Streit mit Nachlassgericht

Erbe ausgeschlagen: Entscheidung kann revidiert werden

+
Wenn jemand ein Erbe ausschlägt, kann er unter Umständen seine Entscheidung später widerrufen. das zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Foto: Uli Deck

Schlagen Angehörige das Erbe aus, ist dieser Entschluss nicht unwiderruflich. Das Nachlassgericht muss in besonderen Fällen zulassen, dass jemand seine Erklärung korrigiert. Das entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf.

Düsseldorf (dpa/tmn) - Wer eine Erbschaft ausschlägt, kann diese Entscheidung unter bestimmten Voraussetzungen rückgängig machen. Möglich ist dies, wenn sich die Person bei der Zugehörigkeit einer Forderung zum Nachlass geirrt hat. Dann kann sie die Erklärung über die Erbausschlagung anfechten.

Die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins berichtet über folgenden Beschluss des Oberlandesgerichts Düsseldorf hervor (Az.: 3 WX 12/16):

Eine unverheiratete und kinderlose Frau kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Deren Tante schlug das Erbe zunächst aus. Dann erfuhr sie, dass aufgrund des Flugzeugabsturzes in den Nachlass Schadenersatzansprüche gegen die Fluggesellschaft fallen. Sie focht ihre Erklärung das Erbe auszuschlagen gegenüber dem Nachlassgericht an. Dieses verweigerte ihr den Erbschein.

Zu Unrecht, entscheiden die Richter: Die Tante konnte darlegen, dass sie bei Kenntnis der Sachlage das Erbe nicht ausgeschlagen hätte. Ihr Argument: Es sei für ihre persönliche Trauerbewältigung wichtig, dass sie den Anspruch auf Schadenersatz geltend machen kann. Der Irrtum über die Sachlage berechtigte die Frau nach Auffassung des Gerichts zu einer Anfechtung. Und die wirksame Anfechtung machte die Erbausschlagung ungeschehen - somit wurde die Tante Erbin.

Arbeitsgemeinschaft Erbrecht

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.