Die e-mobile Wertschöpfungskette

Die Projektpartner bei einem Partnermeeting in Dublin im Jahr 2010. Foto: nh

Seit dem Jahr 2010 ist das Regionalmanagement Nordhessen der regionale Vertreter im internationalen Projekt zur Einführung der Elektromobilität in Europa: „Enevate –European Network on Electric Vehicles and Transferring Expertise“.

Ziel des Projektes ist es, die Zusammenarbeit europäischer Netzwerke und Industrien zu stärken, einen europäischen Wissenstransfer zu ermöglichen, um konkrete Projekte umzusetzen. Das Gemeinschaftsprojekt wird unter Beteiligung von Unternehmen, Clustern und Universitäten aus den Niederlanden, Irland, Großbritannien, Frankreich, Belgien und Deutschland im Rahmen des Interreg IVB-Programms mit einer Laufzeit von drei Jahren durchgeführt. Enevate soll eine fundierte Wissensgrundlage für die Einführung der Elektromobilität durch internationale Kooperation schaffen. Das Regionalmanagement übernimmt hier wesentliche Aufgaben im Bereich der Kommunikation und veröffentlicht erste Projektergebnisse.

Bedarf an Kompetenzen und Kapazitäten ermitteln

Nach eineinhalb Jahren können nun erste Erkenntnisse aus den Arbeitspaketen bekannt gegeben werden. Sehr interessant ist beispielsweise die aktuelle und zukünftige Entwicklung der Wertschöpfungskette im Bereich der Elektromobilität. Um den Bedarf an Kompetenzen und Kapazitäten für eine Massenproduktion zu ermitteln, hat federführend der Projektpartner Autocluster NRW gemeinsam mit dem Institut für Kraftfahrzeuge Aachen (ika) RWTH Aachen University die Technologie der existierenden Batterieelektrofahrzeuge und deren Lieferketten analysiert. Hierbei flossen auch umfangreiche Informationen der nordhessischen Wertschöpfungskette mit ein.

Zwei wesentliche Kriterien können analysiert werden, wenn Prognosen über die Form der Zulieferkette gestellt werden müssen: Zum einen die Wertschöpfung in der Produktion und zum anderen der Verbrauchernutzen. Die Wertschöpfung der Produktion von Batterieelektrofahrzeugen unterscheidet sich von der Wertschöpfung bei der Produktion von Verbrennungsmotoren. Für den Konsumenten ist vor allem aber der signifikant höhere Preis, bedingt durch die Batteriekosten, sichtbar.

Bei der Produktion eines Elektroautos entsteht eine um 63 Prozent höhere Wertschöpfung, die hauptsächlich durch den Batteriezulieferer generiert wird. Über 75 Prozent des Antriebsstrangproduktionswerts entfallen. Dies ist ein wenig überraschendes Ergebnis, das aber vor allem für die Zulieferer von Bedeutung ist.

Wichtig für die Originalhersteller ist die Kombination aus der Produktionswertschöpfung und dem Verbrauchernutzen. Diese ist generell die Basis für eine „Make-or-buy Analyse“. Einfach ausgedrückt: Je höher die Wertschöpfung und der Verbrauchernutzen desto wichtiger ist es für den Originalhersteller, das Produkt selbst zu produzieren.

Bezüglich der Elektroautos wird erwartet, dass die Mehrzahl der Originalhersteller die Motorsteuerung, die Integration der Batterien und elektrischen Systeme sowie das Thermal- und Batteriemanagement selbst übernehmen wird. Die Zulieferer werden das Übersetzungsgetriebe, die Batteriezelle, die Leistungselektronik, Hochspannungskabel sowie Komfort-/Sicherheits- und Infotainment-Komponenten entwickeln und produzieren.

Hochwertige Massenware produzieren

Dafür rechnet man mit neuen Zulieferketten, die in der Lage sind, hochwertige Massenware zu produzieren. Derzeit muss sich ein Originalhersteller mit hunderten kleiner Direktlieferanten auseinandersetzen. Zukünftig werden sich strukturiertere Zulieferketten bilden, ähnlich den Zulieferketten für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Die Produktionszahlen werden von der Geschwindigkeit des Integrationsprozesses neuer Zulieferer in die bereits existierenden Strukturen abhängen.

An diesem Punkt setzt auch das Projekt Enevate wieder an: Es ist für regionale Netzwerke und Cluster wichtig, Kooperationen von kleinen und mittelständischen Unternehmen zu unterstützen, die letztendlich diese strukturierten Zulieferketten bilden. Dies ist eine der Aufgaben, die das Regionalmanagement gemeinsam mit seinen Partnern auf europäischer Ebene verfolgt. NH

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