Günther Cramer zeigt sich überrascht vom Auftragseinbruch im Inland, hält aber an Zielen fest

Interview mit SMA-Chef Günther Cramer: „Erwarten rasantes Wachstum“

Günther Cramer

SMA-Vorstandssprecher Günther Cramer sieht im aktuellen Auftragseinbruch im Inland keinen Grund zur Sorge. Der Weltmarkt werde weiter rasant wachsen und mit ihm auch SMA.

Im Interview erklärt er, warum 900 Leiharbeiter erst über HNA Online und die HNA erfuhren, dass sie nicht mehr gebraucht werden.

Herr Cramer, muss man sich um SMA Sorgen machen?

Günther Cramer: Nein, ganz im Gegenteil, dieses Jahr wird eines der erfolgreichsten in der Firmengeschichte. Wir haben derzeit einen aktuellen Nachfragerückgang, der saisonal bedingt ist. Hinzu kommt die Kürzung der Einspeisevergütung, so dass wir die Produktion anpassen müssen.

Wie hoch waren Umsatz- und Auftragsrückgang in den vergangenen Monaten?

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Cramer: Das ist schwer zu sagen. Aber zur Erklärung: Anfang des Jahres gab es Lieferengpässe wegen der weltweiten Knappheit an Elektronik-Bauteilen. Dann haben wir die Kapazitäten erweitert, um die erwarteten späteren Nachfragespitzen zu befriedigen. Im dritten Quartal haben wir mehr Bauteile bekommen und die Stückzahlen nochmals erhöht, was die Händler bei einem bereits rückläufigen Markt dazu genutzt haben, ihre Lager aufzufüllen und sich vorerst bei Bestellungen zurückhalten.

Noch einmal: Wie stark war der Umsatzrückgang in der jüngsten Vergangenheit?

Cramer: Kann ich im Moment wirklich nicht beziffern. Aber ich kann sagen, dass es innerhalb von einer Woche Ende Oktober einen dramatischen Stornierungsprozess gegeben hat. Daher auch die Ankündigung einer zweiten Freistellungwelle nur zweieinhalb Wochen nach der ersten.

War damit nicht zu rechnen?

Cramer: Nein. Wir waren selbst überrascht.

Warum wurden die Betroffenen nicht früher informiert?

Cramer: Wir konnten unsere Mitarbeiter nicht früher informieren, weil die HNA über interne Informationen aus unserem Unternehmen verfügte und veröffentlicht hat. Dadurch haben unsere Beschäftigten zunächst aus der Zeitung erfahren, was auf sie zukommt. Wir hatten nicht die Zeit, diese Beschäftigten in Einzelgesprächen – wie es unser Stil ist – zu informieren.

Was passiert mit ihnen?

Cramer: Zunächst: Es tut uns wirklich sehr leid, dass wir uns von ihnen trennen müssen. Unser Personaldienstleister Team-Time wird allen Betroffenen Kurzarbeit null anbieten. Die Menschen werden also nicht arbeitslos. Im Übrigen müssen wir betonen, dass wir alle Zeitarbeiter – und das ist einmalig in Hessen – wie fest Beschäftigte nach Tarif bezahlen und sie am Unternehmenserfolg finanziell beteiligen. Zeitarbeit ist für uns kein Instrument zum Kostensparen, sondern eines zur Flexibilisierung der stark schwankenden, Nachfrage-gesteuerten Produktion. Zeitarbeit kostet uns sogar mehr als reguläre Beschäftigung.

Sind die verbleibenden 4300 festen und 1200 Zeitarbeiterstellen bei SMA sicher?

Cramer: Wenn es nicht zu weiteren dramatischen Marktveränderungen kommt, erwarten wir, dass die jetzigen Anpassungen ausreichend sind.

Sie wollen in den kommenden Jahren 400 Millionen Euro vor allem ins neue Werk am Sandershäuser Berg in Niestetal bei Kassel investieren. Sind die Pläne noch aktuell?

Cramer: Unbedingt, denn wir sehen eine klare positive Entwicklung für die Fotovoltaik weltweit. Wir haben zwar einen Marktrückgang in Deutschland. Aber die anderen Märkte wachsen und gleichen aus, was uns derzeit im Inland wegfällt. Insofern halten wir an der Umsatz- und Ergebnisprognose für dieses Jahr von 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro beziehungsweise 450 bis 540 Mio. Euro fest.

Wie wird das nächste Jahr?

Cramer: Wir rechnen damit, dass der globale Markt 2011 um 20 Prozent wächst. Daran wollen wir unseren Anteil haben. Allerdings können wir auch nicht ausschließen, dass der Weltmarkt um zehn Prozent schrumpft. Aber auch damit könnten wir leben. Mit unserer flexiblen Produktion können wir auf alle Entwicklungen reagieren.

Wie sieht es danach aus?

Cramer: Wir sind fest davon überzeugt, dass die Fotovoltaik hier in Deutschland und natürlich auch weltweit zu einer der tragenden Säulen der Energieversorgung wird. Fotovoltaik ist auf dem Weg zur Wettbewerbsfähigkeit. Daher erwarten wir auch mittel- und langfristig ein rasantes Marktwachstum. † Bei der Fotovoltaik wird Sonnenenergie in Fotozellen in einem physikalischen Prozess in Strom gewandelt. SMA stellt Wechselrichter her, die den Gleich- in netztauglichen Wechselstrom wandeln. Die Geräte sind die technischen Herzstücke von Solaranlagen.

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