Sonne für das Tiefkühlfach

Energiewende: Viessmann will den Markt komplett abdecken

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Macht Dampf: Das Industriegeschäft bestückt Großanlagen für die Energieversorgung – hier ein Kessel des Holzhackschnitzel-Heizwerks in Melsungen.

Allendorf/Eder. Etwa 20 Millionen Heizungen gibt es in Deutschland – Aussichten, bei denen der nordhessischen Viessmann-Gruppe warm ums Herz werden könnte.

Doch für den Spezialisten für Heiz- und Kühlsysteme sind Öl- und Gasthermen zwar ein Stand- nicht aber das Spielbein. Denn das Familienunternehmen bewegt sich in einem Markt, dem die Energiewende ihren Stempel aufdrückt und in den die Digitalisierung einzieht. Ein Überblick über Klassiker und Dampfkessel 4.0

Heizen – Die Klassiker

Der Klassiker hängt. Gaswandgeräte gehören zu den Viessmann-Bestsellern. Die kompakten Kisten und die größeren Standgeräte wärmen Häuser, Wohnungen und Betriebe. Heizsysteme bringen den Umsatz auf Wohlfühltemperatur: Rund 80 Prozent der insgesamt 2,25 Milliarden Euro entfallen auf sie. Verkauft werden Öl- und Gasbrennwertsysteme, Wärmepumpen und Solarthermie-Anlagen an das Fachhandwerk. Mehr als die Hälfte des Umsatzes wird im Ausland erzielt, aber Deutschland ist nach wie vor der mit Abstand wichtigste Markt.

Die großen Konkurrenten heißen Bosch-Thermotechnik und Vaillant, die mit Umsätzen zwischen 3,3 und 2,4 Milliarden Euro mit Viessmann in einer Liga spielen. Die Nordhessen setzen dem Kampf um Wohnzimmer und Heizungskeller ein Komplettangebot entgegen, „für alle Anwender und Energieträger“, wie Viessmann-Sprecher Jörg Schmidt sagt. In der Solarthermie, Anlagen, die mit Sonnenenergie Wasser für Bad und Heizung erwärmen, beanspruchen die Nordhessen europaweit die Position als Marktführer.

Industrie – die Unikate

Rund 40 000 Wohnungen warm bekommen? Für Aufträge wie diesen aus China schalten die Nordhessen eben sieben Riesenheizkessel hintereinander. Und dem Schwalm-Eder-Kreis halfen sie auf den Holzweg: Viessmann lieferte die Technik für ein Holzhackschnitzel-Kraftwerk, das den Medizintechnik- und Pharmahersteller B. Braun Melsungen AG mit Dampf und Strom für die Produktion beliefert.

Das Thema: Der Heiz- und Kühltechnikhersteller Viessmann in Allendorf/Eder wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Zum Jubiläum stellen wir den größten Arbeitgeber im Landkreis Waldeck-Frankenberg vor.

Das Industriegeschäft und die dritte Viessmann-Division Kühlsysteme teilen sich 20 Prozent des Gesamtumsatzes der Gruppe. Erwirtschaftet wird das Geld im komplexen Zusammenspiel mit Planern und Auftraggebern, die Lösungen nach Maß verlangen: „Das ist nichts von der Stange“, sagt Schmidt. Inzwischen arbeitet Viessmann an einem Baukastensystem, mit dem Anlagen aus Standardmodulen zusammengesetzt werden können.

Kühlen - die neue Eiszeit

Wärme und Kälte unter einem Dach: Seit 2012 gehört die Viessmann Kühlsysteme GmbH in Hof wieder zur Gruppe und mit ihr Kühlzellen für Lebensmittelhandel, Gastronomie und Krankenhäuser. Der Kauf der finnischen Norpe Group ergänzte das Angebot um Kühltruhen und -regale. Die kleine Division hat seit kurzem einen neuen prominenten Kunden: In einem Pilotprojekt rüstete Viessmann zehn Aldi-Nord-Filialen mit dem Kühl-Heiz-System ESyCool green aus, das den Stromverbrauch des Discounters senken und sein grünes Image heben soll.

Grün ist cool: Viessmann stattet Aldi (unten) mit einem umweltfreundlichen Kühl-Heizsystem aus.

Dabei entzieht eine mit Solarstrom betriebene Pumpe Wasser Wärme und setzt so einen Kühlkreislauf in Gang, bei dem hauptsächlich eine Soleflüssigkeit zirkuliert. Mit der Abwärme kann der Laden geheizt werden – eine coole Perspektive nicht nur für Aldi, sondern auch für Viessmann: Schließlich gibt es Europa rund 500.000 Lebensmittelmärkte.

Hintergrund: Energiesysteme im Wandel

Energie aus erneuerbaren Quellen spielt in der Wärme- und Kühltechnik der Viessmann-Gruppe eine wichtige Rolle. „Die Verknüpfung multivalenter Systeme wird die Zukunft sein“, heißt es aus dem Unternehmen. Anders gesagt: Gebraucht werden Anlagen, die mit mehreren Energiequellen zurechtkommen. Doch was tun, wenn die Sonnenkraft gerade nicht gebraucht wird? Auf indirektem Wege lässt sie sich speichern. Etwa mit einer von Solarstrom betriebenen Wärmepumpe, die Wasser erhitzt, das später zum Heizen verwendet werden kann. Eine andere Möglichkeit sind Batteriespeicher, die Viessmann ebenfalls produziert. Doch die Nordhessen setzen noch auf eine weitere innovative Technologie: Für das kommende Jahr hat das Unternehmen eine neue SOFC-Brennstoffzellen-Heizung angekündigt. In der Brennstoffzelle reagiert Wasserstoff mit Sauerstoff. Dabei entstehen Strom, Wärme und Wasser.

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