Umsatz im Geschäftsjahr 

Einbecker Saatgut-Hersteller KWS sieht Europa bei Pflanzenzüchtung im Nachteil

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Das Geschäft gedeiht: Pflanzenzüchtung im Gewächshaus des Saatgutherstellers KWS. Foto: KWS

Es lief gut im Geschäft mit Zuckerrüben, Mais und Getreide: Der Einbecker Saatguthersteller KWS Saat hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 den Umsatz mit 1,07 Milliarden Euro stabil gehalten, dabei aber trotzdem etwas mehr verdient.

Unterm Strich stand am 30. September ein Überschuss von 99,7 Millionen Euro. Wir sprachen mit Vorstandssprecher Hagen Duenbostel. KWS hat im Geschäftsjahr 2017/18 die eigenen Erwartungen übertroffen. 

Woher kamen die positiven Überraschungen?

Hagen Duenbostel: Im Wesentlichen ist das durch zwei Kulturarten getrieben, in denen wir sehr stark sind. Das ist zuerst die Zuckerrübe. Wir haben trotz der Zuckermarktreform immer noch große und konstante Anbauflächen. Das Geschäft in Nordamerika lief gut. In der Getreidesparte ist der Hybrid-Roggen von den Landwirten sehr gut aufgenommen worden. Hinzu kommen Flächenerweiterungen für Roggen in Europa.

Sie haben für das Gemüsesaatgutgeschäft von Bayer geboten, BASF hat es bekommen. Woran lag das?

Duenbostel:Das Geschäft hätte für uns einen sehr großen Wert gehabt: Der Trend geht zu vielfältiger Ernährung und der weltweite Markt für Gemüsesaatgut wird in den nächsten Jahren stark wachsen. Bayer musste aber wegen der Fusion mit Monsanto schnell ein großes Paket von Geschäftsaktivitäten verkaufen. Wir waren an einzelnen Teilen, die mit übertragen werden sollten, jedoch nicht interessiert. Deshalb war das Paket kein Thema.

KWS Saat will zur Kommanditgesellschaft auf Aktien werden. Sie kann sich Kapital beschaffen, ohne dass die Familien Büchting und Oetker Einfluss verlieren. Gibt es Kaufpläne?

Duenbostel: Wir beobachten eine große Bewegung bei der Branche. Syngenta hat vor kurzem das Zuckerrübengeschäft verkauft, Monsanto die Sonnenblumensparte. Corteva, der zweitgrößte Spieler weltweit, will seinen Agrarteil nächstes Jahr an die Börse bringen. Bei dieser Entwicklung können wir nicht nur zuschauen. Wir müssen handlungsfähig sein, wenn es um größere Akquisitionen geht.

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Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen auf 19 Prozent des Umsatzes steigen, also fast 200 Millionen Euro. Was steht oben an?

Duenbostel: Wir sind Pflanzenzüchter mit Hochleistungssorten. Wir werden in den Kulturarten, in denen wir heute schon aktiv sind, voll auf dem Gas bleiben. Daneben gibt es hohe Investitionen in Züchtungstechnologien, etwa die sogenannte Genschere (Crispr/Cas), mit der einzelne Bausteine des Erbguts verändert werden können. Nach einem Urteil des EuGH fallen Pflanzen, die so gezüchtet werden, zwar unter die EU-Regeln für Gentechnik. Wir werden unsere Anstrengungen deshalb aber nicht zurückfahren, sondern wir werden intensiv unsere Forschungszentren in St. Louis in den USA und in Einbeck nutzen, um sicherzustellen, dass wir bei diesen Verfahren ganz vorne auf der Welle mitsurfen.

Ist innovative Züchtung in Europa nicht möglich?

Duenbostel: Viele Züchtungstechnologien stehen uns hier nicht mehr für die kommerzielle Anwendung offen. Ich meine damit nicht nur die klassische Gentechnik, sondern auch neue Verfahren, die, wie die Genschere Crispr/Cas, Veränderungen im Erbgut setzen, wie sie in der Pflanze auch von selbst entstehen können. Die regulatorischen Hürden für die Zulassung so produzierter Pflanzen sind so hoch, dass sich solche Züchtungstechnologien in Europa nur schwer umsetzen lassen oder sich nicht lohnen. Europa wird hier ein Stück weit abgehängt.

Wie wichtig sind gentechnisch veränderte Sorten bei Forschung und Entwicklung?

Duenbostel:Weltweit werden auf 190 Millionen Hektar Fläche gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, hauptsächlich in Nord- und Südamerika. KWS macht rund 30 Prozent des Geschäfts mit diesen Sorten. Aber beim Zusatznutzen, den sie bringen, ist der Höhepunkt überschritten. Im Prinzip werden jetzt nur noch alte Probleme mit neuen Kombinationen gelöst, der Mehrwert für den Landwirt ist also nicht mehr da. Das Geschäft wird relevant bleiben, aber große Wachstumsfantasien gibt es nicht mehr.

Was erwarten Sie im laufenden Geschäftsjahr?

Duenbostel: Wir rechnen mit einem leichten Umsatzanstieg bei einer Rendite von zehn bis zwölf Prozent vor Zinsen und Steuern. Im abgelaufenen Geschäftsjahr lag sie bei 12,4 Prozent. Ab 2018/19 erwarte ich zudem einen positiven Impuls aus Brasilien. Dort haben wir das Lizenzgeschäft mit Mais durch eigene Sorten ersetzt und zehn Millionen Euro in eine Aufbereitungsanlage investiert. Damit können wir die Produktionsmenge verdoppeln. In den nächsten fünf Jahren wollen wir den aktuellen Marktanteil in Brasilien von sieben Prozent erhöhen.

Wo liegen die Risiken?

Duenbostel: Die globale Agrarwirtschaft ist nicht mehr so durchlässig wie zuvor. Jüngste Beispiele sind der Handelsstreit zwischen den USA und China und die EU-Sanktionen gegen Russland. Durch diese Störungen verändern sich nicht nur Angebot und Nachfrage, sondern auch Anbaugebiete und Fruchtfolgen. Ein Beispiel: Weil China Strafzölle auf Sojabohnen aus den USA erhebt, geht die US-Produktion nach Brasilien, während Brasilien die eigenen Sojabohnen weitgehend exportiert.

Vorstandssprecher Hagen Duenbostel

Dr. Hagen Duenbostel (48) ist seit 2015 Vorstandssprecher der KWS Saat SE. Vor seinem Wechsel nach Einbeck 1998 arbeitete er in der Wirtschaftsprüfung bei PricewaterhouseCoopers in seiner Heimatstadt Hannover. Duenbostel ist verheiratet und hat ein Kind.

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