Unbekannter gibt sich als Rechtsanwalt aus und verschickt Zahlungsaufforderungen

Einschüchterung per Mail von angeblichem Anwalt

Es ist eine dreiste Masche: Ein Krimineller verschickt seit dieser Woche Zahlungsaufforderungen per Mail an Adressaten in ganz Deutschland, verlangt 100 Euro und gibt sich als Rechtsanwalt Florian Giese aus.

Diesen Rechtsanwalt gibt es tatsächlich, allerdings schreibt der auf seiner Homepage www.rechstanwalt-giese.de schon einmal vorsorglich, dass er „nicht Urheber von betrügerischen E-Mails mit dem Betreff Ermittlungsverfahren gegen Sie“ ist. Es handele sich vielmehr um Spam-Mails von Betrügern.

Den Adressaten wird vorgeworfen, illegal Musik aus dem Internet heruntergeladen zu haben. Einer dieser Adressaten ist Mario Licht aus Opperhausen im Landkreis Northeim. „Die Mail sah schon sehr amtlich aus, und ich habe kurz gezuckt“, erzählt der 39-Jährige. Er öffnete sie, obwohl die Nachricht im Spam-Ordner gelandet war und damit als unerwünscht gilt. „Als ich die Mail las, musste ich schon schlucken“, sagt er. „Es klang sehr glaubhaft.“

Nach ausführlichen rechtlichen Hinweisen wurde Licht aufgefordert, 100 Euro über ein Ukash-Verfahren zu bezahlen. Dabei wird beispielsweise an einem Kiosk das Geld gegen einen Pin-Code getauscht. Mit diesem Code, der an den Mail-Schreiber zurückgeschickt wird, kann dieser etwa bei bestimmten Online-Shops zahlen. Licht traute der Geschichte aber nicht. „Die Mail war unglaubwürdig, weil ich keine Musik illegal heruntergeladen habe“, sagt er.

Informationen bei der Polizei

Er suchte im Internet nach Hinweisen und fand heraus, dass die Mail unseriös ist. „Das ist vielleicht eine Sauerei“, sei sein erster Gedanke gewesen. Er will Anzeige erstatten.

Pressesprecherin Sabine Knöll vom Polizeipräsidium Nordhessen berichtet, dass bereits eine Anzeige aus Hofgeismar eingegangen sei und eine weitere aus Kassel. Jederzeit könnten Betroffene sich in den Polizeidienststellen informieren, wenn sie eine dubiose Zahlungsaufforderung bekommen und sich nicht sicher sind, ob sie echt ist. Auch bei den Verbraucherzentralen in Hessen und Niedersachsen sind jeweils bereits um die 20 Hinweise von betroffenen Verbrauchern eingegangen.

„Nur nicht bezahlen“, sagt Ute Bitter von der Verbraucherzentrale Hessen. Am besten wäre es, Anzeige zu erstatten. Sie weist darauf hin, dass bei illegalem Herunterladen der Urheber normalerweise zunächst einen Unterlassungsanspruch geltend macht, bevor er Schadensersatz verlangt. Im übrigen habe auch die Videorama GmbH, die der unechte Florian Giese als seinen Mandanten angibt, nichts mit den Mails zu tun, so Bitter. Videorama wiederum ist eine Produktions- und Vertriebsgesellschaft für Pornofilme.

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