Skepsis an Anleihemärkten

Spanien und Italien im Würgegriff

+
Mariano Rajoy muss um die Finanzierung seines Staatshaushals bangen.

Madrid - Spaniens Probleme wachsen weiter: Frisches Geld gibt es nur gegen horrende Zinsen, die Wirtschaftslage verfinstert sich. Das kann auf Dauer nicht gut gehen, weiß auch Regierungschef Rajoy.

Vor dem EU-Gipfel schlägt Spanien Alarm. Das Euro-Schwergewicht kann seinen Staatshaushalt zu den jetzigen Bedingungen nach Angaben von Regierungschef Mariano Rajoy nicht mehr lange finanzieren. Vom anstehenden Spitzentreffen am Donnerstag und Freitag in Brüssel erhofft sich die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone einen Befreiungsschlag. An den Anleihemärkten herrscht aber große Skepsis. Der Druck auf Spanien und auch auf das Krisenland Italien lässt einfach nicht nach. Die Hoffnungen der Investoren auf einen großen Wurf beim EU-Gipfel scheinen bereits verflogen.

Rajoy setzt seine Hoffnungen dennoch auf das Treffen der Staats- und Regierungschefs: “Das dringendste Thema ist die Finanzierung (des Staatshaushalts)“, sagte der Regierungschef am Mittwoch im Parlament. Die Zinssätze, die derzeit für spanische Staatsanleihen fällig würden, seien für das Land nicht mehr für lange Zeit bezahlbar. “Zahlreichen Institutionen und Geldhäusern ist der Zugang zu den Geldmärkten schon jetzt versperrt.“ Er werde die EU auffordern, Entscheidungen zu einer Stabilisierung der Kapitalmärkte zu treffen.

Eurobonds und Finanztransaktionssteuer: Instrumente gegen Euro-Krise

Eurobonds und Finanztransaktionssteuer sind seit langem diskutierte Instrumente im Kampf gegen die Euro-Finanzkrise. © ap
Eurobonds sind gemeinsam ausgegebene Anleihen aller Eurostaaten. Bisher zahlen die einzelnen Länder für ihre Staatsanleihen unterschiedliche Risikoaufschläge, also Zinsen für ihre Kredite - je nach dem, für wie zahlungsfähig die Investoren den jeweiligen Staat beurteilen. Mit gemeinsam ausgegebenen Papieren entstünde in der Eurozone ein einheitlicher Zinssatz für alle Euroländer. © dpa
Befürworter von Eurobonds argumentieren, mit Gemeinschaftsanleihen steige die Kreditwürdigkeit der Eurozone als Ganzes. Derzeit können sich Länder wie Spanien und Italien nur noch gegen kritisch hohe Zinsaufschläge Geld zur Finanzierung ihres Haushalts beschaffen. Deutschland hingegen nimmt momentan extrem günstig neue Kredite auf, weil es als sehr zahlungsfähig gilt. © dpa
Mit Eurobonds müsste jedoch auch die Bundesrepublik den Investoren eine deutlich höhere Rendite zahlen. Das würde den Bundeshaushalt stärker belasten. Zudem argumentieren Kritiker der Bonds, dass mit einer Vergemeinschaftung der Schulden der Druck zu Sparmaßnahmen und Reformen in den Krisenländern Südeuropas sinken würde. © dpa
Die Finanztransaktionssteuer soll nach einem Vorschlag der EU-Kommission für sämtliche Finanzprodukte wie Aktien, Anleihen oder Derivate in allen 27 EU-Staaten gelten. Befürworter wie Deutschland und Frankreich erhoffen sich Einnahmen in Milliardenhöhe. Zudem könnte die Abgabe den sensiblen Hochgeschwindigkeitshandel an den Börsen weniger attraktiv machen. © dpa
Kritiker wie Großbritannien und Schweden fürchten, dass die Steuer Banken und Investoren vertreibt und damit der Wirtschaft in Europa schadet. Eine solche Besteuerung sei wettbewerbsschädigend, solange internationale Finanzplätze nicht mitmachen. © dpa

Die Rendite für richtungsweisende Zehn-Jahres-Papiere Spaniens lag am Mittwoch zuletzt bei rund 6,8 Prozent. “Die Finanzierung ist heute schon schwer genug“, sagte Rajoy. Die Lage wird sich aber noch weiter verschlimmern, wenn wir (auf dem Gipfel) nicht klar das Zeichen geben, dass wir diese Angelegenheit ernst nehmen.“

Derweil droht die spanische Wirtschaft immer tiefer in die Rezession zu rutschen. Die Konjunktur breche auf breiter Front ein, warnte die spanische Notenbank in ihrem Monatsbericht. Eine Reihe von Indikatoren weisen den Angaben zufolge darauf hin, dass der Rückgang sich in der Zeit von April bis Juni noch beschleunigt habe.

Auch im Kampf gegen sein Haushaltsdefizit gerät Spanien zunehmend ins Hintertreffen. Nach Angaben des Finanzministeriums betrug die Neuverschuldung der spanischen Regierung in den ersten fünf Monaten 2012 fast soviel, wie eigentlich für das gesamt Jahr vorgesehen war.

In einer Telefonkonferenz wollten die Euro-Finanzminister am Mittwoch über die aktuelle Lage in der Schuldenkrise beraten. Dabei dürften die Anträge Spaniens und Zyperns auf Milliardenhilfen der Europartner zur Sprache kommen.

Macht, Geld und Wirtschaftskraft - diese Länder gehören zur G20

Bei der G20 handelt es sich um die Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. © dapd
Das ganze ist ein informeller Zusammenschluss, also ohne demokratisch legitmierte Macht, zu dem 19 Staaten und die Europäische Union gehören. © dpa
Die in der G20 vertretenen Staaten erwirtschaften rund 90 Prozent des weltweiten Bruttoinlandprodukts. Die wirtschaftsstärkste Nation sind die USA. © dpa
Auch China gehört dazu. © dpa
Deutschland ist dabei. © dpa
Japan natürlich auch. © dpa
Zwei Drittel der Weltbevölkerung sind in der G20 vertreten, darunter natürlich auch Indien. © dpa
Das erste Treffen der G20 fand 1999 in Berlin statt, mit dabei waren auch die Franzosen. © dpa
Die Brasilianer sind eines von drei lateinamerikanischen Ländern in der G20. © dpa
Großbritannien darf natürlich nicht fehlen. © dpa
Italien ist auch mit von der Partie. © dpa
Russland darf in dem wichtigen Klub nicht fehlen. © dpa
Kanada nimmt ebenfalls an den Gipfeltreffen teil. © dpa
Australien ist als einzige Nation aus Ozeanien dabei. © dpa
Mit über 100 Millionen Einwohnern gehört Mexiko zu den bevölkerungsreichsten Staaten dieser Erde - und ist auch bei den G20-Treffen dabei. © dpa
Südkorea gehört zur G20... © dpa
... genauso wie Indonesien. © dpa
Die Türken sind dabei... © dpa
... die Scheichs aus Saudi-Arabien auch. © dpa
Argentinien mischt ebenfalls mit. © dpa
Und zu guter Letzt: Südafrika. © dpa
Die Europäische Union gehört auch dazu, sie wird durch die EU-Präsidentschaft vertreten. © dpa

Madrid braucht die Nothilfen für seine maroden Banken. Spanien und hatte den Antrag erst am Montag nach Brüssel geschickt. Auch der Inselstaat Zypern, der wirtschaftlich eng mit dem krisengebeutelten Griechenland verknüpft ist, bat die Euro-Partner in dieser Woche um Hilfe.

Auch Italien kommt nicht zur Ruhe: Die drittgrößte Euro-Volkswirtschaft muss Investoren nach wie vor hohe Zinsen für neue Milliarden bieten. Bei einer Auktion kurz laufender Geldmarktpapiere über sechs Monate stieg die zu zahlende Rendite am Mittwoch auf fast drei Prozent. Das ist mehr als europäische Kernländer wie Deutschland oder die Niederlande für dreißig Jahre - also das sechzigfache der Laufzeit - zahlen müssen.

Die vom Staat gestützte drittgrößte italienische Bank Monte dei Paschi will die Kosten drastisch senken und tausende Jobs streichen. Es sollen bis zu 4600 der zuletzt rund 33 000 Stellen wegfallen, teilte die Bank in Siena mit. Außerdem will sich die nach eigenen Angaben älteste Bank von einigen Sparten trennen, Bereiche auslagern und 400 der 3000 Filialen schließen.

In Deutschland werden die Anleger immer vorsichtiger: Zwar haben die Menschen hierzulande so viel Geld wie nie, schrecken aus Angst vor der Krise aber vor riskanten Investitionen zurück. “Mehr denn je sind die Deutschen bei ihren Geldanlagen auf Sicherheit bedacht“, teilte der Bundesverband Deutscher Banken mit.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.