Käufer unbekannt - Spekulationen um Übernahme

BASF trennt sich von K+S-Anteil

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Vorbereitung zur Sprengung: Ein K+S-Mitarbeiter füllt untertage Bohrlöcher mit Sprengstoff, um das Salz aus dem Berg zu lösen.

Kassel. Der BASF-Konzern hat am Freitag sein 10,3-Prozent-Paket an K+S überraschend schnell verkauft und damit seine langjährige gesellschaftsrechtliche Beziehung mit dem Kasseler Kali- und Salzproduzenten beendet. Es ist quasi eine Scheidung.

An wen der Anteil gegangen ist, verriet der Chemieriese aus Ludwigshafen nicht. In Finanzmarktkreisen geht man davon aus, dass mehrere Investment- und Pensionsfonds zugegriffen haben. Laut BASF war das Angebot überzeichnet. Das heißt, dass es mehr Gebote gab als Aktien zur Verfügung standen.

BASF nahm rund eine Milliarde Euro ein. Nach Steuern bleiben davon 900 Millionen übrig. Dass das Geschäft mit den 19,7 Millionen Aktien à 50 Euro innerhalb von Stunden über die Bühne ging, zeigt, dass die Finanzwelt den profitablen K+S-Konzern für ein sehr gutes Investment hält.

1970 war der heutige Dax-Konzern unter das Dach von BASF gekommen, als der weltgrößte Chemiekonzern die Kasseler Wintershall AG übernahm. Denn die heutige K+S AG war bis dahin die Bergbausparte des Erdöl- und Erdgasförderers Wintershall. BASF führte die Sparte im selben Jahr mit der Salzdetfurth AG zusammen und gliederte den Kali- und Salzbergbau in die neu gegründete K+S GmbH aus. 1971 wurde daraus eine Aktiengesellschaft, an der BASF 75 Prozent und im wesentlichen die Altaktionäre der früheren Salzdetfurth AG den Rest hielten.

1996 schließlich versuchte der BASF-Konzern seinen Anteil an K+S für 250 Millionen Mark (127,8 Mio. Euro) an den kanadischen Kaliproduzenten Potash Corporation of Saskatchewan zu verkaufen, was aber am Veto des damaligen FDP-Wirtschaftministers Günter Rexrodt scheiterte. Daraufhin verringerten die Ludwigshafener ihren Anteil schrittweise auf zuletzt 10,3 Prozent.

Wenn sich also tatsächlich mehrere Anleger das verkaufte BASF-Paket geteilt haben, gibt es mit dem russischen Milliardär Andrej Melnichenko nur noch einen Großaktionär bei K+S. Dass er den BASF-Anteil übernehmen könnte, um dann mit einer Sperrminorität von 25 Prozent deutlich größeren Einfluss auf die K+S-Geschäftspolitik zu nehmen, wurde in Finanzkreise für unwahrscheinlich gehalten. Angesichts milliardenschwerer Investitionen in zwei Kaliprojekte in Russland, so die Experten, habe Melnichenko derzeit keinen finanziellen Spielraum für ein derart großes Investment. Im Gegenteil: Nicht wenige glauben, dass er seinen Anteil reduzieren könnte. Das wiederum gibt Spekulationen neue Nahrung, wonach dann einer der drei gobalen Bergbauriesen, BHP, Vale oder Rio Tinto nach K+S greifen könnte.

Der K+S-Aktienkurs rauschte gestern in einem insgesamt sehr schlechten Börsenumfeld in die Tiefe. In der Spitze verlor das Papier 9,2 Prozent, erholte sich aber wieder ging mit minus 4,74 Prozent auf 51,67 Euro aus dem Handel.

Ein K+S-Sprecher erklärte, dass sich für das Unternehmen nichts ändere.

Von José Pinto

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