EADS: Neue Bewerbung um US-Tankerauftrag?

+
Diese Computer-Simulation der US-Firma Northrop Grumman zeigt einen KC-30-Tanker beim Auftanken eines B2-Bombers.

Paris/München - Der Airbus-Konzern EADS diskutiert über die Möglichkeit, sich erneut gegen Boeing um den US-Jahrhundertauftrag für 179 Tankflugzeuge zu bemühen.

“Wir haben keine Chance, aber wir sollten sie nutzen“, sagte ein Konzerninsider der Deutschen Presse- Agentur dpa am Freitag in Paris. Zuvor hatte das US- Verteidigungsministerium eine Verlängerung der Ausschreibungsfrist in Aussicht gestellt, um EADS eine neue Bewerbung zur ermöglichen. Der Auftrag hat einen Paketwert von 35 Milliarden Dollar und wäre der Auftakt für Folgeaufträge.

“Das ist eine sehr neue Entwicklung“, sagte ein Airbus-Sprecher lediglich. Ein Sprecher der Airbus-Mutter EADS sagte: “EADS wird den neuen Sachstand prüfen, um abzuklären, ob dieser das Unternehmen in die Lage versetzt, mit einem Angebot auf die Ausschreibung des Verteidigungsministeriums zu reagieren.“ Die Ermunterung des US- Verteidigungsministeriums an EADS, doch noch ein Angebot abzugeben, sei zwar ein “positives Zeichen“ dafür, dass das Pentagon einen Wettbewerb bevorzuge. Die grundsätzlichen Bedenken des Unternehmens würden damit aber nicht aus dem Weg geräumt, “dass die Ausschreibung auf ein kleineres, leistungsschwächeres Flugzeug zugeschnitten ist und das zusätzliche, überlegene Leistungsportfolio, das unser Flugzeug bieten könnte, nicht genügend berücksichtigt“, hieß es.

EADS-Chef Louis Gallois hatte am Donnerstag in New York erklärt, die Abgabefrist bis zum 10. Mai sei zu kurz, um im Alleingang ein Gebot einzureichen oder noch einen Partner dafür zu finden. EADS hatte als Tandempartner von Northrop Grumman ein Angebot vorgelegt, doch der US-Rüstungskonzern hatte vorzeitig das Handtuch geworfen, weil die Ausschreibungsbedingungen ganz auf Boeing zugeschrieben seien. EADS hatte Northrop Grummans Argumentation dabei voll unterstützt.

“An den Ausschreibungsbedingungen hat sich jetzt nichts geändert“, hieß es aus Airbus-Kreisen. “Deshalb ist bei uns auch nicht das große Jubeln ausgebrochen. Aber wir wollen auch nichts von vornherein ausschlagen. Wir müssen jetzt darüber diskutieren.“ Eine neue Bewerbung würde 1400 Seiten Dokumentation nach spezifischem US- Bewerbungsrecht bedeuten, deren Formulierung Zeit braucht.

In Fachkreisen wird auch diskutiert, wie ernst das Interesse des Pentagons an einem neuen EADS-Angebot tatsächlich ist. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatten gemeinsam die USA vor “protektionistischen Versuchungen“ gewarnt und die Prüfung von Konsequenzen angekündigt. Es könne sich um eine rein politische Geste Washingtons handeln, heißt es.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.