Auf IAA

Autoindustrie kündigt Offensive bei Elektrofahrzeugen an

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Verhüllte neue Modelle auf der Automesse IAA in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler

Die Autobranche kämpft mit den Folgen des Diesel-Skandals und gegen Fahrverbote. Auf der IAA rücken die Hersteller alternative Antriebe und autonomes Fahren in den Fokus. Daneben gibt es aber wie früher viel PS-Power.

Frankfurt/Main (dpa) - Mit einer Offensive bei Elektrofahrzeugen versuchen die deutschen Autobauer die Diesel-Krise hinter sich zu lassen. Allein Volkswagen erhöht die Investitionen in E-Autos auf 20 Milliarden Euro und plant bis zum Jahr 2025 mehr als 80 neue Autos mit Elektromotor.

BMW will dem aufstrebenden US-Elektroautobauer Tesla mit einem Elektro-Coupé demnächst Paroli bieten. Daimler stellt seine Kleinwagenmarke Smart komplett auf elektrische Antriebe um.

Allerdings ließ der Diesel-Abgasskandal die Branche auch zum Auftakt der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) am Dienstag nicht los. Angesichts der anhaltenden Debatte um Diesel-Fahrverbote in Städten registriert Daimler inzwischen Besorgnis bei seinen Kunden.

"Natürlich hat die Einfahrverbots-Diskussion noch mal eine zusätzliche neue Qualität, die zum ersten Mal auch Nachfragen unserer Kunden in den Verkaufshäusern auslöst - das war vorher nicht der Fall", sagte Vorstandschef Dieter Zetsche in Frankfurt. Er ergänzte, es gebe erste Anzeichen dafür, dass sich die Diskussion nach der Bundestagswahl versachlichen werde.

Die Autobranche ist vor der Wahl zunehmend unter Druck geraten, innovativer und umweltfreundlicher zu werden. Der Diesel-Marktanteil bei den Neuzulassungen in Deutschland geht zurück. Zugleich ist die Branche in einem grundlegenden Wandel. Schwerpunkte sind alternative Antriebe wie der Elektromotor, autonomes Fahren sowie die Digitalisierung mit immer mehr Internet im Auto.

Auf der IAA, die am Donnerstag von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet wird, sind 994 Aussteller vertreten. Gezeigt werden den Veranstaltern zufolge 228 Weltpremieren. Dazu zählen auch wieder zahlreiche schwere Geländewagen mit Verbrennungsmotoren sowie Sportwagen mit viel PS. Mit dem boomenden SUV-Segment verdient die Branche viel Geld.

Als Zukunft gilt aber die Elektro-Mobilität, auch wenn die Nachfrage nach E-Autos in Deutschland immer noch gering ist. Hauptgründe sind der vergleichsweise hohe Preis der Fahrzeuge, die geringere Reichweite und eine fehlende flächendeckende Lade-Infrastruktur.

VW-Chef Matthias Müller kündigte an, bis 2030 solle es für jedes der weltweit rund 300 Modelle des VW-Konzerns mindestens eine elektrifizierte Variante geben. Hintergrund ist eine "Roadmap E" genannte Strategie - laut VW die umfassendste Elektro-Offensive in der Autoindustrie. Der Umbau ist auch Folge des Abgas-Skandals.

Zetsche sagte, bis 2020 solle es bei der Kleinwagenmake Smart in Europa und Nordamerika nur noch Elektrofahrzeuge geben. Der Rest der Welt werde kurz darauf folgen. Außerdem solle bis 2022 das komplette Autoangebot auch mit Elektroantrieben zur Verfügung stehen.

BMW will bis zum Jahr 2025 zwölf rein elektrisch angetriebene Modelle anbieten. Die Münchner zeigten auf der IAA das Elektro-Coupé i-Vision mit 600 Kilometern Reichweite. Wann das Fahrzeug in Serie geht, ist offen. Mit dem Auto will BMW auch gegen den US-Hersteller Tesla antreten, der auf der IAA nicht dabei ist.

Am Diesel wollen die deutschen Autohersteller vorerst festhalten. Für die Klimaziele 2020 sei dieser Antrieb unverzichtbar und klar notwendig, sagte BMW-Chef Harald Krüger. Von einem Verbot von Verbrennungsmotoren halte er gar nichts. VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte: "Der Diesel ist nicht Teil des Problems, sondern der Lösung." Die ganz neuen Motoren seien sauber und effizient.

Der Umweltverband Greenpeace dagegen forderte die Autoindustrie zu mehr Anstrengungen bei umweltfreundlichen Fahrzeugen auf: "Die deutsche Autoindustrie fährt auf Kollisionskurs zum globalen Klimaschutz." Greenpeace-Sprecher Gregor Kessler kritisierte, wenn VW 2025 noch immer mindestens 75 Prozent Diesel und Benziner verkaufe, löse das weder die Luftprobleme der Städte noch liefere der Verkehr den nötigen Beitrag zum Klimaschutz.

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