EHEC: Handel mit Salat, Gurken und Tomaten zusammengebrochen

Berlin - Weil die Verbraucher aus Angst vor dem gefährlichen Darmkeim EHEC Gurken und Co. weiter meiden, geraten viele Bauern in Existenznot. Die Schäden für die Produzenten sind immens. Sie halten die EU-Entschädigungen für zu gering.

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EHEC-Krise: 210 Millionen Euro für Gemüsebauern

EHEC-Krise und kein Ende: Die Zurückhaltung der Verbraucher treibt viele Gemüsebauern an den Rand des Ruins. Nach Angaben des Deutschen Fruchthandelsverbands ist der Handel mit Salat, Gurken und Tomaten inzwischen fast komplett zusammengebrochen. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner sprach von einer “extrem explosiven und deprimierten Stimmung“. Allein den Schaden der deutschen Gemüsebauern bezifferte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa auf bislang weit über 65 Millionen Euro. Nach Ansicht der betroffenen Bauern reicht die von der EU vorgesehene Entschädigung von 210 Millionen Euro für Europas Landwirte nicht aus.

Die Kommission will Gemüsebauern wegen der EHEC-Krise deutlich besser entschädigen als bisher geplant. Für Umsatzeinbußen sollen die europäischen Landwirte 210 Millionen Euro statt der bisher vorgeschlagenen 150 Millionen Euro erhalten, wie EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos am Mittwoch in Brüssel sagte. Die EU-Staaten müssen dem Vorschlag noch zustimmen.

Stammt der EHEC-Erreger aus diesem Bauernhof?

Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
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Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
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Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap
Aus diesem Gartenbaubetrieb im niedersächsischen Uelzen stammen möglicherweise Keimsprossen mit dem EHEC-Erreger. © dpa/ap

Die neue Summe könne gerade einmal die Ansprüche Spaniens abdecken sagte Karl Schmitz, Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Erzeugergemeinschaften Obst und Gemüse, am Nachmittag in Berlin. Allein die deutschen Bauern seien in der Spitzenzeit ihrer Produktion und verlören täglich vier bis fünf Millionen Euro. “Der wirtschaftliche Schaden ist immens. Es hätte kein schlimmerer Zeitpunkt sein können.“

Schmitz kritisierte den Umgang von Regierungen und Behörden mit der Krise und forderte, die pauschale Warnung vor Salat, Gurken und Tomaten zu differenzieren. Freiwillige Untersuchungen der Erzeugerorganisationen von mehr als 1000 Proben entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette seien “EHEC-frei“ gewesen.

Auch der deutsche Lebensmittel-Einzelhandel leidet erheblich unter der EHEC-Seuche: “Wir haben Umsatzeinbrüche von 30 bis 40 Prozent bei Obst und Gemüse“, sagte der Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE), Kai Falk, der “Bild“-Zeitung (Mittwoch). Auch bei anderen Lebensmitteln gingen die Umsätze deutlich zurück. “Der Handel spürt die große Verunsicherung der Kunden.

EHEC: Was die Bauern mit ihrer Ware machen

Gurken gibt es zur Zeit zum Schleuderpreis zu kaufen. © dpa/ap
Das Gleiche gilt für Tomaten. © dpa/ap
Hier sieht man, wie Kistenweise Aufträge für Tomaten storniert wurden. © dpa/ap
Dieser Bauer kann seinen Salat nicht verkaufen. © dpa/ap
Die Salatköpfe werden geschreddert und auf Feldern verteilt. © dpa/ap
Auf dem Viktualienmarkt in München versuchen die Händler ihr regionales Gemüse an den Mann zu bringen. © dpa/ap
Auf diesem Feld liegt der geschredderte und schon gammlige Salat. © dpa/ap
Der Salat ist schon ausgetrocknet. © dpa/ap
Auch dieser Bauer wirft seinen Salat aufs Feld. © dpa/ap
Jede Menge Salatköpfe werden... © dpa/ap
... mit der Mistgabel entsorgt.   © dpa/ap

So geht auch den Lebensmitteldiscountern Lidl und Kaufland: “Selbstverständlich reagieren die Kunden weiterhin sensibel und zeigen aufgrund der Empfehlungen der Behörden eine Kaufzurückhaltung bei Salat, Tomaten und Gurken“, teilte eine KauFland-Sprecherin in Neckarsulm mit. Auch der Discounter Lidl, der wie Kaufland zur Schwarz-Gruppe gehört, beobachtet dies eigenen Angaben zufolge in seinen Filialen.

Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn ist die Käuferschaft auf dem Gurkenmarkt drastisch zusammengeschrumpft. Anfang vergangener Woche lag sie demnach um mehr als 70 Prozent unter dem Wert von Mitte Mai. Bei Salaten seien 60 Prozent der Kunden abgewandert. Die Käuferschaft bei Rispentomaten ging laut AMI um die Hälfte zurück. Auch Arten, vor deren Verzehr nicht gewarnt wurde, ist nach Einschätzung der Fachleute in deutlich geringerer Menge verkauft worden. Dies betreffe Radieschen, Möhren, Brokkoli und auch Erdbeeren.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

dapd
Was verbirgt sich hinter der Abkürzung EHEC? © 
Es handelt sich bei EHEC-Bakterien um die sogenannten Enterohämorrhagischen Escherichia Coli-Bakterien. Seit Anfang Mai verbreitet ein besonders aggressiver Erreger Angst und Schrecken in Deutschland. © dpa
Bisher sind 36 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Überraschend: Betroffen sind vor allem junge Frauen. Normalerweise erkranken Kleinkinder unter fünf Jahren, ältere und immunschwache Menschen durch eine EHEC-Infektion. © dpa/ap
Bei EHEC handelt es sich um eine gefährliche Variante des für den Menschen harmlosen Darmbewohners Escherichia coli. EHEC kommt im Darm von Weiderkäuern vor. Gelangt es jedoch in den Körper des Menschen, setzen die Bakterien dort gefährliche Giftstoffe frei. © dpa/ap
Wissenschaftler haben das Genom des Erregers bereits entschlüsselt. Dabei fanden sie heraus, dass zwei Bakterienstämme ihre Erbsubstanz miteinander ausgetauscht haben. © dpa
Welche Symptome bringt eine EHEC-Erkrankung mit sich? © dpa/ap
Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben. © dpa
Wie wird die Krankheit übertragen? © dpa/ap
Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich. © dpa/ap
Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle? © dpa/ap
Schnell gerieten Gurken und Tomaten in Verdacht. Das Bundesamt für Risikobewertung hat allerdings inzwischen die Empfehlung, auf den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat in Norddeutschland zu verzichten, aufgehoben.  © dapd
Denn inzwischen haben Wissenschaftler Sprossen von einem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel zweifelsfrei als Träger des Erregers identifiziert. © dpa
Beunruhigend: EHEC-Bakterien wurden auch auf bayerischem Salat gefunden. Er befand sich auf Lollo Rosso-Salat eines Fürther Gemüseerzeugers. Erste Laborergebnisse deuten jedoch nicht darauf hin, dass es sich um den gefährlichen Erreger-Typ handelt. © dapd
Wie kann ich mich vor EHEC-Erkrankungen schützen? © dpa/ap
Die Behörden empfehlen, dass in Deutschland derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden sollten - auch keine selbst gezogenen.  © 
Der beste Schutz vor dem Keim ist allerdings Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem RKI zufolge das Risiko einer EHEC-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Es gibt keine Impfung gegen den Keim. © dpa
In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das? © dpa/ap
HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein. © dpa/ap
Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin? © dpa/ap
Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen EHEC-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. © dpa/ap

In Niedersachsen stehen viele hoch spezialisierte Gemüsebauern wegen der Kaufzurückhaltung infolge der EHEC-Krise nach Worten von Landvolk-Präsident Werner Hilse vor dem Ruin. In dem Bundesland beliefen sich die Schäden für die Bauern auf etwa eine Million Euro pro Tag, insgesamt seien es inzwischen gut 15 Millionen, sagte der Chef des Landesbauernverbandes der dpa in Hannover.

Rund einen Monat nach den ersten EHEC-Fällen in Norddeutschland hoffen die dortigen Gemüsebauern auf baldige Entwarnung. Der Geschäftsführer der Erzeugerorganisation Mecklenburger Ernte, Klaus-Dieter Wilke, sagte, die Betriebe könnten den Absatzeinbruch nur noch kurze Zeit durchstehen. Allein die beiden Anbauer Gemüse-Garten und BioBehr in Gresse (Kreis Ludwigslust) hätten zusammen wöchentlich einen Verlust von einer Million Euro. Der Absatz von Blattsalaten sei auf 20 Prozent zurückgegangen.

Auf der Bodenseeinsel Reichenau, Deutschlands zweitgrößtem Gurken-Produzenten, müssen die Gemüsebauern Absatzrückgänge von 80 Prozent verkraften.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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