"Das stationäre Geschäft hat Zukunft"

Chef von Edeka Hessenring glaubt nicht an online - Investitionen in Geschäfte

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Im Geschäftsgebiet von Edeka Hessenring sind die Melsunger unangefochten spitze.

Melsungen. Der Online-Handel im Lebenmittelbereich wird auf mittlere Sicht keine nennenswerten Marktanteilsgewinne erzielen, meint Hans-Richard Schneeweiß von Edeka Hessenring.

Davon ist der Geschäftsführer der Edeka Handelsgesellschaft Hessenring mbH, Hans-Richard Schneeweiß, fest überzeugt. „Das stationäre Geschäft hat Zukunft, und wir werden hier weiter investieren“, sagte er bei Vorlage des Geschäftsberichts für 2017.

Edeka-Hessenring-Chef Hans- Richard Schneeweiß

Als Gründe für seine Einschätzung nannte er neben langen Öffnungszeiten und dauerhaft niedrigen Preisen auch die „hohe Wettbewerbsdichte im Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland“. Damit meint Schneeweiß, der gemeinsam mit Hans-Jürgen Steffen die kleinste von sieben regionalen Edeka-Gesellschaften führt, den harten Preiskampf, den sich die vier großen Spieler im deutschen Markt – Edeka, Rewe, Aldi und Lidl – seit Jahren liefern; zugunsten der Verbraucher, die sich über die europaweit niedrigsten Lebensmittelpreise freuen dürfen. Die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln ist seiner Ansicht nach auch auf dem Lande gewährleistet und trotz aller Unkenrufe nicht in Gefahr.

Vor der Konkurrenz ist den Melsungern derweil nicht bange. Denn in ihrem Geschäftsgebiet – Nord- und Mittelhessen, Südniedersachsen, Ostwestfalen und Siegerlandsowie Nord- und Mittelthüringen mit insgesamt fast 3,6 Millionen Einwohnern – ist Edeka Hessenring die unangefochtene Nummer eins, auch wenn der Marktanteil 2017 um 0,4 Punkte auf 30,5 Prozent sank. Schneeweiß begründet dies mit der Aufgabe eines Markts sowie mit mehreren Umbauten im laufenden Betrieb. Und dennoch: Keine andere Edeka-Gesellschaft hat eine derart starke Marktdurchdringung. Die Zweitbeste bringt es in ihrem Marktgebiet auf 25,2, die Schwächste auf 15,3 Prozent Marktanteil.

Der Verlust von Marktanteilen bremste auch das Umsatzwachstum. Zwar legte Edeka Hessenring bei den Verkaufserlösen um 2,15 Prozent auf knapp 2,36 Milliarden Euro zu, der Gesamtmarkt im Geschäftsgebiet wuchs aber um 3,2 Prozent. Das Plus geht allerdings zu mehr als zwei Dritteln auf die Teuerung zurück.

Dagegen stieg der Überschuss im Berichtsjahr um ein Drittel auf 32,3 Millionen Euro. Allerdings hatte 2016 eine Steuernachzahlung das Ergebnis gemindert. Im Kerngeschäft, also im Großhandel mit 550 angeschlossenen Märkten, erlitt Edeka Hessenring sogar einen leichten Verlust von 8,8 Mio. Euro. Der ist aber gewollt, denn je preiswerter die Melsunger die Waren an die 400 selbstständigen Kaufleute sowie an die Regiebetriebe (selbstbetriebene Einrichtungen wie Herkules- und SB-Großverbraucher-Märkte) abgeben, desto wettbewerbsfähiger sind diese. „Den Druck der Gewinnmaximierung haben wir nicht“, erklärt Schneeweiß.

Von den insgesamt fast 722.000 Quadratmeter Verkaufsfläche wird mit 56,7 Prozent gut die Hälfte von selbstständigen Kaufleuten bewirtschaftet.

Marktanteile 2017

Edeka Hessenring

30,5 %

Rewe Gruppe

18,3 %

Aldi

14,3 %

Lidl

9,6 %

Kaufland

6,6 %

andere Edeka Gesellschaften

6,1 %

Tegut

4,8 %

Metro

3,8 %

Globus

3,7 %

Norma

1,3 %

andere

1,0 %

Quelle: Trade Dimensions-Market Scope 2018

Mehr als 17.000 Beschäftige bei Edeka Hessenring

Die Edeka-Hessenring-Gruppe beschäftigt 8600 Mitarbeiter auf 4000 Vollzeitstellen. In der Melsunger Zentrale arbeiten einschließlich des Fleischwerks 1200 Menschen. Die selbstständigen Kaufleute beschäftigen weitere 8600 Mitarbeiter. Das Unternehmen gehört mittelbar und unmittelbar den 240 Genossenschaftsmitgliedern, die die Hälfte der Anteile halten. 

Die andere Hälfte liegt bei der Dachorganisation Edeka Zentrale Hamburg, die wiederum den sieben Regionalgesellschaften und damit indirekt auch den Genossen gehört. Der Name Edeka entwickelte sich aus den Anfangsbuchstaben der einstigen Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler (EdK). Die Organisation ist mit 55,9 Milliarden Euro Umsatz und fast 370.000 Beschäftigten der größte Lebensmittelhändler Deutschlands vor Lidl (39,8 Mrd.), Rewe (38,5) und Aldi (30,4).

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