Volkswagen-Belegschaft bekommt 4,3 Prozent mehr Geld

Hannover/Baunatal. Kräftiges Einkommensplus für die VW-Belegschaft: Die rund 102.000 Tarifbeschäftigten der sechs westdeutschen Werke und der Finanzsparte bekommen vom 1. Juni an 4,3 Prozent mehr Geld.

Das beschlossen die IG Metall und das Management des Autobauers in ihrer zweiten Gesprächsrunde über einen neuen Haustarifvertrag. Nach langen Verhandlungen hatten sich beide Seiten in der Nacht zum Donnerstag in Hannover geeinigt. Das gestiegene Entgelt liegt auf dem Niveau des Flächenabschlusses für die Metall- und Elektroindustrie.

Die Laufzeit von 13 Monaten enthält jedoch keinen sogenannten Nullmonat, der das jährliche reale Plus in der Gesamtbranche auf etwa 4,0 Prozent senkt. „Es ist ein sehr guter und akzeptabler Kompromiss“, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine. „Nachhaltig betrachtet wird Volkswagen mit den 4,3 Prozent genauso gut gestellt wie alle anderen Automobilunternehmen.“

In der gesamten Metall- und Elektrobranche greift die Erhöhung, die rückwirkend zum 1. April beschlossen wurde, dagegen erst zum 1. Mai - auf ein Jahr hochgerechnet bleibt den Mitarbeitern deshalb unterm Strich etwas weniger im Portemonnaie. Beide Seiten verständigten sich außerhalb des Tarifvertrags zudem darauf, dass VW bis Mitte 2013 bis zu 3000 Leiharbeiter unbefristet einstellt. „Für diejenigen, die ab dem 1. Juli 2012 kommen, kann eine Übernahme schon nach 18 statt 36 Monaten erfolgen. Voraussetzung ist allerdings eine entsprechende Auftragslage“, sagte Meine. Im Januar 2013 beginnt auch eine neue Lohnstaffelung, die tariflich festgeschrieben ist: Leiharbeiter können nach neun Monaten im Unternehmen mit Stammbeschäftigten gleichgestellt werden. Prinzipiell gilt auch für sie der vereinbarte Einkommenszuwachs von 4,3 Prozent.

VW-Verhandlungsführer Martin Rosik sagte, er sei in den Gesprächen ans Äußerste gegangen: „Die Verhandlungen waren hart. Aber wir sind sehr besonnen mit der Gesamtsituation umgegangen.“ Zu den Kosten des Abschlusses für den Konzern machte er keine Angaben - wies jedoch auf den hohen Kostendruck durch Branchenrivalen und auf die unsichere wirtschaftliche Entwicklung in West- und Südeuropa hin.

„Die Anspannung im internationalen Wettbewerb bleibt unverändert hoch.“ Wie das Unternehmen die zusätzlichen Leiharbeiter auf die Werke verteilen will, werde in den kommenden Tagen mit dem Betriebsrat beraten, kündigte Rosik an. Darüber hinaus einigte sich der Personalchef der Kernmarke VW-Pkw mit den Mitarbeitervertretern auf die Schaffung von 175 weiteren Ausbildungsplätzen pro Jahr an den zehn deutschen Standorten. In der Summe sind es nun jährlich 1600. Betriebsratschef Bernd Osterloh sprach von einem „großartigen Verhandlungsergebnis“, das noch über die Flächenregelung hinausgehe. „Es trägt der guten wirtschaftlichen Entwicklung von Volkswagen Rechnung.“

Die Belegschaft habe auch durch ihre kurzzeitigen Arbeitsniederlegungen vor zwei Wochen dazu beigetragen und den Druck auf das Management erhöht. Mehr als 30.000 Mitarbeiter hatten dagegen protestiert, dass VW in der ersten Runde noch kein Angebot vorlegte. (dpa)

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Hintergrund: Der neue Haustarifvertrag

Für rund 102.000 Beschäftigte der sechs westdeutschen VW-Werke und der VW-Finanzsparte gilt vom 1. Juni an ein neuer Haustarifvertrag. IG Metall und VW-Management einigten sich darauf, dass die Mitarbeiter 4,3 Prozent mehr Geld erhalten. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 13 Monaten und enthält - anders als die Flächenvereinbarung der Metall- und Elektroindustrie - keinen Nullmonat ohne Lohnerhöhung.

Leiharbeiter können ab 2013 stufenweise in höhere Entgeltgruppen kommen und am Ende genauso viel verdienen wie die Stammbeschäftigten. Lehrlinge haben zudem Anspruch auf eine jährliche Einmalzahlung von 200 Euro, Studierende im VW-Praxisverbund bekommen zum Start ihrer Ausbildung einen Zuschuss von 150 Euro.

Außerhalb des Tarifvertrags verständigten sich der VW-Betriebsrat und das Unternehmen auf zwei weitere Punkte: die Schaffung von jährlich 175 zusätzlichen Ausbildungsplätzen an den zehn deutschen VW-Standorten sowie die Übernahme von bis zu 3000 weiteren Leiharbeitern bis Mitte 2013. Viele der Leihbeschäftigten können bei entsprechender Auftragslage und Qualifikation außerdem bereits nach 18 anstatt erst nach 36 Monaten fest eingestellt werden. (dpa)

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