Wissenschaftler: Energie-Einsparung wichtiger als Ausbau der Erneuerbaren

Eröffnete gestern den Weltsolarkongress: Prof. Klaus Vajen von der Universität Kassel. Fotos: Fischer

Kassel. Der effiziente Einsatz von Energie – vor allem beim Heizen und beim Einsatz industrieller Prozesswärme – ist noch vor dem Ausbau der erneuerbaren Energien der Schlüssel für die Energiewende.

Das sagten der Präsident des Weltsolarkongresses, Prof. Klaus Vajen, von der Universität Kassel (Unik), und der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik (IBP/Stuttgart/Kassel), Prof. Gerd Hauser, zum Auftakt des Weltsolarkongresses, der bis Freitag in Kassel stattfindet.

700 Forscher sowie Vertreter von Industrie und Regierungen beschäftigen sich auf dem weltgrößten Kongress seiner Art mit der Zukunft der Energieversorgung. Im Mittelpunkt stehen Themen wie heizen und kühlen mit Solarenergie, Solararchitektur, regenerative Stromversorgungssysteme und die Versorgung ländlicher Regionen. Er wird alle zwei Jahre von der International Solar Energy Society (Ises / Hintergrund) – Internationale Solarenergie-Gesellschaft – ausgelobt. In diesem Jahr richtet ihn die Universität Kassel aus.

Vajen forderte, bei Neu- und Umbauten die Integration von Solartechnik zum Standard zu erheben. Gleichwohl sieht er den Schwerpunkt nicht bei der Fotovoltaik, bei der Sonnenenergie in Strom gewandelt wird, sondern bei der Solarthermie zur Wärme-Erzeugung. Hierzulande sei der Wärmebedarf dreimal so hoch wie der Strombedarf. Dennoch flössen 90 Prozent der Subventionen in die Fotovoltaik. „Leider wird die Energie-Effizienz bei uns noch vernachlässigt“, resümierte er.

Hauser schloss sich dem an und erklärte, dass die jetzt beschlossene Energiewende zu zwei Dritteln von der Energie-Effizienz getragen werde. Die Erneuerbaren steuerten ein Drittel bei. „Energie-Effizienz ist noch wichtiger als der Ausbau der Erneuerbaren.“ Dabei spiele der Gebäudesektor eine zentrale Rolle. Sein Institut hat ein Energie-Plus-Haus entwickelt, das mit Hilfe moderner Technologien mehr Energie erzeugt als es selbst verbraucht. Einen Komfortverzicht gebe es nicht.

Der Direktor des Instituts für Nachhaltigkeitsstudien in Potsdam, Ex-Umweltminister Prof. Klaus Töpfer, betonte, dass die Energiewende nicht nur der Ökologie und dem Klimaschutz Rechnung tragen müsse. Energie müsse auch künftig für alle Bevölkerungsschichten bezahlbar bleiben und den Menschen in Entwicklungsländern zugänglich gemacht werden. Die Energiewende dürfe nicht zu einem Anstieg des CO2-Ausstoßes infolge des verstärkten Einsatzes fossiler Brennstoffe, zum Import von Atomstrom und zur Gefährdung der wirtschaftlichen Entwicklung führen.

Von José Pinto

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.