Verkehrswende

Energiepreise: Expertin erklärt, ob sich ein E-Auto noch lohnt - und bringt Diesel-Fans auf die Palme

Elektroauto beim Laden: Angesichts stark gestiegener Energiepreise stellt sich die Frage nach der Finanzierbarkeit
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Elektroauto beim Laden: Angesichts stark gestiegener Energiepreise stellt sich die Frage nach der Finanzierbarkeit.

Die Energiepreis-Explosion verunsichert viele Bürger: Ist der Umstieg auf ein Elektroauto überhaupt finanzierbar? Eine Wirtschaftsexpertin erklärt die Sachlage.

München - Im Zuge der Inflation sind zuletzt auch die Energiepreise merklich nach oben gegangen. Durchkreuzt diese Entwicklung die Verkehrswende in Richtung Elektroautos? Schließlich erscheint infolge dessen auch der Unterhalt von Akku-betriebenen Fahrzeugen teurer. Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert erklärt, dass sich die Entscheidung für ein elektrifiziertes Modell dennoch rentiere. Allerdings sei dafür der Eingriff des deutschen Staates in die Energiepolitik unabdingbar.

Gegenüber der Wirtschaftswoche erklärt die Energieökonomin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): „Der Strompreis ließe sich leicht senken. Zum einen wird die EEG-Umlage ohnehin sinken. Denn sie errechnet sich aus der Differenz zum Strombörsenpreis, und der geht im Moment durch die Decke. Zudem könnte und sollte man „m Zuge der Erhöhung einer CO2-Bepreisung die Stromsteuer senken“, fordert Kemfert.

Elektroauto: DIW-Expertin fordert Abschaffung von Dieselprivileg

Elektroautos seien ihrer Ansicht nach „bauartbedingt“ wesentlich energieeffizienter als Autos mit Verbrennermotor. „Selbst bei hohen Strompreisen spart ein Elektroauto Geld. Diese Rechnung wird sich schnell herumsprechen“, ist Kemfert überzeugt. Jedoch scheiden sich an dieser Frage die Geister. Zudem lehnt sie die steuerliche Förderung von Diesel ab: „Es ist völlig widersinnig, dass wir über das Dieselprivileg weiterhin Verbrennerautos mit Milliarden subventionieren und gleichzeitig Elektroautos fördern, damit sie damit konkurrieren können.“ Volkswagen selbst positionierte sich zuletzt in dieser Frage ähnlich. Diese Haltung dürfte viele Diesel-Fans auf die Palme bringen.

Kemfert fordert eine Beendigung der staatlichen Bevorzugung von Autos mit Dieselmotor und eine weitere Anpassung der Emissionsgrenzwerte sowie des CO2-Preises aufgrund der beschlossenen Klimaziele. Derweil erfreuen sich auch Hybridmodelle europaweit einer immer größeren Beliebtheit, sie haben bei den Neuzulassungen Dieselfahrzeuge überholt:

Elektroauto als Lösung der Verkehrswende? „Autos sind keine Fahr-, sondern ‚Stehzeuge‘“

Übrigens bezweifelt Kemfert, dass ein Mobilitätswandel nur über den Weg Elektromobilität funktioniert - und übt generelle Kritik an der Deutschen liebstes Kind: „Autos sind keine Fahr-, sondern ‚Stehzeuge‘; sie stehen 23 Stunden am Tag herum und verbrauchen sinnlos viel Platz.“ Deswegen sei der Ökonomin zufolge eine „umfassende Mobilitätswende“ notwendig. Beim Abschied speziell von Autos mit Verbrennermotor gehe es hingegen nicht mehr um das „Ob“, sondern nur noch ums „Wann“.

Der Verkehrssektor habe an den Treibhausemissionen einen Gesamtanteil von etwa 20 Prozent, führt die Ökonomin aus. Das führt zu einem weiteren Appell: „Wir benötigen eine echte Verkehrswende – weg von der autozentrierten hin zur menschengerechten Mobilität. Wir müssen Verkehr vermeiden, verlagern und verbessern.“ Damit gehören auch alternative Konzepte wie Carsharing, Fahrrad fahren oder die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs. (PF) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA 

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