Unternehmen aus der Region zeigen mit dem TW4XP, was technisch möglich ist

E-Auto setzt Maßstäbe

Der TW4XP-Prototyp geht Ende April in die USA, um an einem Wettbewerb teilzunehmen. Unser Foto zeigt Wolfgang Möscheid, der das Auto mit seinem Bruder Martin mitentwickelt hat . Foto: Herzog

Baunatal / kassel. Das dreirädrige Elektrofahrzeug mit dem sperrigen Namen TW4XP steht symbolhaft für die Innovationskraft der Region in Sachen Elektromobilität und setzt Maßstäbe.

Der von der E-mobile Motors GmbH in Rosenthal (Kreis Waldeck-Frankenberg) entwickelte Zweisitzer ist extrem sparsam: Auf 100 Kilometer verbraucht er nach Angaben des Tüftlers und Unternehmers Martin Möscheid nur zehn Kilowattstunden (kWh), was energetisch einem Liter Benzin entspricht. Und mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern kommt der Elektroflitzer wesentlich weiter als jene Elektroautos, die demnächst auf den Markt rollen. Damit hat der TW4XP, der gestern in Baunatal offiziell vorgestellt wurde, das Zeug, als einziger deutscher Bewerber beim renommierten US-Wettbewerb für alternativ angetriebene Autos, „Progressive Automotive X Prize“, in der betreffenden Fahrzeugkategorie die 1,8 Millionen Euro Preisgeld abzuräumen. Für diesen Zweck wurde das Fahrzeug entwickelt. Möscheid will mit Partnern eine Serienproduktion in Nordhessen aufbauen. Bis zu 150 Beschäftigte sollen nach seinen Plänen ab 2011 mindestens 2000 Autos im Jahr bauen.

Dass die Nordhessen in kurzer Zeit ein solch innovatives Fahrzeug auf die Räder stellen konnten, ist eine Gemeinschaftsleistung. Denn neben E-mobile Motors waren an Entwicklung und Bau unter anderen auch die Uni und das Fraunhofer-Institut in Kassel, der Baunataler Maschinenbauer Albert Koch (Fahrwerk) sowie der Autozulieferer Edag in Fulda beteiligt. Das Mobilitätsnetzwerk Mowinet des Regionalmanagements brachte die Partner zusammen.

Unterdessen will die Bundesregierung am 3. Mai mit Vertretern der deutschen Industrie eine „Nationale Plattform Elektromobilität“ schmieden. Ziel sind die Bündelung von Kapazitäten und Kompetenzen und einheitliche technische Standards wie etwa genormte Ladestecker. Denn der Wettbewerb schläft nicht. Bei modernen Lithium-Ionen-Akkus, haben Asiaten und Amerikaner die Nase vorn. Und die französisch-japanische Auto-Allianz Renault-Nissan liegt bei der Serienfähigkeit in Führung. Bis 2012 will sie ein gutes halbes Dutzend Elektromodelle auf den Markt bringen.

Längst sehen Experten die deutschen Autobauer wie VW, Daimler und BMW im Hintertreffen. Die arbeiten zwar auch mit Hochdruck an alltagstauglichen Elektrofahrzeugen. Vor 2012 dürfte aber keines davon auf die Straßen rollen.

Geht es nach dem Willen der EU sollen rasch europäische Standards geschaffen werden, um dem überseeischen Wettbewerb Paroli zu bieten. Gleichzeitig strebt die Union eine einheitliche Anschubfinanzierung in allen 27 EU-Staaten an. Derzeit herrscht ein wahrer Wildwuchs. Während Großbritannien, Spanien und Frankreich den Kauf eines E-Autos mit bis zu 6000 Euro bezuschussen und Milliarden für ein flächendeckendes Netz von Lade- und Batterietauschstationen in die Hand nehmen wollen, verhält sich Deutschland bei beidem noch recht zögerlich. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) lehnt Kaufanreize derzeit noch ab. Aber der Druck, es den anderen gleichzumachen, wächst.

Von José Pinto

Elektromobilität in der Region

Nordhessen und Südniedersachsen sind dabei, sich zu einer Modellregion in Sachen Elektromobilität zu entwickeln.

Volkswagen/SMA: Das VW-Werk in Baunatal arbeitet mit Hochdruck an der Entwicklung eines Elektroantriebs. Der Solartechnik-Hersteller SMA in Niestetal unterstützt VW bei der Entwicklung der Hochleistungselektronik. Fräger: Der Autozulieferer in Immenhausen will in Kürze die ersten Elektro-Autos aus deutscher Serienproduktion auf den Markt bringen. E-mobile Motors: Der Elektromobil-Hersteller aus Rosenthal (Kreis Waldeck-Frankenberg) will das TW4XP ab 2011 in Serie bauen. Fraunhofer-Institut Iwes: Ein Forschungsschwerpunkt der Kasseler Wissenschaftler ist die E-Mobilität. Das Iwes arbeitet, unter anderem am berühungsfreien Laden von Autobatterien sowie an intelligenten Stromnetzen (Smart Grids), die Autobatterien als Stromspeicher nutzen. Göttingen: Die Grünen wollen, dass die Stadt Modellkommune wird. Die Bio-Energie-Dörfer Jühnde und Barlissen wollen noch mehr grünen Strom produzieren, um damit E-Autos an eigenen Tankstellen zu laden. Plug’n Charge: Das Bad Emstaler Unternehmen stellt Ladestationen für E-Autos her. Nutzer bezahlen mit Karte. (jop)

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