind die gestiegenen Preise für Rohkaffee.

Tchibo hat die Kaffeepreise bereits in der zweiten Maihälfte angehoben, sagt Unternehmenssprecherin Karina Schneider. Durchschnittlich 70 Cent mehr pro Pfund Röstkaffee müssen Kaffeetrinker für die Tchibo-Marken zahlen. Hintergrund sei, dass sich seit Beginn des Jahres die Preise für Arabica Rohkaffee an der Kaffeebörse nahezu verdoppelt hätten. Um über Entwicklungen und Preistrends Aufschluss zu geben, ermittelt die International Coffee Organization (ICO) einen sogenannten Indikatorpreis. Im November 2013 lag dieser tageweise bei unter 100 US-Cent pro amerikanischem Pfund (453 Gramm), im März 2014 bei 176 US-Cent.

Die Preise von Kaffee im Welthandel hatten 2011 mit teilweise fast 300 US-Cent pro amerikanischem Pfund einen Spitzenwert erreicht. Schon damals hatte Tchibo die Preise angezogen. Als sich der Preis an den Rohstoffmärkten stabilisierte, hatte Tchibo jedoch 2012 und 2013 den Kaffeepreis zwei Mal um jeweils 50 Cent pro Pfund wieder gesenkt. Nun habe eine anhaltende Trockenheit in Brasilien zu Jahresbeginn dazu geführt, dass die Preise erneut steigen.

In einigen Anbaugebieten in Brasilien herrsche die schlimmste Dürre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, sagt die ICO, vor allem in den für den Kaffeeanbau kritischen Monaten Januar und Februar. Brasilien ist Deutschlands größter Kaffeelieferant. 325 054 Tonnen Rohkaffee importierte Deutschland 2013 von dort.

Laut dem Deutschen Kaffeeverband in Hamburg wirken sich Angebotsschwankungen wie eine Verknappung durch die Dürre allerdings nur bedingt aus. So könne man auf andere Anbauländer ausweichen, sagt Sprecherin Miriam Emmermann. Außerdem könne Rohkaffee bei optimalen Bedingungen bis zu zwei Jahre gelagert werden, wodurch Röster und Händler Schwankungen abfedern könnten. Grundsätzlich seien Preiskalkulationen aber Entscheidung der Unternehmen, in die der Branchenverband keinen Einblick habe.

Nach Tchibo hat nun auch Aldi die Preise erhöht. Medienberichten zufolge kosten die Produkte der Eigenmarken Markus und Moreno etwa 50 bis 60 Cent mehr. Weder Melitta noch Mondolez International, zu dem die Kaffeemarke Jacobs gehört, wollten sich zu preispolitischen Anfragen äußern, doch es ist wahrscheinlich, dass andere Marken die Preise für ihren Kaffee ebenfalls erhöhen. Schon in der Vergangenheit folgten Kaffeeröster häufig der Konkurrenz, wenn diese die Preise erhöht hatten.

Die Kaffeeindustrie in Deutschland wird von nur wenigen Anbietern bestimmt, die sich 85 Prozent des Marktes teilen. 2009 flog sogar ein sogenanntes Kaffeekartell auf: Zwischen Tchibo, Melitta, Dallmayr Kaffee und Jacobs Kaffee (damals zu Kraft Foods gehörend) hatte es Preisabsprachen gegeben. Strafen in Millionenhöhe waren die Folge.

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Hintergrund: So setzt sich der Kaffeepreis zusammen

Ein Beispiel für die "klassische" Rohkaffeesorte Other Mild Arabics: Sie kostete im Juli laut der International Coffee Organization im Durchschnitt 152,50 US-Cent je lb (453 Gramm).

Für 500 Gramm Rohkaffee zahlt man daher 168,32 US-Cent. Durch den Flüssigkeitsverlust beim Rösten gehen etwa 19 Prozent Gewicht verloren, erklärt Miriam Emmermann vom Deutschen Kaffeeverband. Deshalb koste Rohkaffee zur Herstellung von 500 Gramm Röstkaffee 200,30 US-Cent. Beim Wechselkurs Dollar/Euro von rund 1,34 (Stand: 6. August) macht das 149,48 Euro-Cents für 500 Gramm Röstkaffee. Dazu kommen 1,095 Euro Kaffeesteuer je 500 Gramm sowie sieben Prozent Mehrwertsteuer. Der Jahresdurchschnittspreis für 500 Gramm Röstkaffee im Einzelhandel lag 2013 laut Deutschem Kaffeeverband bei 4,70 Euro.

Dadurch ergeben sich folgende Fixkosten:

1,49 Euro Rohkaffee-Einsatz

1,10 Euro Kaffeesteuer

0,31 Euro Mehrwertsteuer

Der verbleibende Betrag von rund 1,80 Euro müsse laut Emmermann aufgeteilt werden für Transport vom Ursprungsland nach Europa, Kaffeelagerung und -aufbereitung, eventuell. Entkoffeinierung, Röstung, Verpackung, Großhandel und Einzelhandel.

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