Der Schlauch-Spezialist Senior Berghöfer setzt auf das Geschäft mit Solarkraftwerken

Mit Ehrgeiz an die Sonne

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Beweglich und belastungsfähig: Die Senior Berghöfer GmbH ist auf Schläuche aus Edelstahl spezialisiert. Das Bild zeigt Waldemar Max beim Anschweißen eines Stutzens.

Kassel. Ein Edelstahlschlauch umhüllt einen zweiten. Gewellt der eine, dicht aus Draht geflochten der andere, dazwischen Isoliermaterial. 30 Jahre soll das glänzende Ding halten.

Senior Berghöfer GmbH

Die Senior Berghöfer GmbH mit Standorten in Kassel und bei Hamburg gehört seit 1994 zur britischen Senior-Gruppe, einem weltweit tätigen Zulieferer für die Luftfahrt-, Verteidigungs- und Fahrzeugindustrie. 2009 erzielte die börsennotierte Senior plc (London) einen Gewinn von 39 Mio. Pfund (46 Mio. Euro). In der Senior Berghöfer GmbH sank der Umsatz 2009 von 42 Mio. auf 32 Mio. Euro. 2010 sind 36 Mio. Euro geplant. Etwa die Hälfte davon bringt das Industriegeschäft ein. Weitere Geschäftsfelder sind erneuerbare Energien, Fahrzeugtechnik sowie Komponenten für Heizungs- und Solaranlagen. (wll)

„Wartungsfrei“, sagt Andreas Brand, Geschäftsführer der Senior Berghöfer GmbH, zufrieden. Die Kasseler Tochter des britischen Senior-Konzerns ist Spezialist für bewegliche Metallschläuche, Metallbälge und Kompensatoren. Und besonders von einem Schlauch, der mit dem Namen Rotationflex auf den Markt kam, versprechen sich die Nordhessen einen festen Platz an der Sonne. Denn Rotationflex, inzwischen in die zweite Generation weiterentwickelt, tut Dienst in Parabolrinnen-Kraftwerken. In diesen richten sich gewölbte Spiegel nach der Sonne aus und bündeln ihre Strahlen. Sie erhitzen Öl in Rohren auf bis zu 400 Grad. Die Wärme erzeugt Wasserdampf, der Turbinen zur Stromerzeugung antreibt.

In Kalifornien gibt es solche Kraftwerke bereits, in Spanien soll 2011 bereits die dritte Anlage ans Netz gehen. Mit dabei sind Berghöfer-Komponenten, darunter die in Kassel entwickelten und produzierten Schläuche. Sie müssen nicht nur das heiße Öl aushalten, sondern auch einen Druck, der mit 40 bar 20 Mal so hoch ist wie in einem Autoreifen. Dabei machen sie die Bewegungen der Sonnenkollektoren mit – bis zu 11 000 mal im Laufe ihres Lebens.

Die „Sonnenschläuche“ sind Teil einer mit Ehrgeiz wachsenden Produktfamilie. 2009 setzte dieses Geschäftsfeld erneuerbare Energien 6,5 Millionen Euro um, 2015 sollen es 25 Mio. Euro sein. Der Gesamtumsatz aller vier Berghöfer-Sparten soll dann von 32 Mio. Euro 2009 auf mehr als 70 Mio. Euro gewachsen sein.

Der Schlauchspezialist hat die Wirtschaftskrise mit Wucht zu spüren bekommen. „Im Dezember 2008 hatten wir noch mit einem Vier-Schicht-Betrieb geplant“, sagt der scheidende Geschäftsführer Karl-Heinz Bartling. „Ab März musste kurzgearbeitet werden, bis zu fünf Tage im Monat.“ „Die Krise hat uns um zwei Jahre zurückgeworfen“, sagt Brand. Doch Senior Berghöfer schaffte es, sich in den schwarzen Zahlen zu halten.

In die Produktion ist wieder Normalität eingekehrt, die Angestellten in der Verwaltung und im technischen Bereich arbeiten jedoch weiter kurz. Um die Stammbelegschaft zu halten, trennte man sich von Leih- und Zeitarbeitern. Arbeiteten 2008 für Senior Berghöfer 320 Menschen, waren es ein Jahr später 290.

Die Wachstumshoffnungen beschränken sich nicht auf das Geschäft mit erneuerbaren Energien. Auch die 2009 heftig gebeutelte Fahrzeugsparte, die auch Schläuche an Lkw-Hersteller liefert, soll ausgebaut werden. Neue Abgasvorschriften, wie die Euro-6-Norm, verlangen neue Produkte. Je strenger die Vorgaben, desto besser für Berghöfer, meint Brand: „Höhere Anforderungen sind immer gut für uns.“

Von Barbara Will

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