Interview mit Motivator Kobjoll: „Durchschnitt ist das Ekelhafteste“

Kassel. Motiviert zur Arbeit gehen. Das ist es, was Hotelier und Manager Klaus Kobjoll bei seinen Mitarbeitern erreichen will. Im Interview verrät der 63-Jährige, was er dafür tut.

Wie würden Sie mich motivieren, wenn ich keine Lust hätte, dieses Interview zu führen?

Klaus Kobjoll: Dann würde ich sagen, Sie sind im falschen Beruf und sollten sich schnell etwas anderes suchen. Man hat im Leben nur drei Möglichkeiten: Liebe es, ändere es oder verlasse es.

Was ist Ihre Aufgabe?

Kobjoll: Ich will Leute mit hoher Motivation, die ich für Ziele begeistern kann, die aus ihrer Weltanschauung heraus Sinn ergeben. Journalismus ist ein gutes Beispiel: Wer als Volontär nachts um vier raus muss, weil ein Haus brennt, sagt auch nicht, dass der Acht-Stunden-Tag eigentlich rum ist.

Mit wem arbeiten Sie?

Kobjoll: Ich arbeite nur mit Menschen, die jeden Morgen vor Energie mit den Füßen scharren. Wer eine überdurchschnittliche Karriere machen will und in kürzester Zeit Chefredakteur werden möchte, muss auf Freizeit verzichten.

Aber nicht jeder Mensch weiß von Anfang an, wo er seine Energie reinstecken möchte.

Kobjoll: Das ist nicht meine Aufgabe als kleines Unternehmen, solche Probleme zu lösen. Schulen, Fachhochschulen und Universitäten müssen, diese Potenziale entdecken.

Was ist nötig, damit Ihre Mitarbeiter so arbeiten, wie Sie es sich wünschen?

Kobjoll: Es macht keine Freude, nur Geld zu erwirtschaften und eine Familie reicher zu machen. Unternehmensführung ist wie Spitzensport. Meine Aufgabe ist es, aus einem Team eine Spitzenleistung zu kitzeln. Durchschnitt ist das Ekelhafteste auf der Welt.

Was tun Sie dafür?

Kobjoll: Möglichst wenig. Meine Mitarbeiter dürfen Entscheidungen treffen und Fehler machen. Wir wählen sogar den Fehler des Monats und bedanken uns für den Mut des Betreffenden. Wo ich Fehler machen darf, bin ich motiviert. Wenn Sie als Volontärin drei Beiträge unkorrigiert in Druck geben, sind Sie garantiert motivierter, als wenn 15 Hampelmänner ihre Artikel vorher auseinander nehmen.

Also sind Risiken notwendig, um erfolgreich zu sein?

Kobjoll: Ja, Fehler kosten zwar Geld, aber keine Fehler zuzulassen kostet mehr. Viele Unternehmen sind nicht risikobereit genug.

Von Julia Mohr

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