Forsa-Umfrage

Einzelhandel: Viele fühlen sich mies beraten

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Beratung in einer Parfümerie (Archivbild).

Berlin - Servicewüste Deutschland: Viele Kunden kritisieren eine miese Beratung durch Verkäufer im Einzelhandel. Das zeigt eine aktuelle Umfrage.

Drei von fünf Verbrauchern kritisieren die fehlende oder mangelhafte Beratung im Geschäft. In einer am Montag veröffentlichten Forsa-Umfrage sagten 32 Prozent, sie fühlten sich beim Einkauf nur manchmal gut betreut, weitere 27 Prozent sagten, sie würden "selten oder nie" angemessen beraten. Fast jeder zweite Verbraucher gab an, er vermisse im Einzelfall einen kompetenten Verkäufer, wenn es um Produktfragen geht oder darum, einen bestimmten Artikel zu suchen oder nachzubestellen. Vier von zehn Kunden sind es nach eigenen Angaben schon gewohnt, einen Verkäufer erst suchen zu müssen oder zu warten, bis jemand sie berät.

In Auftrag gab die Umfrage die Unternehmensberatung Porsche Consulting. Sie warnte die Einzelhändler, dass vier von fünf Kunden auch schon mal auf einen Kauf verzichten, wenn sie nicht ihren Wünschen entsprechend beraten werden. Frauen ziehen diese Konsequenz demnach öfter als Männer, mittlere und ältere Jahrgänge öfter als junge Kunden unter 30 Jahren. Für die Unternehmen sei das Risiko groß, einen unzufriedenen Kunden ganz zu verlieren.

Die zehn frechsten Preisfallen im Supermarkt

Nr. 1: Das Schrumpfprinzip: Bei scheinbar gleicher Packungsgröße und identischem Preis schrumpft der Inhalt eines Produkts. So reduzierte der Konzern Procter & Gamble die Anzahl der Pampers Windeln in der Kategorie 4 in den letzten 6 Jahren von 47 über 44 und 40 auf heute 37 Stück pro Packung. © Verbraucherzentrale Hamburg
Nr. 2: Der Mehr-drin-Trick: Eine größere Füllmenge suggeriert zunächst ein „Schnäppchen“, wird aber überproportional teuer verkauft. Das Spülmittel Ultra Palmolive von Colgate-Palmolive gibt es in 600-Milliliter-Packungen statt vormals 500- Milliliter-Flaschen. Der Preis erhöhte sich von 0,85 Euro auf 1,65 Euro, was einem Anstieg von 62 Prozent entspricht. © Verbraucherzentrale Hamburg
Nr. 3: Das Pseudo-Günstigerprinzip: Der Preis eines Produkts wird mit der Verringerung der Füllmenge gesenkt, doch der Preisnachlass entspricht nicht der Reduzierung des Inhalts. Die Menge der Rewe Kuchenglasur Bourbon-Vanille schrumpfte von 200 auf 150 Gramm, doch der Preis sank lediglich von 1,25 Euro auf 1,09 Euro, was einem Preisaufschlag von 16 Prozent gleichkommt. © Verbraucherzentrale Hamburg
Nr. 4: Der Händlertrick: Ein- und dasselbe Produkt geht bei verschiedenen Einzelhändlern in Packungen mit abweichenden Füllmengen in den Verkauf – allerdings zum gleichen Preis. So kosten Haribo Goldbären in 200- und 300- Gramm-Tüten je 0,89 Euro; der Preisunterschied liegt bei 50 Prozent. © Verbraucherzentrale Hamburg
Nr. 5: Der Sammelpacktrick: Mehrfach- oder Sammelpackungen werden genutzt, um Produkte scheinbar besonders preisgünstig, jedoch im kleineren Format anzubieten. Der Schokoriegel Twix von Mars beispielsweise ist im 5er- Pack 50 Gramm schwer, wiegt einzeln abgepackt aber 58 Gramm. © Verbraucherzentrale Hamburg
Nr. 6: Der Portionstrick: Produkte in praktisch vorportionierten Beuteln haben insgesamt eine geringere Füllmenge, aber oft den gleichen Preis wie das Ausgangsprodukt. So bietet Aldi Nord seinen Typ Cappuccino classico Pulver nicht mehr in einer Dose, sondern in einer Pappschachtel mit Einzelportionen an und erhöhte auf diese Weise den Preis für das Produkt um 31,4 Prozent. © Verbraucherzentrale Hamburg
Nr. 7: Der Mengentrick: Die Stückzahl ersetzt die besser vergleichbare Angabe der Füllmenge auf der Vorderseite einer Verpackung. Auf diese Weise verkauft Bel Deutschland seinen Leerdammer Käse nach wie vor in Abpackungen von 14 Scheiben mit scheinbar gleicher Menge. Heute bekommt man jedoch nur 280 Gramm Käse für 3,79 Euro; früher waren es 350 Gramm. © Verbraucherzentrale Hamburg
 Nr. 8: Der Qualitätstrick: Durch einen geringeren Anteil an wertgebenden Bestandteilen verschlechtert sich die Qualität eines Produkts, die Hersteller sparen Kosten und erhöhen bei gleichem Preis ihre Marge. Für sein Schlemmer-Filet à la Bordelaise reduzierte Iglo den Fischanteil von 70 auf 52 Prozent und erhöhte damit den Preis um 34,6 Prozent. © Verbraucherzentrale Hamburg
 Nr. 9: Der Quantitätstrick: Veränderte Dosiervorgaben führen dazu, dass größere Mengen eines Produkts benötigt werden. Der Hersteller Henkel vergrößerte für sein Geschirrspülmittel Pril Kraft-Gel die Ausgusstülle und setzte die Dosierempfehlung von 2 auf 3 Milliliter pro fünf Liter Wasser herauf. © Verbraucherzentrale Hamburg
Nr. 10: Das Alles-neu-Prinzip: Die Wiedereinführung eines Produkts in einer neuen Verpackung wird genutzt, um die Füllmenge zu reduzieren und den Preis zu erhöhen. Nestlé bietet seine Beba Säuglingsnahrung 1 nicht mehr im Pappkarton, sondern in einer Metalldose an und nutzte den Relaunch für eine Preiserhöhung von knapp 30 Prozent. © Verbraucherzentrale Hamburg

Sie raten den Einzelhändlern, ihre Verkäufer besser einzusetzen: Unterstützungsleistungen wie das Einräumen von Regalen sollte diese demnach nicht leisten müssen. Der Handel müsse sein Personal zudem kontinuierlich schulen und klare Regeln aufstellen für die Anwesenheit auf der Verkaufsfläche.

AFP

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