Handelsgruppe  - leichte Teuerung bei anderen Produkten

Fleisch wird teurer: Edeka rechnet mit Aufschlägen von bis zu 20 Prozent

Bei Edeka Hessenring läuft es rund: Das Handelsunternehmen hat seinen Marktanteil 2010 erneut erhöht. Fotos: Pinto/dpa

Melsungen. Fleisch und Fleischprodukte werden in den kommenden Wochen deutlich teurer. Der Vorstandssprecher der Edeka-Hessenring-Gruppe in Melsungen (Schwalm-Eder-Kreis), Hans-Richard Schneeweiß, rechnet mit Preisaufschlägen von 15 bis 20 Prozent.

Als Grund nannte er die steigenden Exportraten sowie die knappen Mastkapazitäten in Deutschland. Auch für andere Warengruppen registriert Edeka steigende Preise. Übers gesamte Sortiment sehen Schneeweiß und sein Vorstandskollege Hans-Jürgen Steffen derzeit eine Teuerung von unter zwei Prozent gegenüber 2010.

Viel Verpackung, wenig dahinter: Diese Anbieter tricksen

Die Verpackung des Speisequarks Leckermäulchen der Firma Frischli verspricht ein wahres Fruchterlebnis zu werden. © Verbraucherschutz Hamburg
Eine große frische Erdbeere weckt Hoffnungen. © Verbraucherschutz Hamburg
Doch das Abspülergebnis ist ernüchternd. Kein Erdbeerstückchen sind im Becher. Dafür enthält das Produkt laut Zutatenliste 1,9 Prozent Erdbeersaft aus Konzentrat, färbendes Pflanzenkonzentrat (Karotte, Rote Beete) und 1,6 Prozent Apfelsaft aus Konzentrat. © Verbraucherschutz Hamburg
Nicht kleckern, sondern klotzen ist das Motto bei Landliebe. © Verbraucherschutz Hamburg
Die Firma wirbt mit einem fettarmen Joghurt mit erlesenen Kirschen. Dem Etikett nach müssten sich 14 ganze Kirschen im Joghurt verstecken. © Verbraucherschutz Hamburg
Das Ergebnis ist auch hier ernüchternd: Nur wenige Kirschbruchstücke sind im Becher © Verbraucherschutz Hamburg
Der nächste Test: Gleiche Marke, andere Frucht. © Verbraucherschutz Hamburg
Nach der Abbildung verspricht Landliebe in 150 Gramm fettarmen Joghurt elf ganze Erdbeeren. © Verbraucherschutz Hamburg
Nach dem Abspülen bleiben nur wenige Erdbeerstücke übrig. © Verbraucherschutz Hamburg
Tip, eine Eigenmarke von Real, gibt sich auf der Verpackungsbeilage ihres „Creme Joghurt Erdbeere“ etwas zurückhaltender als die Firma Landliebe. © Verbraucherschutz Hamburg
Vier ganze und zwei halbe Erdbeeren verspricht die Discountermarke auf dem Etikett. © Verbraucherschutz Hamburg
Nach dem Abspülen kann der Verbraucher die wenigen Erdbeerstücke am Boden des Bechers an einer Hand abzählen. © Verbraucherschutz Hamburg
Die Verpackung des Pellkartoffelsalats der Firma Homann Feinkost verspricht ein Geschmackserlebnis. © Verbraucherschutz Hamburg
Ganze Eierstücke darf sich der Verbraucher hier nach der Verpackung auf der Zunge zergehen lassen. © Verbraucherschutz Hamburg
Das Abspülergebnis bietet ein anderes Bild. Auch ganze Eierstücke sucht man vergebens. © Verbraucherschutz Hamburg
Vielleicht meint es die Firma Nadler Feinkost mit dem Käufer ihres Geflügelsalats besser. © Verbraucherschutz Hamburg
Mit Ananas, Mandarinen, Puten- und Hühnerfleisch wirbt die Firma für ihr Produkt. © Verbraucherschutz Hamburg
Das Abspülergebnis offenbart einen anderen Blick auf das Produkt.  © Verbraucherschutz Hamburg
Bei dem Putenbrustsalat der Firma Tip (eine Eigenmarke von Real) hat sich der Fotograf des Produktes für das Etikett ordentlich ins Zeug gelegt. © Verbraucherschutz Hamburg
Woher er die vielen Ananas- und Pfirsichstücke für das Foto wohl herhatte? © Verbraucherschutz Hamburg
Eines ist nach dem Abspülergebnis sicher: Aus dem Produkt selbst sicher nicht. © Verbraucherschutz Hamburg
Sie mögen es lieber vegetarisch? Dann liegt der Griff zum „Fruchtigen Käsesalat mit Gurken, Ananas und Paprika“ der Firma Homann Feinkost nahe. © Verbraucherschutz Hamburg
Auf der Abbildung wirbt die Firma mit gleichmäßigen Käsestreifen. © Verbraucherschutz Hamburg
Das Abspülergebnis ist ein anderes. Der Verbraucher findet uneinheitliche Käsebruchstücke © Verbraucherschutz Hamburg
Gesund und einladend schaut der Radieschen Quark der Firma Milram im Supermarktregal aus. © Verbraucherschutz Hamburg
Rote Radieschenstücke darf der Verbraucher im Quark erwarten. © Verbraucherschutz Hamburg
Nach dem Abspülen fehlt die Farbe rot beim Anblick von dem, was übrig bleibt jedoch. Farblose Radieschenstücke ohne Schale, Rettich und Petersilie sind nicht das, was Milram auf der Verpackung verspricht. © Verbraucherschutz Hamburg
Zurück zum Joghurt: Die Firma Ehrmann verspricht einen Joghurt  mit 20 Prozent Kirschzubereitung. © Verbraucherschutz Hamburg
Viele ganze Kirschen sollen laut Abbildung in dem Produkt sein. © Verbraucherschutz Hamburg
Nach dem Abspülen: Offenbar fiel die Kirschernte der Firma Ehrmann im letzten Jahr recht sparsam aus. © Verbraucherschutz Hamburg
Ob es bei der Erdbeerernte besser lief? © Verbraucherschutz Hamburg
Fünf ganze und sechs halbe Erdbeeren sollen dem Etikett nach im milden Joghurt mit 20 Prozent Erdbeerzubereitung sein. © Verbraucherschutz Hamburg
Nach dem Abspül-Ergebnis kann sogar der Kirschjoghurt von Ehrmann wieder punkten. © Verbraucherschutz Hamburg
Wir geben nochmal einer Eigenmarke eine Chance: Der Creme Joghurt von Tip verspricht sechs ganze Kirschen auf dem Etikett. © Verbraucherschutz Hamburg
In 150 Gramm Kirschjoghurt aus entrahmter Milch verspricht Real dem Verbraucher 11 Prozent Kirschen. © Verbraucherschutz Hamburg
Hier das Ergebnis: Mit den Kirschen auf der Verpackung hat das, was nach dem Abspülen übrig geblieben ist,  wenig zu tun. © Verbraucherschutz Hamburg

„Lebensmittel waren selten so preiswert wie derzeit“, betont Steffen. 1970 noch habe ein Haushalt 24 Prozent des Einkommens für den Kauf von Lebensmittel verwenden müssen, heute seien es nur noch 14 Prozent.

Unterdessen hat sich die Lage beim Gemüse laut Schneeweiß normalisiert. Nach der Ehec-Epidemie hatten viele Kunde aus Angst vor dem gefährlichen Keim kaum noch Gemüse gekauft. Schneeweiß rechnet damit, das Ehec dem Handelsunternehmen eine Million Euro Rendite kosten wird.

Nach einem sehr guten Geschäftsverlauf im vergangenen Jahr erwartet der Edeka-Hessenring-Chef für 2011 einen Umsatzanstieg von knapp zehn Prozent auf rund 2,1 Milliarden Euro. Grund für das kräftige Wachstum ist vor allem die erstmalige Einbeziehung des Geschäfts des Ende 2010 übernommenen Ratio-Einkaufszentrums in Baunatal (Kreis Kassel) sowie von vier Großkunden-Märkten in Nordrhein-Westfalen. Über das angestrebte Ergebnis machte Schneeweiß keine konkreten Angaben. „Es wird aber unter Vorjahreniveau liegen“, sagte er.

2010 hatte die Edeka-Hessenring-Gruppe den Umsatz um 2,1 Prozent auf fast 1,92 Mrd. Euro gesteigert und war somit erneut kräftiger gewachsen als der Gesamtmarkt mit einem Umsatzplus von 1,2 Prozent. Beim Überschuss legte das Handelsunternehmen vor allem wegen hoher Beiträge der Tochtergesellschaften überproportional um fast 20 Prozent auf knapp 21 Millionen Euro zu.

Kerngeschäftsfeld des genossenschaftlichen Unternehmens ist der Großhandel mit derzeit 521 Inhaber-geführten Edeka-Supermärkten in Hessen, Südniedersachsen, Thüringen, Ostwestfalen und Teilen von Rheinland-Pfalz sowie mit 90 eigenen, großen Verkaufseinrichtungen wie Herkules, SB-Union und Marktkauf-Häusern. Außerdem betreibt Edeka Hessenring ein eigenes Fleischwerk am Stammsitz in Melsungen.

Ebenso wichtig wie Umsatz- und Ergebniszahlen ist der seit Jahren wachsende Marktanteil von Edeka Hessenring in ihrem Geschäftsgebiet mit rund 3,6 Mio. Einwohnern. Er stieg von 26,6 Prozent im Jahr 2008 auf 29,5 Prozent im vergangenen Jahr.

Gemeinsam mit den Aktivitäten anderer Edeka-Gesellschaften sowie des zum Edeka-Verbundes gehörenden Discounters Netto brachte es die gesamte Organisation im Edeka-Hessenring-Gebiet 2010 auf einen Marktanteil von 37,9 Prozent. Weit abgeschlagen folgen auf den weiteren Rängen Rewe mit 19 und Aldi mit 14,2 Prozent.

Von José Pinto

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