Volkswirt Josef Auer: Ölpreis strahlt auf alle Energiepreise aus – Großkunde China treibt die Preise

„Energiefrage wird zur Dauerbaustelle“

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Wird teurer: Sprit, aber auch die Energiepreise insgesamt werden steigen.

Das Thema Viel wird über Effizienzziele gesprochen, die bis 2020 erreicht werden sollen, doch nur wenig über die Wege, die dorthin führen. Mit diesem Thema beschäftigte sich die Fachtagung Hessen-Umwelttech in Kassel. Was Energie der Zukunft kostet und warum man handeln sollte, sagt Referent Josef Auer im Interview.

Dr. Auer, was wird Energie in der nahen Zukunft kosten?

Josef Auer: Auf den Energiepreis wirken etliche Faktoren: der politische Rahmen, das Image einzelner Energieträger, wie kommt der Ausbau der Erneuerbaren Energien voran, wie verhält sich der Wettbewerb auf den Energiemärkten. Ein Mix all dieser Faktoren wird künftig den Preis bestimmen.

Welche Rolle spielt bei diesem Mix China?

Auer: China ist der neue Großkunde auf den Rohstoffmärkten. Für die Expansion braucht dieses Land nicht nur enorme Energiemengen, sondern Rohstoffe aller Art. Ob Eisen, Stahl, Zink, Aluminium oder Nickel. Eine auf Zukunft ausgerichtete Kalkulation von Energiepreisen ist ohne dieses Land nicht darstellbar.

Das heißt: Egal ob Energie oder Rohstoffe – wenn die Weltwirtschaft anspringt, steigen die Preise rasant?

Auer: Die Zeiten des dauerhaft billigen Erdöls sind vorbei. Die aktuellen Prognosen gehen für 2010 von einem Jahresdurchschnittspreis für das Barrel (159 Liter) Öl von 73 Dollar aus, 2015 könnten es 100 Dollar sein, 2030 sogar 200 Dollar.

Wie entwickeln sich die Rohstoffpreise auf kürzere Sicht?

Auer: Schaut man auf die nächsten drei Monate, spricht vieles dafür, dass Öl und Benzin über dem Fünf-Jahresschnitt von 72 Dollar für die Sorte Brent liegen werden, Gas, Kohle und Uran darunter.

Wird Energie mit dem Ende der Ölzeit zur Dauerbaustelle?

Auer: Der längerfristige Aufwärtstrend beim Ölpreis wird trotz der Korrektur durch die Weltrezession bestehen bleiben. Öffnet sich die Nachfrage-Angebots-Schere noch weiter, verheißt dies völlig neue Preissphären. Der Ölpreis strahlt auf alle Energiepreise aus. So gesehen wird die Energiefrage zur Dauerbaustelle.

Welche Alternativen gibt es?

Auer: Momentan bietet der Erdgasmarkt ungewohnte Chancen, um den enormen Energiebedarf zu decken. Dies ist mit erneuerbaren Energien bislang nur zu einem kleineren Teil möglich. In den USA gibt es neue Förderpotenziale dank des Funds großer Mengen an Schiefergas. Überdies werden weltweit neue Kapazitäten zur Bearbeitung von verflüssigtem Erdgas (LNG) fertig.

Was bedeutet das?

Auer: Letztlich schwappen die Mengen nach Europa. Das drückt auf die Preise an den Spotmärkten. Die ölgebundenen Preise in den Langfristverträgen geraten zunehmend unter Druck. Das bietet enorme Chancen für Kunden aus der Industrie, aber auch private Haushalte. Aktuell zahlt die Industrie nach Analyse der Monopolkommission am Standort Deutschland im internationalen Vergleich sehr hohe Gas- und Strompreise.

Was die Klimakonferenz in Kopenhagen nicht schafft, bewirken nun hohe Preise – mehr Effizienz?

Zur Person

Josef Auer (49) ist Analyst für das Thema Energie bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Der promovierte Volkswirt war vor seinem Wechsel zur Bank beim einstigen Dax-Konzern Metallgesellschaft beschäftigt. Auer ist ledig. In seiner Freizeit treibt er gern Sport – joggen, schwimmen, Radfahren. „Ganz klassisch eben“, wie er sagt.

Auer: Richtig. Doch nicht nur Effizienz ist entscheidend. Erfolgsfaktoren für künftige automobile Mobilität sind neben Energieeffizienz, neue Antriebe und Kraftstoffalternativen. Die alternativen Antriebe wie Hybrid und Elektromotoren gewinnen zwar an Bedeutung, aber der Strukturwandel in Deutschland beginnt erst. Für eine schnelle Marktdurchdringung sind die Kosten für neue Antriebe (etwa der Batterie) noch viel zu hoch. In den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten bleibt der Verbrennungsmotor dominierend. Deshalb bleibt Effizienz das vordringliche Thema. Wo sich schon heute Rohstoffe sparen lassen, sollte dies auch geschehen – etwa durch die stärkere Integration neuer Energien. Davon profitiert auch die chemische Industrie, die auf Öl als Basisrohstoff für viele Produkte nicht verzichten kann.

Also kein weiter wie bisher?

Auer: Nein, für den Standort Deutschland wie das einzelne Unternehmen gilt, wer sich nicht fit macht für die Zeit mit höheren Energiepreisen, dürfte schon bald zu den Verlierern zählen. Deshalb sollten Energieabnehmer alle Hebel in Bewegung setzen.

Was bringt vor dem Hintergrund die schwarz-gelbe Energie- und Umweltpolitik?

Auer: Der mangelnde Wettbewerb und Sonderlasten wie das EEG haben die Strompreise drastisch steigen lassen. Die stärkere Kürzung der zu hohen Vergütung für Solarstrom ist daher richtig. Für die Energiepreisentwicklung spielt auch die Verlängerung der Laufzeit einiger Atomkraftwerke eine Rolle. Das alles ist zwar ein neues Energiekonzept, aber keine 180 Grad Wende.

Von Martina Wewetzer

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