Traditionsunternehmen schreibt tiefrote Zahlen – Kapitalerhöhung soll Geld in leere Kassen spülen

Einbecker Brauerei in der Krise

Lothar Gauß

Einbeck/Kassel. Millionenverlust, Vorstandssprecher-Wechsel, Kapitalerhöhung: Die Einbecker Brauhaus AG steckt in einer schweren Krise. Mit einem Verlust von 1,87 Millionen Euro schrieb das Traditionsunternehmen im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen. Das zweite Minus in Folge fiel dabei fast zehn Mal höher aus als 2009, als bereits ein Verlust von 192 000 Euro aufgelaufen war. Unterm Strich stand dank der Auflösung der Gewinnrücklage von 558 000 Euro für 2010 immer noch ein Bilanzverlust von mehr als 1,31 Mio. Euro.

Der Umsatz der Gruppe, zu der auch die Kasseler Martini-Brauerei mit ihren 40 Beschäftigten gehört, sank um 5,3 Prozent auf knapp 43 Mio. Euro, der Getränke-Absatz ging um 3,4 Prozent auf 770 679 Hektoliter zurück (1 hl = 100 Liter). Mitte Mai hatte der Aufsichtsrat Vorstand Bernhard A. Gödde abberufen. Über die Gründe schweigt sich das Unternehmen aus. Ihm wird offenbar der starke Absatzrückgang angelastet. Gödde hatte die Geschäfte bis zum Februar gleichberechtigt mit Lothar Gauß geführt, der in jenem Monat zum Vorstandssprecher ernannt wurde.

Gauß begründete die schlechte Entwicklung mit dem ruinösen Preiskampf in der Branche, dem früh einsetzenden Winter und dem allgemein rückläufigen Bierabsatz im Inland. Dass das Absatzminus von 3,4 Prozent bei den Einbeckern Brauern allerdings doppelt so hoch ausfiel wie im Gesamtmarkt, erklärt der Vorstandssprecher unter anderem damit, dass man die Rabatt-Schlachten der Branche nicht mitgemacht habe. „Dafür wurden wir abgestraft“, sagte Gauß.

Für 2011 und 2012 rechnet er trotz des anhaltenden Preisdrucks und des weiter abnehmenden Bierdurstes der Deutschen mit einem positiven Ergebnis. Konkrete Zahlen nannte Gauß aber nicht. „Wir wollen deutlich aus der Verlustzone heraus“, sagte er

Mit einer Kapitalerhöhung, die von der Hauptversammlung genehmigt werden muss, will sich die Brauerei dringend benötigtes Geld beschaffen. Geplant ist die Ausgabe von 360 000 neuen Aktien zum Stückpreis von elf Euro. Dies soll bis zu vier Mio. Euro in die leeren Kassen spülen. Mit dem Geld sollen Schulden abgebaut, Investitionen in den Markt und neue Produktionsanlagen getätigt werden. Gestern ging die Aktie bei 11,26 Euro aus dem Handel -– 24 Cent niedriger als am Vortag. Die neuen Anteilscheine sollen zunächst den Altaktionären angeboten werden. Für je sechs alte sollen sie eine neue Aktie zeichnen können. Außerdem will das Unternehmen vorbehaltlich der Zustimmung der Hauptversammlung am 12. Juli Wandelanleihen im Volumen von bis zu fünf Mio. Euro herausgeben. Der Vorstand hofft, Anleger für die Kapitalbeschaffung gewinnen zu können. Später können die Papiere in Aktien gewandelt werden.

Mit dem rückläufigen Geschäft sank auch die Zahl der Beschäftigten: von 184 auf aktuell 180. Einen gezielten Stellenabbau soll es nach Angaben von Gauß und Betriebsratsvorsitzendem Knut Schiemann nicht geben. Aber einige frei werdende Stellen würden nicht wiederbesetzt.

Von José Pinto

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