Experten: Bald unter drei Millionen Arbeitslose

Nürnberg - Das deutsche Jobwunder geht weiter - auch im Juli dürfte der deutsche Arbeitsmarkt mit guten Zahlen glänzen. Im Herbst könnte sogar die Drei-Millionen-Marke unterschritten werden.

Die Arbeitslosenzahl in Deutschland könnte angesichts voller Auftragsbücher der Industrie schon im Herbst unter die Drei-Millionen-Marke rutschen. Diese Schwelle werde wahrscheinlich im Oktober oder November 2010 unterschritten, prognostizierten am Mittwoch einige Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Zuletzt war dies im Oktober und November 2008 der Fall. Allerdings wollten sich keineswegs alle Volkswirte dieser Einschätzung anschließen. Unterdessen hat sich der kräftige Aufschwung auf dem deutschen Arbeitsmarkt nach Berechnungen der Experten auch im Juli fortgesetzt.

Die Zahl der Jobsucher sei lediglich um rund 35 000 auf 3,18 Millionen gestiegen. Das wären rund 280 000 Erwerbslose weniger als vor einem Jahr. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am nächsten Donnerstag (29. Juli) bekanntgeben. Der leichte Anstieg im Juli sei normal, betonten die Fachleute. Zum einen sorgten Werksferien alljährlich im Sommer für eine leichte Zunahme der Arbeitslosenzahlen; manche Firmen verzichteten für diese Zeit auf eine Verlängerung befristeter Arbeitsverträge. Zum anderen strömten Schulabgänger auf den Arbeitsmarkt; bei erfolgloser Stellen- oder Jobsuche meldeten sich diese vorübergehend arbeitslos. “Dieser Saisoneffekt bewegt sich aber im Rahmen der vorangegangenen Jahre“, betonte Allianz-Volkswirt Rolf Schneider.

Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld geht derweil wie seine Kollegen davon aus, dass “der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt weiter anhält“. Mindestens bis zum Jahresende werde sich die Entspannung der Lage fortsetzen. Dafür sorge vor allem das überraschend kräftige Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal 2010. Derzeit sei auf dem Stellenmarkt vor allem die gute Auftragslage der exportabhängigen Industrie zu spüren. Neben der Autoindustrie stellten auch Maschinenbauunternehmen wieder verstärkt Mitarbeiter ein. Vor zu großer Euphorie warnt jedoch Steffen Henzel vom Münchner ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Für den Volkswirt ist die Kurzarbeit mit zuletzt 600 000 Betroffenen immer noch vergleichsweise hoch. Zwar hätten große Firmen wie der Elektrokonzern Siemens inzwischen auf Kurzarbeit verzichtet. “Trotzdem ist mit der großen Zahl von Kurzarbeitern immer noch Druck auf dem Kessel“, betont der Konjunkturforscher.

Bevor man endgültig von einer Entspannung sprechen könne, müsse erst noch die übrige Kurzarbeit abgebaut werden. Sorgen bereiten den Volkswirten die Sparprogramme vieler Regierungen. Diese dürften 2011 zu einer Abkühlung des Welthandels führen und damit womöglich auch den deutschen Arbeitsmarkt treffen. Zwar drohe keineswegs eine Jobkrise. “Wir müssen aber mit einer nachlassenden Dynamik rechnen“, prognostiziert HypoVereinsbank- Volkswirt Alexander Koch. Auch Rolf Schneider von der Allianz ist überzeugt: “Nach dem kräftigen Aufschwung im zweiten Quartal dürfte die Erholung am Arbeitsmarkt 2011 an Tempo verlieren.“ Man müsse sich womöglich auf eine Stagnation einstellen.

dpa

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