Energie-Riesen: Viele Optionen auf dem Tisch

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Die Energiekonzerne müssen nach dem Atim-Aus reagieren.

Düsseldorf - Angesichts der Atom-Kehrtwende wächst bei Eon, RWE und Co die Unsicherheit. Verkäufe von Geschäftsteilen werden geprüft. Jetzt stellt sich die nächste Frage: Was passiert mit den Stellen?

Die deutschen Energiekonzerne gehen ans Eingemachte: Angesichts der Belastungen durch den Atomausstieg sind Verkäufe von Geschäftsteilen, finanzstarke Partner, Kapitalerhöhungen und offenbar auch Stellenstreichungen im Gespräch. Noch halten sich die großen Versorger RWE und Eon weitgehend bedeckt. Tatsache ist aber, dass den Unternehmen wegen der Atom-Kehrtwende mehrere Milliarden Euro in der Kasse fehlen. Neben entgangenen Gewinnen müssen sie etwa höhere Vorsorge für den Rückbau von Meilern treffen.

Zunächst sorgte am Wochenende ein Medienbericht über erhebliche Umbaupläne und Standortschließungen bei Eon für Aufruhr. Jetzt heißt es in einem Zeitungsbericht, möglicherweise müssten auch die Aktionäre ihren Preis für die Energiewende zahlen. Eon prüfe eine Kürzung der Mindestdividende, berichtete die “Rheinische Post“ am Dienstag unter Berufung auf Gewerkschaftskreise. Das Thema solle bei einer Aufsichtsratssitzung am Montag besprochen werden. Der Konzern wollte die Angaben auf Nachfrage nicht kommentieren. Laut Medieninformationen soll es bei der Aufsichtsratssitzung auch um eine mögliche Auflösung von drei zentralen Eon-Standorten in Deutschland gehen - und damit um Hunderte Arbeitsplätze.

Die Atomkraftwerke in Deutschland und Europa

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In Deutschland sind 17 Atomkraftwerke in Betrieb (Gesamtleistung 20 490 Megawatt) © dpa
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In Bayern stehen insgesamt fünf AKW: Hier das Atomkraftwerk in Gundremmingen. © dpa
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Hier die beiden Atomkraftwerke Isar 1 und 2 nahe Essenbach in Niederbayern. Der Reaktor Isar 1 steht seit Jahren in der Kritik. © dpa
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Hier das Atomkraftwerk in Grafenrheinfeld bei Schweinfurt in Bayern. © dpa
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In Hessen stehen die beiden seit Jahren umstrittenen Atomkraftwerke Biblis A und Biblis B. Biblis A wurde im Jahr 1974 in Betrieb genommen und ist der älteste noch genutzte Reaktor. © dpa
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Niedersachsen zählt insgesamt drei Atomkraftwerke: hier das AKW in Grohnde an der Weser. © dpa
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Hier das Kernkraftwerk Emsland nahe Lingen in Niedersachsen. © dpa
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Das Kernkraftwerk Unterweser nahe Rodenkirchen in Niedersachsen. © dpa
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In Schleswig-Holstein sind insgesamt drei AKW am Netz. Hier das Kernkraftwerk Brokdorf. © dpa
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Hier das AKW Brunsbüttel in Schleswig-Holstein. © dpa
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Das Kernkraftwerk in Krümmel (Schleswig-Holstein). © dpa
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In Baden-Württemberg sind insgesamt vier AKW am Netz. Hier die besonders umstrittenen Kraftwerke Neckarwestheim 1 und 2. © dpa
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Hier die Kraftwerke Philippsburg 1 und Philippsburg 2 in Baden-Württemberg. © dpa
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In Europa sind derzeit 195 Kernkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 170 Gigawatt am Netz (Stand Januar 2011). © dpa
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In Belgien sind sieben Atomkraftwerke in Betrieb (5 926 Megawatt) © dpa
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Finnland betreibt vier AKW (2 716 MW) © dpa
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In Frankreich sind 58 AKW in Betrieb mit einer Gesamtleistung von 63 130 MW (hier der Standort Cattenom) © dpa
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In Großbritannien gibt es 19 AKW (10 137 MW) © dpa
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Die Niederlande betreiben nur ein Atomkraftwerk (487 MW) © dpa
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32 Atomkraftwerke stehen in Russland (22 693 MW) © dpa
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In der Schweiz sind fünf AKW am Netz mit einer Gesamtleistung von 3 238 MW (hier der Standort Leibstadt) © dpa
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Vier Atomkraftwerke stehen in der Slowakei (1 792 MW) © dpa
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Nur ein Kraftwerk mit einer Gesamtleistung von 666 MW ist in Slowenien in Betrieb. © dpa
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In Bulgarien gibt es zwei AKW (1 906 MW) © dpa
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Acht Atomkraftwerke sind in Spanien am Netz (7 516 MW, hier Asco) © dpa
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In Tschechien werden sechs AKW betrieben (3 678 MW) © dpa
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Ungarn zählt vier Kraftwerke (1 889 MW) © dpa
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In der Ukraine sind 15 AKW mit einer Gesamtleistung von 13 107 MW am Netz (hier Tschernobyl, bei dem sich im Jahr 1986 ein Super-GAU ereignete) © dpa
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In Rumänien stehen zwei Atomkraftwerke (Gesamtleistung 1 300 MW) © dpa
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In Schweden sind zehn AKW am Netz (9 303 MW, hier der Standort Oskarshamm) © dpa

Die Kürzung der Dividende wäre für Eon ein Schritt auf dem Weg zu dem Ziel, nach den Einschnitten durch den Atomausstieg wieder auf die Beine zu kommen. Eon hatte seinen Aktionären für 2011 und 2012 eine Dividende von mindestens 1,30 Euro je Aktie versprochen - das war allerdings noch vor der Energiewende. Im Mai hatte Finanzvorstand Marcus Schenck bei der Vorlage der Quartalszahlen bereits gesagt, Eon werde seine feste Dividendenzusage bei einer Abschaltung von Atomkraftwerken über die Zeit des Atom-Moratoriums hinaus überdenken.

Auch dem Wettbewerber RWE steht angesichts der veränderten politischen Rahmenbedingungen ein Umbruch bevor. Einem Bericht der “Financial Times Deutschland“ (Dienstag) zufolge prüft der Konzern den Verkauf mehrerer Tochterfirmen für den Vertrieb von Strom und Gas. Im Mittelpunkt der Überlegungen stünden die Frankfurter Süwag Gruppe, der Saarbrücker Versorger VSE und die Koblenzer Elektrizitätswerke. Im vergangenen Jahr erzielten die Töchter dem Bericht nach zusammen 3,2 Milliarden Euro Umsatz. Das entspreche etwa einem Sechstel des inländischen Vertriebsgeschäfts. RWE wollte die Informationen nicht kommentieren.

Der RWE-Vorstand durchkämmt derzeit den Konzern nach verkaufsfähigen Töchtern, um den Finanzspielraum zu sichern. Vorstandschef Jürgen Großmann will dem Aufsichtsrat bei einer außerordentlichen Sitzung am kommenden Montag seine Pläne präsentieren. Auch eine mögliche Kapitalerhöhung und der Stand der Verhandlungen mit dem russischen Gasriesen Gazprom werden Thema sein. RWE hatte die Trennung von Beteiligungen im Wert von acht Milliarden Euro angekündigt. Bisher ist erst ein kleiner Teil des Verkaufsprogramms realisiert, ein großer Brocken ist die Hochspannungstochter Amprion.

dpa

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