Er brachte die Hit-Marke groß raus

Erfinder der Bionade ist gestorben - Trauer um Dieter Leipold

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Archivbild aus dem Jahr 2006: Dieter Leipold (rechts), Erfinder des Erfrischungsgetränkes "Bionade", und sein Stiefsohn Peter Kowalski, Geschäftsführer der Brauerei Peter, zeigen im Hof der Brauerei in Ostheim vor der Röhn zwei Flaschen mit "Bionade".

Ostheim. Er galt als der „Miraculix der Rhön“: Dieter Leipold (76), Erfinder der Szene-Brause Bionade, starb – wie erst jetzt bekannt wurde – am Sonntag nach kurzer, schwerer Krankheit in seiner Heimat Ostheim in der Rhön.

Das bestätigte eine Unternehmenssprecherin Ein biologisches alkoholfreies gebrautes Erfrischungsgetränk herzustellen, allein durch die Fermentation natürlicher Rohstoffe, das schien schier unmöglich – bis der Diplom-Braumeister Leipold auf diese Idee kam. Das war in den 1980er-Jahren. Als jungen Braumeister hatte ihn Ludwig Peter aus Würzburg in die Rhön geholt.

Aktualisiert um 19.15 Uhr

Peter ist der Seniorchef der Peter-Bräu in Ostheim. Damals lernt Leipold seine spätere Ehefrau Sigrid Peter, die Tochter des Hauses, kennen. Sie wird später den Betrieb übernehmen. Doch beide heiraten zunächst einen anderen Partner. Die kleine Brauerei in der Rhön hat es schwer – zu groß ist der Wettbewerb beim Bier. Doch wie die Existenz eines Familienbetriebs sichern und mit bestehender Technik neue Wege gehen?

Leipold tüftelt mit Leidenschaft an seiner Idee für ein alkoholfreies Erfrischungsgetränk. Sein Labor ist nicht nur die Brauerei Peter, sondern die gesamte Wohnung, die er mit seiner späteren Ehefrau Sigrid Peter-Leipold und den Stiefsöhnen Peter und Stephan Kowalsky teilt. 1990 wird Bionade ins Markenregister eingetragen. 1994 feiert Bionade Litsea (Litschi) Premiere. Leipold, dessen Erfindergeist stets ausgeprägter war als sein Geschäftssinn, geht Klinkenputzen. Die Macher der Bionade, mittlerweile sind die Stiefsöhne in den Betrieb eingestiegen, stecken im Teufelskreis: kein Geld, keine Werbung, keine Chance am Markt. Zwei Jahre dauert es, bis mit einem Passauer Getränkehändler der erste Großkunde gewonnen ist. Die Familie kämpft. Eine Dorfdisco, in der die Familie nachts arbeitet, soll helfen, Geld einzubringen.

Dann kommt 1996 der Jackpot: Frau Peter-Leipold gewinnt eine Million Mark im Lotto und steckt den Gewinn ins Unternehmen. Der Durchbruch ist geschafft: Zwischen 1998 und 2000 schnellt der Absatz hoch. 2004 explodiert die Nachfrage nach der Brause. Fünf Jahre später steigt die Oetker-Gruppe als Mehrheitseigentümer ein. 2011 zieht sich die Familie aus dem Unternehmen zurück, ein Jahr später werden die letzten Anteile verkauft. Doch bis zuletzt soll der Tüftler Leipold vom Wohnzimmer auf die blauen Bionade-Kästen geschaut haben.

Von Martina Hummel

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