B.Braun Melsungen-Vorstand Ludwig Georg Braun: Es gibt keine Gesundheitsreform, nur Kostenbegrenzung

„Eines unserer besten Jahre“

2009 sind Umsatz und Gewinn bei B. Braun deutlich gewachsen. Wie sehen Ihre Erwartungen für dieses Jahr aus?

Ludwig Georg Braun: Wenn wir im März wie in den Vormonaten nur ein Plus von zwei Prozent haben, werden wir unser ursprüngliches Ziel von fünf bis sechs Prozent Wachstum nicht erreichen. Dann werden wir mit vier Prozent zufrieden sein müssen.

Wie erwirtschaftet man 30 Prozent mehr Gewinn in einem Jahr, in dem viele Unternehmen unter der Wirtschaftskrise litten?

Braun: Zum einen ist der Umsatz um 6,4 Prozent gestiegen. Wir konnten unsere Anlagen sehr gut auslasten. Dadurch ist die Effizienz gestiegen. Und wir hatten geringere Belastungen durch Währungsverschiebungen. 2009 war eines unserer besten Jahre.

Deutschland ist der größte Einzelmarkt für B.Braun. Erwarten Sie Einbußen durch die Gesundheitsreform?

Braun: Es gibt eigentlich keine Gesundheitsreform, es gibt nur ständige Veränderungen und Kostenbegrenzungen. Es ist eine ständige Aufgabe für die Medizintechnik- und Pharma-Industrie, sich auf den Preisdruck einzustellen.

Werden die Preise also sinken?

Braun: Man muss nicht immer mit dem Preis runtergehen. Man kann auch Produkte anbieten, die länger genutzt werden können. Heute ist zum Beispiel ein Infusionsgerät 72 Stunden im Einsatz, früher musste es nach 24 bis 48 Stunden ersetzt werden. Man braucht also weniger Geräte pro Patient.

Auf den Gesundheitstagen in Kassel haben sie für einen geringeren Personalbedarf bei Kliniken plädiert. Was heißt das?

Braun: Der größte Kostenfaktor in den Krankenhäusern sind die Personalkosten. Deshalb muss man diese Mitarbeiter möglichst effizient einsetzen.

Sollen weniger Beschäftigte also mehr arbeiten?

Braun: Es geht nicht darum, die Mitarbeiter durch zu lange Dienstzeiten in die absolute Ermüdung zu treiben, was leider oft geschieht. Es muss mehr Disziplin bei den Abläufen geben. Wenn diese effizienter werden, kann das Krankenhaus mehr Patienten behandeln und entsprechend höhere Einnahmen erzielen. Private Klinik-Ketten tun das. Dazu gehört auch, dass die Ärzte anwesend sind und nicht nur auf Kongressen.

In Europa wächst der Konzernumsatz nur um 2,5 Prozent. Ist der Markt ausgereizt?

Braun: Nein. Der Markt wächst schon durch die Bevölkerungspyramide: Wir haben mehr ältere Menschen. Sie brauchen Ersatz für verschlissene Körperteile: Hüftprothesen, künstliche Knie. Chronische Krankheiten wie Diabetes treten oft im Alter auf. In den Schwellenländern hingegen wird eine weitere Abdeckung mit medizinischer Versorgung ein wesentliches Wachstumsfeld sein.

Wo sind die Trends im Gesundheitswesen?

Braun: Wir stellen vor allem Produkte zur Grundversorgung her: Etwa Infusionslösungen und Spritzen. Wir werden die Qualität weiter verbessern. Ein neues Thema sind Herzkatheter, die verengte Blutgefäße erweitern und gleichzeitig Medikamente freisetzen. Ein weiteres neues Feld ist, Patienten Knorpelzellen zu entnehmen und sie im Labor nachzuzüchten. Das wird zunächst bei Kniegelenken und Bandscheiben eingesetzt.

Bis 2014 wollen Sie 1,6 Milliarden Euro investieren. Wie viel davon wird nach Melsungen fließen?

Braun: Etwa 250 bis 280 Millionen Euro. Das zweite Investitionsprogramm ist nicht so stark von Deutschland beeinflusst wie das erste. Wir müssen unsere Fertigungskapazitäten in Asien, in Süd- und in Nordamerika verstärken. Nordamerika ist unser größter Einzelmarkt außerhalb der Europäischen Union.

Was heißt das für die Arbeitsplätze in der Region?

Braun: In den vergangenen Jahren hat sich die Belegschaft an den deutschen Standorten um etwa zwei Prozent erhöht. Ich hoffe, dass wir das aufrechterhalten. Wir haben schon 2009 höher qualifizierte Kräften eingestellt, weil die Zugangsbedingungen für neue Produkte zu den Märkten immer mehr Absicherungen und Vorarbeiten verlangen. Dieser Trend wird sich fortsetzen. In der Produktion werden wir weitgehend mit der vorhandenen Belegschaft auskommen.

Werden Sie wegen der Investitionen länger als vorgesehen an der Konzernspitze bleiben?

Braun: Nein. 2011 ist Schluss.

Von Barbara Will

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