Neue Studie für Deutschland

Einkommensarmut: Wo ist es am Schlimmsten?

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Wer bekommt wie viel - und wo kann man noch von seinem Lohn leben?

Berlin  - Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat am Montag neue Zahlen zur Einkommensarmut in Deutschland veröffentlicht. Wo man am Wenigsten für seinen Lohn bekommt, lesen Sie hier.

Das Armutsgefälle zwischen Ost- und Westdeutschland ist deutlich weniger gravierend als das zwischen städtischen und ländlichen Regionen. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in seiner am Montag in Berlin veröffentlichten Studie "Regionaler Armutsvergleich". Erstmals berücksichtigte das arbeitgebernahe Institut die örtlichen Preisunterschiede, wodurch sich die Einkommensunterschiede zwischen Ost und West relativieren.

"Unser Interesse war: Was kann ich mit einem Euro kaufen? Und damit kann ich in München weniger kaufen als in Gelsenkirchen", sagte der Direktor des Instituts, Michael Hüther. Bei der alleinigen Betrachtung der Einkommen zeige sich zwar ein starkes Gefälle zwischen West und Ost. Würden aber die Preisunterschiede zwischen Großstädten und ländlichen Gebieten sowie zwischen Ost- und Westdeutschland hinzugezogen, lägen die Armutsquoten "gar nicht so weit auseinander", erklärten die IW-Ökonomen Christoph Schröder und Klaus-Heiner Röhl.

Einkommensarmut in Deutschland - Der Überblick

In Deutschland gelten Einzelpersonen oder Haushalte als arm, wenn ihr Einkommen höchstens 60 Prozent des mittleren Einkommens erreicht. Das liegt bei 871 Euro pro Person. Dabei würden jedoch nicht die unterschiedlichen Preise in den einzelnen Regionen berücksichtigt, kritisierten die Ökonomen. So benötige ein Single in München 1030 Euro, um sich genauso viel leisten zu können wie ein durchschnittlicher Bürger Deutschlands mit 871 Euro.

Die Armutsquoten zwischen Ost und West liegen, nur das Einkommen betrachtend, rund sechs Prozentpunkte auseinander. Wird die Kaufkraft berücksichtigt, liegt die Quote Ostdeutschland nur noch etwa drei Prozentpunkte über der im Westen. Dagegen ist der Unterschied zwischen Stadt und Land deutlicher: Auf dem Land sind im Schnitt 14 Prozent der Menschen arm, in Städten sind es 22 Prozent.

In Köln, Dortmund und Berlin gelten beispielsweise ein Viertel der Bürger als arm. Selbst in Stuttgart und München liegt die Armutsquote der Studie zufolge bei fast 20 Prozent. Das liege zum einen an der größeren Ungleichheit sowie zum anderen an den höheren Preisen innerhalb der Städte, sagte Hüther. "Die Preise in reinen Stadtregionen sind um gut sechs Prozent höher als in ländlichen Gebieten." Generell sei die Armutsquote seit 2006 in den alten Bundesländern stärker gewachsen als in den neuen Bundesländern - in Berlin um 4,3 Prozentpunkte und in Nordrhein-Westfalen um 2,5 Prozentpunkte. Am stärksten zurück ging sie mit 2,8 Prozentpunkten in Thüringen.

Interaktiv: Die kaufbereinigten Zahlen

Der Kreis der Betroffenen ist demnach jedoch in allen Regionen gleich. So gelten knapp die Hälfte der Menschen, in deren Haushalt mindestens ein Arbeitsloser lebt, knapp ein Drittel der Alleinerziehenden und rund ein Viertel der Alleinstehenden sowie der Menschen mit Migrationshintergrund als "kaufkraftarm".

IW-Chef Hüther forderte aufgrund der Ergebnisse, der Fokus in der Armutsbekämpfung müsse sich von der West-Ost-Teilung auf die regionalen Unterschiede verschieben. Diese ließen sich ausgleichen durch "fokussierte Maßnahmen, die das Armutsrisiko der Risikogruppen reduzieren oder die Arbeitslosigkeit weiter verringern".

Die beschlossenen Maßnahmen der Bundesregierung, Mindestlohn und Betreuungsgeld, seien hingegen kontraproduktiv, kritisierte Hüther. Der Mindestlohn berücksichtige die regionalen Unterschiede nicht und das Betreuungsgeld setze Fehlanreize, die das Abrutschen von Risikogruppen in Armut eher förderten als verhinderten.

Hier geht's zum Interview mit Christoph Schröder, Armutsforscher im Institut der deutschen Wirtschaft Köln, über seine Arbeit an der Studie.

AFP

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