EU-Kommission will Frauenquote

Brüssel - Mehr Chefposten für Frauen - dieses Ziel hat sich die EU-Kommission für Europa gesetzt. Dies sei nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern führe auch zu ausgewogeneren Entscheidungen.

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“Ich stehe der Idee aufgeschlossen gegenüber, europaweit Frauenquoten einzuführen, beispielsweise in den Vorständen der großen börsennotierten Unternehmen“, sagte Binnenmarktkommissar Michel Barnier der “Süddeutschen Zeitung“ (Montag). Dies sei nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern führe auch zu ausgewogeneren Entscheidungen. Seit Monaten macht die EU-Kommission den Konzernen Druck und droht der Wirtschaft mit einer Frauenquote.

Die Schonfrist läuft bald aus, schon im April will die EU-Behörde einen konkreten Vorschlag machen. 2012 könnte die Quote gelten. Konkrete Zahlen für die Quote nannte Barnier nicht. Allerdings hat die zuständige EU-Justizkommissarin Viviane Reding bereits im vergangenen Herbst als Zielgröße einen Frauenanteil von 30 Prozent in Aufsichtsräten genannt, der bis 2015 erreicht sein sollte. Fünf Jahre später sollten es bereits 40 Prozent sein.

Zum Vergleich: In Deutschland sind laut EU-Kommission nur 13 Prozent der Aufsichtsräte großer Dax-Unternehmen Frauen. In der Forschung soll künftig jede vierte Führungsposition mit einer Frau besetzt sein. “Wir müssen Frauen fördern, damit sie das erreichen, wozu sie fähig sind“, sagte Reding damals. “Ich glaube nicht, dass Selbstverpflichtungen ausreichen.“ Bereits im September 2020 hatte die EU-Kommission eine neue Fünfjahresstrategie beschlossen, die gleichen Lohn für gleiche Arbeit und mehr Frauen in den Chefetagen zum Ziel hat. Großen Konzernen drohte die Kommission bereits damals mit gesetzlichen Vorgaben, wenn die Industrie den Anteil der Frauen in Führungspositionen nicht selbst erhöht.

Die Kommission hat zugleich das Ziel, Frauen als Unternehmerinnen und Selbstständige zu unterstützen. Ihr Anteil von rund einem Drittel liege weit unter dem Potenzial. Auch für eine Angleichung des Lohngefälles zwischen Männern und Frauen setzt sich die EU-Behörde ein. Deutschland landet mit einem Lohngefälle von 23,2 Prozent im EU-Vergleich auf dem viertletzten Platz. Als Grund für die Kluft bei den Gehältern gilt, dass Frauen vielfach in Teilzeit oder in schlecht bezahlten Berufen arbeiten und nach der Familiengründung einen Karriereknick hinnehmen müssen.

dpa

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