Computerriese IBM vor 100 Jahren gegründet

Erst die Lochkarte, dann auf den Mond

Meilenstein in Kühlschrankgröße: Ein IBM-Ingenieur mit dem System/360. Foto: dapd

Waagen, Uhren, Käseschneider und eine Maschine, die Pappkarten nach Löchern abtastet: Als sich am 16. Juni 1911 in New York vier kleine Unternehmen zur Computing-Tabulating-Recording Company C-T-R zusammenschließen, waren sie von einem Nettogewinn von umgerechnet über zehn Milliarden Euro etwa so weit entfernt wie vom Mond. 100 Jahre später hat die Firma beides erreicht – als IBM.

Zu C-T-R gehört 1911 auch Herman Hollerith, Erfinder der Tabelliermaschine. Sein System sortiert Datensätze, zum Beispiel Personen bei der Volkszählung, anhand von Löchern auf Pappkarten. Loch oder nicht, 1 oder 0: bis heute die Basis jedes Computers.

Unter Firmenchef Thomas J. Watson wächst C-T-R zu einem Konzern, der vor allem auf Geschäftskunden zielt und lukrative Kontakte zum Militär hält. 1924 tauft Watson die Firma in International Business Machines um: IBM. Vor allem die Datenverarbeitung mit Holleriths Maschinen wird stetig weiterentwickelt – und missbraucht: Laut dem US-Journalisten Edwin Black liefert der deutsche Ableger Dehomag Lochkarten an das Naziregime zur Planung des Holocaust. IBM behauptet, während des Nationalsozialismus keinen Einfluss auf Dehomag gehabt zu haben.

Nach dem Krieg setzt sich der Aufstieg bis ins Weltall fort: IBMs Ingenieure haben großen Anteil am Apollo-Programm der NASA, das 1969 in der Mondlandung gipfelt. Zur gleichen Zeit investiert der Konzern fünf Milliarden Dollar in die Entwicklung des System/360. Dieser Rechner, so groß wie zwei Kühlschränke, kann erstmals sowohl in der Forschung als auch Verwaltung eingesetzt werden. Der Erfolg des System/360 legt die Basis für das Servergeschäft, das heute neben Hard- und Software-Entwicklung sowie Firmen-Beratung IBMs Standbein ist.

Den Privatkunden hat der Konzern mit 425 000 Angestellten den Rücken gekehrt, die PC-, Festplatten- und Laptop-Sparten verkauft. Viele Nutzer verbinden den PC dennoch mit IBM. Zwar brachte Apple seinen Heimcomputer schon 1977 auf den Markt, IBM setzte vier Jahre später mit dem 5150 aber Standards – und bereitete den Weg für einen neuen IT-Riesen: Das Betriebssystem DOS 1.0 ließ IBM von der damals noch kleinen Firma Microsoft schreiben.

Von Simon Neutze

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