Traumhafte Taxi-Renditen in New York – Deutsche Betriebe nur bedingt wirtschaftlich

Eine Million für Lizenz

Die berühmten New Yorker Taxis, die „Yellow Cabs“: Die Lizenzen für diese Taxis sind heiß begehrt, denn der New Yorker Markt zählt zu den lukrativsten der Welt. Foto: dpa

New York/Kassel. Für je eine Million Dollar (725 000 Euro) haben in New York zwei Taxi-Lizenzen den Besitzer gewechselt, berichtete die „New York Times“. Dies sei der bislang höchste Preis für zwei Aluminium-Plaketten, der in der Geschichte der New Yorker Taxis erzielt wurde. Angefangen hat es 1937 mit Plaketten zu zehn Dollar. Gemessen am heutigen Geldwert wären dies 157,50 Dollar.

Im Schnitt stiegen die Preise der Lizenzen zwischen 1980 und 2011 jährlich um bis zu acht Prozent – eine Rendite, die es nicht einmal beim Gold gibt und kein Vergleich zu Deutschland, wo so manches Taxi-Unternehmen am Rande der Wirtschaftlichkeit fährt.

Derzeit gibt es in New York 13 237 Plaketten. Die Nachfrage ist groß, der Mark höchst lukrativ und die Plaketten sind streng limitiert. Um sie zu kaufen nimmt so mancher Taxifahrer einen Kredit auf – etwa bei der „Medallion Financial Corp (TAXI)“. Das Unternehmen ist börsennotiert, verwaltet Investments von einer Milliarde Dollar und schüttet an die Aktionäre eine Dividende von acht Prozent aus.

Maßstab Taxi pro Einwohner

Nat Goldbetter (67), Käufer der Lizenzen, stieg 1960 als Fahrer ins Taxigeschäft ein und handelt heute unter anderem mit Lizenzen. Seine erste kaufte er für 25 000 Dollar, 1985 sorgte er mit der ersten 100 000–Dollar-Plakette für Schlagzeilen. Neue Lizenzen werden per Auktion vergeben.

New York ist wie Hongkong ein Taximarkt: Bis zu 240 Millionen Fahrgäste befördern die Yellow Cabs. Bezogen auf die Lizenzen sind dies 18 130 Kunden im Jahr bei einem Kilometerpreis von 0,93 Dollar plus Grundgebühr von zwei Dollar, plus Wartezeit-Gebühr von 0,20 Dollar und plus Nachtzuschlag ab 20 Uhr von 0,50 Dollar.

Summen, von denen deutsche Taxibetreiber nur träumen dürfen. „Hier arbeiten viele am Rande der Wirtschaftlichkeit“, klagt der Taxiverband Deutschland. Der Handel mit Lizenzen ist gesetzlich untersagt. Rechtmäßig sei die Betriebsübernahme – Lizenz, Fahrzeug und Technik. Den Wert des Pakets bestimmt das Taxi und der Ort, an dem die Lizenz gültig ist. „Bekommt man in Kassel 15 000 Euro für einen Betrieb mit fünf Taxis, ist das gut“, sagt Rolf Freudenstein, Geschäftsführer der Kasseler Taxi-Service-Zentrale GmbH.

Hierzulande werden Konzessionen oft von den Behörden begrenzt. Je nach Stadt haben sie ihren Wert. Lukrativ bemisst sich nach der Taxi-Dichte pro Einwohner. In Berlin gibt es kein Limit. Pro Taxi sind es 484 Einwohner – ein Überangebot. In Bremen ist die Zahl begrenzt. 1165 Einwohner kommen auf ein Taxi. In Kassel, ebenfalls limitiert, sind es 1135. Eine Lizenz zu erhalten kann es bis zu 15 Jahren dauern, sagt Freudenstein. Vor gut zehn Jahren kostete sie 70 000 D-Mark, heute ist sie in Kassel 5000 Euro wert.

Von Martina Wewetzer

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