Währung verliert seit Einführung 1,83 Prozent pro Jahr

Euro 78 Cent wert

Kassel. Die Angst vor Inflation im Euroraum geht um. Sie liegt bei aktuell 2,2 Prozent. Ob sie weiter steigt, kann derzeit niemand verlässlich vorhersagen. Aber der Blick in die Vergangenheit zeigt: Seit seiner Einführung vor genau zwölf Jahren hat der Euro im Durchschnitt aller Mitgliedsländer nach Berechnungen der Allianz für die „Bild“-Zeitung 22 Prozent an Wert verloren.

Das heißt: Die Kaufkraft eines Euros beträgt gegenüber dem Einführungstag 78 Cent. Die Geldentwertung hört sich zunächst viel an, ist es aber nicht. Denn durch zwölf Jahre geteilt, ergibt sich eine durchschnittliche jährliche Teuerungsrate im Euro-Raum von etwa 1,83 Prozent.

Deutschland besser

Deutschland schneidet isoliert betrachtet, sogar besser ab als andere Euro-Länder. Hierzulande hat der Euro noch immer eine Kaufkraft von 82 Cent. Das entspricht einer Jahresteuerungsrate von 1,5 Prozent seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Zum Vergleich: In Frankreich lag die Durchschnittsinflation seit 1999 bei 1,6, in Italien bei zwei und in Spanien sogar bei 2,4 Prozent.

Weit schlechter schneidet die D-Mark ab. Ein Vergleich zeigt, dass die Teuerung zu D-Mark-Zeiten weit größer war. In den letzten Jahren der deutschen Währung lag sie bei 2,6 Prozent.

Auch wenn der Euro durch die Schuldenkrise ins Gerede gekommen ist: Die Gemeinschaftswährung ist stabiler als andere Zahlungsmittel. Der Dollar verlor in den vergangenen zwölf Jahren 25 Prozent an Wert. Der Schweizer Franken allerdings nur elf Prozent. Nach wie vor gilt die Währung der Eidgenossen als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten.

Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise sagte, dass die Gemeinschaftswährung für stabile Preise gesorgt habe. Und Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, zeigte sich unlängst zwar alarmiert über die jüngste Preisentwicklung, betonte aber, dass der Euro bislang insgesamt für stabile Preise gesorgt habe. Sie seien in den letzten zwölf Jahren weniger gestiegen als zu D-Mark-Zeiten.

Die Berechnung der Teuerung ist eine komplizierte Angelegenheit: Das Statistische Bundesamt (Destatis) erfasst monatlich die Preise eines Warenkorbs mit 700 Produkten und Dienstleistungen, vom Brot über den Fernseher, Computer und das Auto bis hin zu Mieten und Frisörkosten.

Energie treibt Preise

In den vergangenen zwölf Jahren sorgten vor allem die Energiepreise für die Inflation: Superbenzin beispielsweise ist derzeit 87 Prozent teurer als zuletzt zu D-Mark-Zeiten (siehe Grafik). Schuhe und Kleidung verteuerten sich fast nicht, Lebensmittel legten um nur 18,8 Prozent zu.

Der Warenkorb wird regelmäßig aktualisiert und somit den veränderten Konsumgewohnheiten angepasst.

Von José Pinto

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