VW-Werk Kassel will Serienfertigung – 2010 liegt Auslastung bei 80 Prozent

e-Antrieb kommt voran

Das Interesse der VW-Mitarbeiter am Elektro-up, mit dem Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg (rechts) in die Halle rollte, war groß. Links im Bild Werkleiter Hans-Helmut Becker. Foto:VW/Kothe/nh

Baunatal. „Noch nie wurden im Getriebebau so hohe Stückzahlen abverlangt wie für 2010“, sagte Jürgen Stumpf, Betriebsratsvorsitzende des Kasseler Volkswagen-Werks in Baunatal am Dienstag in der Betriebsversammlung. Wird sich für das laufende Geschäftsjahr die Stückzahl bei 2,5 Millionen einpendeln, sind für das kommende Jahr 3,1 Millionen geplant.

Zum einen geht es dabei um Getriebe für Polo und Golf, beide Fahrzeuge haben stark von der Abwrackprämie profitiert. Zum anderen werde Großteil nach China geliefert, wo die Nachfrage nach Fahrzeugen steigt weiter.

Bedenken, dass Stückzahlen von Kassel ins chinesische Getriebewerk abgezogen werden, teilte Ulrich Hackenberg nicht. Der Entwicklungsvorstand der Marke VW berichtete am Dienstag in Baunatal über Technik, Innovationen und Zukunft des Konzerns.

Innerhalb des Konzerns zählt das Komponentenwerk zu den Ausnahmen. Während die Auslastung für das kommende Jahr in Baunatal bei 80 Prozent liegt, klagen die Standorte Emden (Passat), Zwickau (Golf und Passat) und Hannover (Nutzfahrzeuge) über zu wenig Arbeit.

Um dieses Mehr an Arbeit in Kassel zu schultern, werden die Verträge von insgesamt 700 Leiharbeiter im Werk und im Vertrieb Originalteile bis Mai 2010 verlängert, so haben es Betriebsrat und Management beschlossen.

Star der Betriebsversammlung, an der 6000 der insgesamt 13 200 Beschäftigten teilnahmen, war aber der Elektro up, mit dem Hackenberg lautlos in die Halle rollte. Wann kommt er, was wird er kosten – seien die Fragen der Beschäftigten an ihn gewesen.

Fakt ist, VW will mit einem Elektro-up im Jahr 2013 starten. Der jetzige Prototyp des e-up fährt mit einem Elektroantrieb aus Kassel. Für eine Pilotserie hat das Werk bereits den Zuschlag, für die Serienfertigung fehlt er noch. Laut Hackenberg hat der Standort „gute Chancen“ zum Zuge zu kommen.

Das gilt auch für Flottenversuche. „Wenn er hier gebaut wird, wird er hier auch gefahren“, sagte Hackenberg. Konzernintern haben die Kasseler Kompetenz aufgebaut. Extern ist die Konkurrenz groß. So könnte der Autozulieferer Bosch günstig Teile zuliefern. „Baunatal muss sich bei diesem Antrieb dem Wettbewerb stellen“, so Hackenberg. Für den Zuschlag muss der Preis stimmen, daran werde in Baunatal mit Hochdruck gearbeitet, sagte Werkleiter Hans-Helmut Becker. Um die Fertigungstiefe beim e-Antrieb zu erhöhen, könnte man den Antrieb mit der Leistungselektronik verbinden. Sie ist das Herzstück des Antriebs. Dafür fehlt dem Standort laut Becker noch die Kompetenz.

Dies lasse sich ändern: So gebe es Gedankenspiele für eine Kooperation mit dem Niestetaler Solartechniker SMA, so Becker. Nach Batterie und e-Antrieb, ist die Leistungselektronik die dritte Kernkompetenz des Antriebs. Becker: „Aber nun gilt es erst den Antrieb nach Baunatal zu holen und dann kommt vielleicht im zweiten Schritt die Leistungselektronik.“

Von Martina Wewetzer

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