Todgesagte leben länger: Warum sich Floppy-Disketten weiter am Markt behaupten

Tauschobjekt Nummer eins, das waren auf dem Schulhof damals nicht etwa „Bravo“ oder Fußballbilder. Es waren Disketten, diese dicken, unförmigen Platten mit legendär kleinem Speicherplatz. Sie waren für uns wie Wundertüten: bescheidenes Aussehen, aber aufregender Inhalt. Im Vor-Internet-Zeitalter bedeutete das meistens Spiele, Spiele, Spiele.

Unvergessen die Stunden vor dem Rechner, um ein Programm mit sagenhaften 24 Disketten zu installieren. Also arbeiteten wir uns tapfer bis zur 24 vor wie bei einem Adventskalender – doch am Ende stand nicht das Christkind vor der Tür, sondern eine höchst kryptische Fehlermeldung auf dem Bildschirm.

Tröstlich: Die trotz allem herzliche Beziehung zur Diskette ist Vergangenheit. Doch ein „Unerwarteter Lesefehler auf Disk A:\\“ sorgt bis heute für ganz besondere Gefühle unter PC-Besitzern.

1981 hatte Sony die erste Floppy-Disk mit einem Speicher von 720 Kilobyte auf den Markt gebracht. In den 90er-Jahren wurde die 1,44 Megabyte-Version zum Standard. Zum Vergleich: Heute würde der Datenträger einem niedrig aufgelösten Bild oder einem halben Lied in mäßiger Qualität im MP3-Format Platz bieten. 30 Jahre später, im März 2011, will Sony die Produktion einstellen.

Rekordabsatz 2002

Noch 2002 hatte der Hersteller einen Rekordabsatz von 47 Millionen Stück zu verzeichnen. Sieben Jahre später setzte Sony nur noch 12 Mio. Stück ab. Etwa ein Viertel weniger. Grund für den Rückgang war erst die Verbreitung der CD, später der USB-Speicher. Mit dem Ausstieg von Sony bleibt Verbatim der einzige Hersteller der 3,5-Zöller. Ein bis zwei Mio. Stück setzt der Hersteller nach eigenen Angaben monatlich ab.

Denn auch wenn moderne PCs und Laptops gar nicht mehr mit Floppy-Laufwerken ausgeliefert werden: In Russland und anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion gibt es noch eine rege Nachfrage nach den kleinen Speichern. Unter anderem, weil sie dort für die elektronische Steuererklärung verwendet werden.

Aber auch in technisch hochspezialisierten Geräten in der Musikproduktion und in industriellen Anlagen, die nicht so bald ersetzt werden, sind die Disketten im Einsatz. Außerdem werden sie in vielen wissenschaftlichen Instrumenten für die Datenaufzeichnung verwendet.

Dort, wo der PC nur als Schreibmaschine dient, etwa bei Behörden, sind Floppys immer noch verbreitet. Das Preis-Leistungsverhältnis ist jedenfalls kein Kaufargument mehr.

Bei einem USB-Stick mit acht Gigabyte (8192 Megabyte) Speicher beträgt der Preis pro Megabyte deutlich weniger als ein Cent. Bei einer Diskette mit lediglich 1,44 Megabyte Speicherkapazität kostet das Megabyte etwa sieben Cent.

Von Philipp David Pries und Jan Baetz

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