VW erfindet Extrabalken für Energie-Etikett - Korrektur nach Vorwurf

Der Unterschied: Links das echte Label, rechts die VW-Variante.

Kassel. Seit 1. Dezember gewöhnen sich Deutschlands Autokäufer an das neue Energie-Etikett für Autos. Die Werbeleute bei Volkswagen versuchen dasselbe. Am Mittwoch allerdings mussten sie einen peinlichen Fehler einräumen und kurz nach Mittag die VW-Internetseite neu sortieren.

Der Grund: Das Schaubild zum Spritverbrauch, das mit farbigen Balken Autos von A+ (vorbildich sparsam) bis G (Spritschlucker) sortiert, hat in der Vorlage des Gesetzgebers acht Balken. Bei VW im Internet waren es bis Mittwochmittag neun. Die Deutsche Umwelthilfe spricht deshalb von „dreister Verbrauchertäuschung“.

Die in Wolfsburg dazu erfundene Effizienzklasse H (noch durstiger als Spritschlucker) solle offenbar die besonders PS-starken und schweren VW-Modelle ein bisschen besser dastehen lassen. Beispiel: Der Phaeton mit 4,2-Liter-Benzinmotor und 335 PS. Deutlich über zwei Tonnen schwer, landet das Flaggschiff der VW-Flotte auf dem korrekten Energieetikett in der roten Klasse G, sprich: auf dem letzten Platz. In der Wolfsburger Version gab es bis Mittwochmittag noch die dunkelrote Klasse H - der Phaeton belegte so nur den zweitschlechtesten Rang.

Diese Werbekosmetik hübschte nicht nur den Phaeton im Verbrauch etwas auf. Die erfundene Tabelle mit der Zusatzklasse H zog sich durch die gesamte Pkw-Palette. Bis VW am Mittwoch die Reißleine zog: Das Ganze, sagte VW-Sprecher Peter Weisheit auf Anfrage unserer Zeitung, sei ein dummer Fehler, ,„der uns leidtut und für den wir uns entschuldigen“. Klar zurückweisen wolle man allerdings den DUH-Vorwurf der bewussten Verbrauchertäuschung. Weisheit: „Das wollen und könen wir uns gar nicht leisten.“

DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch hielt am Nachmittag seine Attacke dennoch aufrecht: „VW muss das lückenlos aufklären.“ Als klageberechtigter Verbraucherschutzverband hat die DUH den Konzern am Mittwoch zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung aufgefordert. Dabei bleibe es auch, so Resch am Nachmittag. Die Wolfsburger sollten schriftlich versichern, das irgendwo irgendwie selbstgebastelte Energieetikett nicht mehr zu verwenden.

Vielleicht kommt noch mehr nach: Wer die Verordnung zum Energieeffizienzlabel vorsätzlich oder fahrlässig nicht einhalte, begehe eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro geahndet werden könne, teilte die Deutsche Energie-Agentur mit, die das Etikett betreut.

Von Wolfgang Riek

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